Von Ensaimada-Eis bis Rosmarin-Honig: Diese Eisdielen und Sorten lieben wir auf Mallorca
Eis ist nicht gleich Eis: Auf der Insel finden Sie eine ganz eigene Tradition rund um den Sommer-Genuss vor – und ein paar sehr spezielle Geschmacksrichtungen. Unsere heißesten Tipps

Bei Gelats Valls schmeckt es richtig gut. / Nele Bendgens
Bei der Familienkonferenz zur Wahl der Urlaubsdestination – Spanien oder Italien? – legte die damals achtjährige künftige MZ-Redakteurin ein gewichtiges Argument in die Waagschale: In Italien gibt es besseres Eis. Nun ist es aber so, dass Mallorca innerhalb der spanischen Eis-Topografie eine gewisse Sonderstellung einnimmt und das hiesige gelat auf ganzer Linie überzeugen kann. Man findet hier allerhand himmlische Erfrischungen, die es woanders kaum zu kosten geben dürfte.
Mallorcas Eis-Tradition
Kleine Geschichtsstunde: Die Eisproduktion mag nicht das älteste Gewerbe der Insel sein, doch es reicht weit in die Vergangenheit zurück. Erstmals aktenkundig war es 1564: Damals wurde Eis mit Schnee aus der Tramuntana hergestellt, bis schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts die erste Eisfabrik in Inca gebaut wurde. Die Ruinen der sogenannten cases de neu (Schneehäuser) in den Bergen zeugen noch heute vom Geschäft der Vorfahren. In den Bauten wurde der Schnee zu Eisblöcken gepresst und anschließend von den nevaters (Schneesammlern) hinab ins Tal transportiert.
Gebraucht wurde das begehrte Gut dort nicht nur zum Verzehr, sondern vor allem zur medizinischen Behandlung von Fieber, Verbrennungen und inneren Blutungen. Doch auch das Speiseeis erfreute sich auf der Insel schon früh großer Beliebtheit: Die herrschaftlichen Häuser stellten selbst Mandeleis her, das gemeine Volk labte sich an günstigeren Varianten mit Milch, Zimt und Zitronenschale vom Eiswagen, bevor mit Aufkommen des Massentourismus die Eisdielen entstanden.
Die Besonderheiten beim Eis auf der Insel
Eine Tradition, die heute noch in einigen mallorquinischen Restaurants gepflegt wird, ist die Dessert-Kombination von Eis und Kuchen. Während man andernorts in Europa oft warmen Schokoladenkuchen mit Vanilleeis auf der Speisekarte findet, wird hier klassischerweise Eis von einem Stück Mandelkuchen (gató) begleitet, um ein vorzügliches Sommeressen abzurunden.
Laut dem Meisterbäcker Tomeu Arbona war es früher ebenso üblich, Eis mit Ensaimadas oder mit cuarts (fluffigem Biskuit-Kuchen) zu servieren. Bei der Tortenbäckerei La Confiança in Sóller wird das Eis ganz pragmatisch in eine Ensaimada hineingepackt. Ansonsten können Sie die geschichtsträchtigen Kombinationen im Kult-Etablissement Ca’n Joan de s’Aigo probieren, das im Jahr 1700 eröffnete und dereinst noch von den Schneesammlern beliefert wurde. In den mittlerweile drei Filialen des Lokals kann man noch weitere mallorquinische Besonderheiten erleben: Das von der Konsistenz her eher wässrige als cremige, aber überaus erfrischende hausgemachte Eis wird – großzügig portioniert – in Gläschen serviert. Die Menge darin entspricht ungefähr zwei Kugeln.

Stilecht im Glas: Eis essen im Ca'n Joan de S'Aigo in Palma. / Virginia Galiano
Auch in alteingesessenen Eisdielen, wo Sie zum Mitnehmen bestellen, ist das Kugel-System oft ausgehebelt: Sie werden häufig die Option sehen, einen Becher zu ordern, in den Sie je nach Größe eine bestimmte Anzahl Sorten spachteln lassen können (aber nicht müssen, wenn es Ihnen ein Geschmack besonders antut).
Ganz spezielle Eis-Sorten
Auf Mallorca führt kein Weg an Mandeleis vorbei: Ob aus rohen Mandeln (almendra cruda) oder gerösteten Mandeln (almendra tostada): Der Insel-Klassiker ist immer ein Genuss – ebenso als Flüssig-variante, dem granizado de almendras. Auch Orangeneis gehört außerhalb von Mallorca nicht unbedingt zum Standard-Sortiment. Hier bekommen Sie das beste natürlich im Orangental: Sóller ist eine bekannte Eis-Hochburg der Insel. Ein spanienweit beliebter Favorit, den nicht alle deutschen Gaumen kennen dürften, ist die Sorte leche merengada: Sie schmeckt süß und cremig nach Milch mit einem Hauch Zimt und Zitrone. Man bekommt sie nicht nur in den Eisdielen – dort manchmal frisch mit Zimt bestäubt –, sondern sogar fürs heimische Gefrierfach bei Mercadona.
Was Geschmäcker betrifft, die selbst die abenteuerlustigsten Gourmets befriedigen, hat sich die MZ ein wenig durchprobiert. Eine hervorragende Adresse im Herzen von Palma ist die 1979 gegründete Eisdiele Ca’n Miquel, die 183 Geschmacksrichtungen im Repertoire hat. Unser Chefredakteur schwört dort auf die Sorte „San Francisco“ (Apfel, Hibiskus, Zitronengras und Erdbeere). Sie ist einem fruchtigen alkoholfreien Cocktail nachempfunden, der jedem spanischen Teenie ein Begriff ist. Auch gibt es saisonale fruchtige Sorten wie aktuell melón marina (kein Vergleich zum parfümartigen orangefarbenen Standard-Meloneneis), kuriose Schoko-Kombos (mit Earl-Grey-Tee oder sieben Pfeffer-Sorten) und für ganz Mutige Variationen wie Avocado, Roquefort oder den Sommersalat trampó. Letzteres schmeckt authentisch und zwiebelig-streng – die meisten kosten nur einen Löffel.

Trauen Sie sich an das Trampó-Eis bei Ca'n Miquel in Palma? / Brigitte Rohm
Experimentierfreudig ist auch Ca’n Noble in Pollença. Wärmste Empfehlung aus der Redaktion für die dort wechselnden Sorten: Rosmarin-Honig, Kardamom, Karamell-Stracciatella, Veilchen-Blüte und Ananas mit Kurkuma und Pfeffer. Bei Gelats Paco in Palma geht es nicht ganz so exotisch zu, dafür hat die Eisdiele nationale Aromen wie „Konguito“ (die spanische Version der Erdnuss-M&Ms), oder natillas con ensaimada zu bieten. Ca’n Pau in Sóller führt die Reihe mit galleta maría fort, dem köstlich buttrigen iberischen Äquivalent zum Leibniz-Keks und einer originellen Alternative zum allgegenwärtigen Cookie.

Die vielleicht coolsten Sorten der Insel gibt es bei Ca'n Noble in Pollença. / B. Rohm
Tipps für gute Eisdielen
Bei dem enormen Angebot an Eisdielen auf der Insel die Spreu vom Weizen zu trennen, ist nicht leicht. Grundsätzlich können grelle bunte Farben und kunstvolle Eistürme Indizien für minderwertiges Eis sein, da sie etwa auf den Einsatz von Zusatzstoffen und Emulgatoren hindeuten. Und natürlich gibt es nicht nur mallorquinische Traditionsunternehmen, die wissen, was sie tun, sondern auch viele Auswanderer.
Zu den bislang genannten, empfehlenswerten Adressen können wir – die Eisfans in der Redaktion und unsere Gastro-Expertin Martina Zender – Ihnen in Palma noch folgende Eisdielen ans Herz legen: Iceberg Mallorca, die frisch im Gelato Festival World Ranking 2026 auf Platz 95 gelandet ist, Rivareno, Giovanni L., Claudio „Gelato con passione“ und Che Gelats, die neben Palma eine Filiale in Cala Major betreibt. Dort lohnt sich wiederum auch ein Abstecher zu Iannini.
An anderen Orten der Insel überzeugen uns unter anderem Gelati Mossa in Valldemossa – betrieben von Bettina Bruckschen, der ehemaligen Programmchefin des Inselradios –, Gelats Valls an der Playa de Muro, Ca’n Butxaca in Pollença (nicht ganz so innovativ wie Ca’n Noble, aber nicht minder gut), Gelat Sóller von dem deutschen Unternehmer Franz Kraus, Julio Crepes in Port d’Alcúdia, Helados Garrido in Alcúdia sowie San Remo in Can Picafort und Colonial in Colònia de Sant Jordi.
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