Es ist seit Jahren ein Erfolg auf der Streamingplattform Netflix: Fünf queere Personen, die entweder schwule Männer sind oder sich nicht der klassischen Geschlechterordnung zugehörig fühlen, begleiten fünf Tage lang einen Menschen, dem es nicht so gut geht und helfen ihm. Er wird umgestylt. Das Haus wird neu eingerichtet. Selbstvertrauen wird aufgebaut, und am Ende jeder Folge steht da ein Mensch, der glücklicher ist als vier Tage zuvor.

„Fab Five“: Jan-Henrik, David, Ayan, Leni, Aljosha. f | .: NETFLIX

„Fab Five“: Jan-Henrik, David, Ayan, Leni, Aljosha. f | .: NETFLIX

„Queer Eye“ heißt die US-Sendung und ist äußerst unterhaltsames, nicht selten rühriges Reality-TV. Was in der Einöde von Texas und Kansas funktioniert hat, soll seit Anfang März auch in der Provinz bei Oldenburg und in der Nähe der holländischen Grenze klappen. Statt Jonathan Van Ness und Tan France heißen die Moderatoren Jan-Henrik Scheper-Stuke und Ayan Yuruk. Und mit Leni Bolt gehört auch eine Mallorca-Residentin zu den sogenannten „Fab Five“, die vor laufenden Kameras den Menschen zu helfen versuchen.

Kandidaten helfen, ein positives Selbstbild zu finden

Die 28-jährige arbeitet als Coach und identifiziert sich als nonbinär, fühlt sich also keinem der klassischen Geschlechter zugehörig. In der Serie ist sie für den Bereich „Life“ zuständig. Sie soll den Kandidaten helfen, ein positives Selbstbild zu finden. Mit einem 32-jährigen Singlevater etwa probt sie ein Date, um ihm seine Unsicherheiten zu nehmen. Einer 18-Jährigen, die ihre ganze Familie verloren hat, versucht sie an einem Strand neuen Lebensmut zu geben. Mit einem Fußballtrainer, der sein Coming-out plant, klettert sie einen Fabrikturm hoch, damit er Mut fasst.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bolt bei einer TV-Produktion dabei ist. 2019 war sie in der Modedesigner-Talentshow „Guido’s Masterclass“ von Guido Maria Kretschmer als Kandidatin dabei. Bolt hat in Berlin Modedesign studiert und auch erste Berufserfahrung gesammelt. „Mir war aber schnell klar, dass ich das nicht weitermachen will. Die Industrie hat mich fertiggemacht. Ich mochte weder die Leute noch die Schnelllebigkeit“, sagt sie. Der Stress führte zum Burnout. „Davor will ich jetzt andere Leute bewahren.“

Work-Life-Balance auf der Insel

Bolt lebt seit anderthalb Jahren in einem Dorf auf Mallorca. Wo genau, möchte sie nicht sagen. Ihre Kunden sitzen hauptsächlich in Deutschland, seit Serienveröffentlichung gibt es auch viele Anfragen aus anderen Ländern. Die Beratungsgespräche finden per Videocall statt. Darin versucht Bolt die Work-Life-Balance der Kunden zu verbessern. „Auf Mallorca kriege ich das auch besser hin“, sagt sie. „Ich mach viel draußen. Diesen vibe versuche ich den Leuten zu vermitteln.“

Auf der Insel habe sie auch das Gefühl, dass die Leute entspannter mit ihrer Queerness umgehen. „In Deutschland fühle ich mich angeglotzt, hier passiert mir das nicht. Dadurch fühle ich mich viel freier.“

Auch deshalb sei die deutsche Fassung von „Queer Eye“ wichtig. Die Sendung habe eine Art Bildungsauftrag. „Wir sind längst nicht so weit, wie es von außen immer scheint. Es gibt immer noch viel Diskriminierung. Ich hoffe, dass wir mit unserem Format da ein wenig gegenwirken können“, sagt Bolt.

US-Original ist Neuauflage einer Hitshow ab 2018

„Queer Eye“ wurde erstmals zwischen 2003 und 2007 auf dem US-amerikanischen Sender Bravo gezeigt. Im Jahr 2018 legte die Streamingplattform Netflix die Serie mit anderen Moderatoren neu auf. Seither wurden sechs Staffeln gedreht, bei denen ein Team aus einem Innendesigner, einem Stylisten, einem Modeberater, einem Life Coach und einem Ernährungsexperten verschiedenen Kandidaten im Laufe einer Woche auf die Beine helfen.