"Ich werde ab jetzt sechs oder sieben Monate auf Mallorca sein": Michael Douglas über seinen Teilrückzug aus der Filmbranche
Bei der Abschlussgala des Atlántida Film Fest am Sonntagabend (28.7.) überreicht die spanische Königin Letizia dem Hollywood-Star den Preis "Masters of Cinema". Bei einer Pressekonferenz wenige Stunden vorher plauderte er auch aus dem Nähkästchen

Konigin Letizia übergibt auf Mallorca den Preis "Masters Of Cinema" an Hollywood-Legende Michael Douglas / EP/EFE
"Ich weiß, warum ihr hier seid. Es ist eiskalt", begrüßte Hollywood-Legende Michael Douglas die Journalisten am Sonntag (28.7.) bei einer Pressekonferenz im klimatisierten HM Blanc Hotel in Palma und brach damit direkt das Eis. Lautes Lachen in dem bis auf den letzten Platz besetzten Raum. Anlass des Zusammentreffens: Douglas bekommt bei der Abschlussgala des Atlántida Film Fests wenig später den Preis "Masters of Cinema" verliehen – von der spanischen Königin Letizia. Darauf freue er sich besonders, so der 79-Jährige. Preise habe er zwar viele bekommen, aber es sei das erste Mal in seinem Leben, dass er einen von einer Königin entgegennehme.
"Willkommen in Ihrer Heimat"
"Willkommen in Ihrer Heimat", "Sie sind einer von uns": Mit diesen Worten begrüßten die Verantwortlichen der Festival-Organisation den Schauspieler und Film-Produzenten und dankten ihm für seinen Einsatz für die Insel, die Traditionen und die Kultur, insbesondere in der Gemeinde Valldemossa. Auch deswegen habe er sich den Namen "Miquel de s'Estaca" verdient, wie ihn die Einheimischen dort nennen. Erst vor wenigen Tagen hatte Douglas ein Video auf Instagram hochgeladen, in dem er seinen 80. Geburtstag mit anderen Senioren des Ortes vorfeierte, und damit gezeigt: "Ich bin einer von euch."
Auch nach 35 Jahren Mallorca noch "schlechtes Spanisch"
Im Anzug, aber lässig in seinem Sessel zurückgelehnt, beantwortete er ausführlich die Fragen der Journalisten. In der knappen Stunde sammelte er mehr und mehr Sympathie-Punkte, machte einen bodenständigen Eindruck und entschuldigte sich zu Beginn erst einmal für sein "schlechtes Spanisch". Obwohl er die Insel schon seit über 35 Jahre regelmäßig besucht, sei er auch heute auf eine Übersetzerin angewiesen.
Es sei ihm eine Ehre, den "Masters of cinema"-Preis auf seiner Insel zu bekommen. "Ich liebe meine Zeit hier, die Tramuntana und diese Seite der Insel", schwärmte er. Auch dass seine Privatsphäre auf Mallorca respektiert wird, schätze er sehr.
Filme seien seine Art, um über jegliche Sprachbarrieren hinweg mit allen Menschen der Welt zu kommunizieren und mit ihnen seine Ansichten zu teilen, so Douglas. Er habe lieber eine kleine Rolle in einem guten Film als eine Hauptrolle in einem schlechten. Das Drehbuch sei entscheidend, und Ziel sei es immer, den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen.
Beim Drehen seines Vaters die intime Szene gecrasht
Welcher Film hat ihn dazu inspiriert, Schauspieler zu werden? "Ich habe viel von meinem Vater gesehen." Kirk Douglas habe damals fünf bis sieben Filme pro Jahr gemacht. "Während meiner Ferien habe ich viel von der Filmwelt mitbekommen und bin immer vertrauter mit ihr geworden. An eine Situation im Alter von neun Jahren erinnere er sich noch genau. Sein Vater habe damals zusammen mit Lana Turner für den Film "The Bad and The Beautiful" ("Stadt der Illusionen") gedreht. Es sei sehr dunkel am Set gewesen und er habe sich auf Zehnspitzen genähert, als sein Vater gerade dabei war, mit Lana Turner eine intime Szene zu drehen. Er habe nicht schlecht gestaunt.
Filmemacher – das habe er später recht schnell festgestellt – hätten es gegenüber anderen Berufen besonders schwer. Während Maler, Autoren oder Musiker ihr Ding auch alleine machen könnten, bräuchten Filmemacher immer gleich eine ganze Truppe und ein ganzes Unternehmen. In Europa werde vor allem der Arbeit des Regisseurs besondere Bedeutung beigemessen, in den USA eher auch der des Produzenten. Der tatsächliche Erfolg verteile sich jedoch auf viele Schultern.
Comedy müsste mehr Respekt bekommen
Dank seiner Rolle in der Sitcom "The Kominsky Method" (2018) mit drei Staffeln von Chuck Lorre (u. a. The Big Bang Theory) habe er sich auch dem Genre Comedy nähern können, mit dem er bis dato eher wenig zu tun hatte. Das sei einer der Gründe gewesen, warum er zugesagt habe. Er habe viel gelernt, schwärmte er.
Dem Genre werde nicht genügend Respekt gezollt. "Viele unserer Freunde mögen wir doch, weil sie lustig sind und einen guten Sinn für Humor haben", stellte er klar. Doch auch bei Preisverleihungen sei ihm immer wieder aufgefallen, dass Komödien nicht so geschätzt würden wie Dramen. Dabei sei es viel leichter, einen ernsthaften Film zu drehen als es hinzubekommen, dass eine Komödie auch wirklich lustig ist.
Ja, Mallorca hat sich verändert
Auch zu Mallorca und dem Thema Overtourism äußerte sich Michael Douglas ausführlich: Das sei das "zweitwichtigste Gesprächsthema" aktuell. "Und was ist dann auf Platz 1?", lautete die Gegenfrage der Journalisten. "Weiß ich nicht", sagte Douglas nur und sorgte erneut für Gelächter. Er denke, dass das Problem eine Kombination aus der Airbnb-Vermietung und den Mietwagen sei und der Tatsache, dass beide Dinge einander verstärkten.

Michael Douglas bei der Pressekonferenz im Hotel HM Palma Blanc. / Simone Werner
Abseits vom Massentourismus in s'Estaca
Auf dem Anwesen s'Estaca an der Küste bei Valldemossa sei er weniger vom Massentourismus betroffen. Allenfalls, wenn auch er auf der Strecke Sóller-Valldemossa die Busse überholen wolle, scherzte der Schauspieler. Die Folgen des Massentourismus wie die Wasserknappheit seien ein ernstes und heikles Thema, es brauche eine Balance.
Douglas ist einer der Gründer der Initiative Tramuntana XXI, die sich um den Erhalt der Gebirgslandschaft kümmert. "Ich denke, dass Mallorca anderen Regionen auf der ganzen Welt in Sachen Umweltschutz etwas voraus hat", so Douglas. Er sei mit den Fortschritten der vergangenen 35 Jahre zufrieden.

Will von nun an über ein halbes Jahr auf Mallorca sein: Michael Douglas. / Archiv-Foto
Mehr Zeit auf Mallorca
Was macht er überhaupt gerade außer Urlauben? Sein letzter offizieller Job sei 2022 gewesen, als er Benjamin Franklin für eine Apple Serie gespielt habe. Danach habe er sich 2023 eine Auszeit genommen und habe es sehr geschätzt, einmal nichts zu tun. Das sei immer noch so. Ganz aus dem Filmbusiness zurückgezogen habe er sich dennoch noch nicht. "Nur halb." Wenn etwas "sehr Gutes mit einem sehr guten Regisseur und gutem Material kommt", könne er auch in Zukunft nicht nein sagen. Er wolle nun aber ein einfacheres Leben und ab jetzt auch sechs oder sieben Monate auf Mallorca sein, kündigte er an.
Auch der Verzicht auf die Kandidatur des aktuellen US-Präsidenten Joe Biden in seinem Heimatland USA war am Sonntag (28.7.) Thema. Er unterstütze Biden, auch wenn er glaube, dass Kamala Harris eine "beeindruckende Kandidatin" sei, und ließ sich dann noch darüber aus, dass die Wahlkämpfe in den USA zwei Jahre dauern und "viel zu teuer seien". Seine Prognose für die Wahlen im kommenden Herbst: "Es wird sehr interessant werden."
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