Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

„Voll im Leben“: Esther Schweins über das Altern, die Heimat und die Realität auf Mallorca

Drei Generationen, zwei Länder, ein Hof: Die Schauspielerin Esther Schweins lebt mit einem Bein in Deutschland, wo ihre Mutter im Pflegeheim ist, und mit dem anderen bei ihren beiden Kindern auf Mallorca. Ein geerdetes Gespräch über die ganz großen Fragen: Wie wir altern wollen, was Heimat ist und was wir zukünftigen Generationen hinterlassen werden

Esther Schweins betreibt zusammen mit ihrer Schwägerin einen landwirtschaftlichen Betrieb auf Mallorca.

Esther Schweins betreibt zusammen mit ihrer Schwägerin einen landwirtschaftlichen Betrieb auf Mallorca. / Nele Bendgens / Nele Bendgens

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Esther Schweins meldet sich bei den Absprachen für dieses Interview mal aus dem Stadion von Real Mallorca, mal aus der Bundesbahn. Vergangene Woche war die Oberhausenerin bei einer parlamentarischen Sitzung in Berlin als Expertin für Frauengesundheit geladen – gemeinsam mit dem Arzt Martin Mücke hat sie den Podcast „Unglaublich krank“ –, kommende Woche liest sie in Biniali aus einem Roman von Ester Vilar. Das Gespräch findet bei ihr zu Hause statt, irgendwo am Fuße der Tramuntana. Die Schauspielerin lebt dort mit Sohn (17) und Tochter (18). Ihr mallorquinischer Mann starb 2017 an Krebs.

Wo steht Esther Schweins 2025, mit 55 Jahren, in ihrem Leben?

Denkt nach. Vor allem mit beiden Beinen fest auf der Erde. Jawohl. Voll im Leben. In der oberen Mitte des Lebens angekommen. Nicht nur theoretisch, auch in der Praxis: Wir Babyboomer, die erst spät Familien gegründet haben, sind nun in einer Sandwich-Position, in der die Kinder noch im Nest sind, noch zur Schule gehen und viel Aufmerksamkeit brauchen. Wir stehen voll im Arbeitsleben. Gleichzeitig machen sich auch die Eltern auf den letzten Weg. Meine Mutter hat einen langen Krankheitsweg hinter sich gebracht, der jetzt letztendlich in einer Pflegeeinrichtung in Deutschland geendet ist, die ein großer Segen für uns ist.

Auch wenn ich meine Mutter besuche, sitze ich immer erst einmal mit allen am Tisch, und wir reden. „Alt werden ist ein Massaker“, habe ich neulich gesagt, und alle lachen und hauen auf den Tisch. Das ist die Form von Ehrlichkeit und Offenheit, die ich mir wünsche.

War häusliche Pflege keine Option?

Wir haben es versucht, wie es viele andere auch versucht haben. Mein Bruder und ich, wir sind nur zu zweit, wir mussten einfach die Fahnen streichen. Das Zuhausebleiben endete in einem monatelangen Krankenhausaufenthalt, mit der typischen Karriere, die ältere Menschen hinlegen: Sturz, Bruch und dann geht’s an die Lunge, all das. Jetzt ist sie wohlbehütet und von Fürsorge und Zuneigung umgeben. Sie ist froh und erholt sich noch einmal. Vor wenigen Monaten hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sie noch einmal am Rollator geht.

Der Gedanke ans Pflegeheim schreckt ab.

Ja, man hört viele erschreckende Geschichten, die auch mir große Angst machten. Aber meine Gebete wurden erfüllt. Die Menschen, die dort arbeiten, wo wir für unsere Mutter ihr letztes Zuhause gefunden haben, sind liebevoll und Überzeugungstäter. Es mag solche und solche Pflegeheime geben, der negative Faktor ist immer die Rentabilität, weshalb die karitativen Einrichtungen im Vorteil sind, aber niemand ist zufällig im Pflegepersonal, niemand. Die sind alle dort, weil sie das tun möchten und den Sinn darin verstehen und finden. Meine Mutter wollte nie ihre Wohnung verlassen, nie. Aber jetzt sitzt sie mit den anderen ihrer Wohngruppe an einem großen Tisch, und alle sind sich bewusst, dass sie den letzten Weg gemeinsam gehen. Sie unterstützen und halten sich, können über ihre Angst reden und sogar derbe Scherze übers Sterben machen.

Esther Schweins hinter dem Logo der Zerebralparese-Stiftung Aspace, für die sie sich engagiert.

Esther Schweins hinter dem Logo der Zerebralparese-Stiftung Aspace, für die sie sich engagiert. / Nele Bendgens

Machen Sie sich nun selbst Gedanken darüber, wie Ihr letzter Lebensabschnitt verlaufen soll?

Natürlich werden alle, die in dieser Situation sind, in letzter Konsequenz auf sich selbst zurückgeworfen und die Frage, wie soll es bei dir aussehen, soweit dieser letzte Weg noch gestaltbar ist. Gott sei Dank habe ich Freundinnen in meinem Alter, die in der gleichen Situation sind, also auch zwischen diesen Mühlsteinen. Wir reden viel darüber, wie die Zukunft sein soll. Und ich wünsche mir Gemeinschaft für die Zeit der Schwäche, wenn wir Fähigkeiten lassen müssen. Auch wenn ich meine Mutter besuche, sitze ich immer erst einmal mit allen am Tisch, und wir reden. „Alt werden ist ein Massaker“, habe ich neulich gesagt, und alle lachen und hauen auf den Tisch. Das ist die Form von Ehrlichkeit und Offenheit, die ich mir wünsche. Dem ins Gesicht schauen, was da kommt. Aber eben nicht alleine.

Es ist eine Form von fast unstatthafter Freiheit, die ich genieße, weil ich so flügge bin. Bevor es wirklich unangenehm wird, bin ich wahrscheinlich schon wieder weg.

Schließt sich die Frage an: Wo alt werden? In Deutschland oder auf Mallorca?

Ganz pragmatisch gedacht: Zu Hause müsste ich in die private Krankenversicherung, das ist also undenkbar. Zögert. Irre, dass ich „zu Hause“ sage. Solange Deutschland das Zuhause meiner Mutter ist, ist es auf jeden Fall Zuhause. Und natürlich bleibt es mein Arbeits-Zuhause. Schauspielen will ich ja bis zum letzten Vorhang. Wo das dann genau hinführt – ich weiß es nicht. Aber wie auch immer man es gestaltet: Es sollten Freunde zusammenkommen. Und es braucht Jungvolk, das vielleicht an dem weisen Rat von älteren Menschen interessiert ist und einen dafür auch mal im Rollstuhl an die Sonne schiebt. Oder in den Schatten. Lacht.

„Ich fühle mich beheimatet auf Mallorca, aber nicht involviert“, haben Sie 2019 gesagt. Hat sich daran etwas geändert?

Da ging es um die seltsame Freiheit und diesen Draufblick, den so eine Lebenssituation bietet. Das gilt auch für Deutschland: Ich bin viel dort und fühle mich angehörig, aber weil ich dort nicht lebe, habe ich freie Denkräume. Umgekehrt geht es mir auch hier so. Es ist eine Form von fast unstatthafter Freiheit, die ich genieße, weil ich so flügge bin. Bevor es wirklich unangenehm wird, bin ich wahrscheinlich schon wieder weg. So viel schlechte Laune kann ich in Deutschland gar nicht mitansehen, dass ich in der begrenzten Zeit, in der ich da bin, davon wirklich angefasst wäre. Und so wütend kann ich auch hier gar nicht sein, als dass ich auf die Berge gucken und denken würde, oh, jetzt muss ich hier weg.

Ja, ich habe hier eine Identität und Geschichte. Auch im Dorf. Dort bin ich nicht mehr die Deutsche.

Woran machen Sie das fest: „auf Mallorca beheimatet“?

Natürlich ist zunächst Deutschland meine Heimat. Bei meinen Zugreisen schlägt mir das Herz höher über die Schönheit und Sattheit dieses Landes. Es ist unfassbar.

Echt?

Ja, wirklich. Danke Bundesbahn für diese unglaublichen Streckenverläufe. Manchmal hat man auch Zeit, sich die Gegend länger anzugucken, weil man da steht für Stunden. Lacht. Aber ja, Deutschland ist Heimat, und ich hätte in meinem Leben nicht vermutet, dass noch ein anderer Ort für mich Heimat oder zu Hause bedeuten würde. Aber hier wachsen meine Kinder auf, und wir leben auf dem Land, das mein Mann bestellt hat, der in Sóller geboren und hier aufgewachsen ist. Ich bin auch hier zu Hause, auch das ist ein fast unstatthaftes Glück.

Sie sind Teil einer mallorquinischen Familie.

Ja, ich habe hier eine Identität und Geschichte. Auch im Dorf. Dort bin ich nicht mehr die Deutsche. Und ich kann Helikopter fliegen – weil ich das in dem Thriller „Kinderraub in Rio“ tue, der so unglaublich oft wiederholt wird. Damit scherzen sie oft.

Ich habe noch von so vielen Bergen nicht runtergeguckt auf irgendwelche Buchten ... weil ich immer wieder weg muss, auch möchte.

Und sprachlich?

Auch da habe ich das Riesenglück, dass die Familie halb-halb ist. Meine Schwiegermutter ist Französin, mein Mann und seine Schwestern sind vielsprachig groß geworden. Sie verzeihen mir, dass ich manchmal mit radebrechenden Formulierungen daherkomme, wenn die Familie am Tisch sitzt. Ich denke manchmal so lange darüber nach, wie ich etwas sage, dass sie schon beim nächsten Thema sind. Lacht.

Esther Schweins lebt auf einem Hof am Fuße der Tramuntana.

Esther Schweins lebt auf einem Hof am Fuße der Tramuntana. / Nele Bendgens

Es wird Mallorquinisch gesprochen?

Ja, wobei ich Spanisch mit ihnen spreche oder, wenn es gar nicht anders geht, Englisch – meine Schwägerin hat mal in London gelebt. Zugleich bin ich sehr stolz auf meine Kinder, dass sie Katalanisch können. Es war gar nicht so einfach, eine Schule zu finden, mit den vier Sprachen, die wir ihnen gerne mitgeben wollten: Spanisch, Englisch, Katalanisch und Deutsch.

Wo fühlen sich die Kinder „beheimatet“?

Ich glaube, sie sind bestimmt hier beheimatet, aber auch im besten Sinne Weltbürger. Wir müssten sie selbst fragen, aber sie haben starke mallorquinische Wurzeln und Grundwesenszüge – etwas zutiefst Gesundes in ihrer Mentalität. Zugleich ist da die große Lust, die Welt zu entdecken. Sie sind viel mit mir gereist, als sie noch klein waren. Sechs, sieben Jahre habe ich sehr viel im Ausland gedreht, und ich hatte die Kinder immer im Schlepptau. Das war ein Riesengeschenk. Sie zählen das heute noch auf.

Mit dem Augenmerk darauf, dass jeder Wohnungs- oder Hausverkauf Grundsteuer in die Kassen spült, ist hier dem Ausverkauf viel zu lange zugesehen worden. Das mag nachvollziehbar sein. Nicht nachvollziehbar aber ist, dass diese Grundsteuer nicht umgelegt worden ist auf sozialen Wohnungsbau.

Sie sind jetzt seit 17 Jahren hier ...

Improvisiert ein kleines Lied: Heute hier und morgen dort. Ich bin immer schon fort, wenn die anderen hier feiern.

... hat sich Ihre Sicht auf die Insel geändert?

Die ändert sich ständig, wie sich meine Sicht auf alle Dinge ändert, wie sich die Dinge eben ändern. Und ich entdecke immer etwas Neues. Als ich meinen Mann hier kennengelernt habe, hatte ich Mallorca gar nicht im Blick. Gegenüber Freunden, die hier ähnlich lange leben und auch hier arbeiten, hinke ich hinterher. Ich habe noch von so vielen Bergen nicht runtergeguckt auf irgendwelche Buchten ... weil ich immer wieder weg muss, auch möchte.

Dass Mallorca zum perfekten Abschreibeprojekt wurde, begann im Corona-Jahr, und seither ist das so weitergegangen. Es ist einfach eine unfassbar gute Investition. Oder mit Berliner Worten: Spekulation

Verfolgen Sie die Nachrichten und die Debatten über die großen Fragen? Dem Umgang mit dem Tourismus, die Wohnungsnot?

Ja, natürlich! Auch in der Familie reden wir oft darüber. Die Wohnungsnot ist ein komplexes Thema, das nicht nur Mallorca betrifft, aber die Insellage macht die Lage noch schwieriger. Eine Katastrophe. Mit dem Augenmerk darauf, dass jeder Wohnungs- oder Hausverkauf Grundsteuer in die Kassen spült, ist hier dem Ausverkauf viel zu lange zugesehen worden. Das mag nachvollziehbar sein. Nicht nachvollziehbar aber ist, dass diese Grundsteuer nicht umgelegt worden ist auf sozialen Wohnungsbau. Und dass angesichts des begrenzten Platzes keine Restriktionen eingeführt worden sind.

Gefühlt hat hier jeder zweite in Deutschland erfolgreiche Arzt oder Unternehmer ein Haus.

Dass Mallorca zum perfekten Abschreibeprojekt wurde, begann im Corona-Jahr, und seither ist das so weitergegangen. Erst gestern hat mir eine Maklerin gesagt, dass die Leute mittlerweile Häuser auf Mallorca kaufen, die man ihnen vor fünf Jahren noch hätte nachwerfen können. Es ist einfach eine unfassbar gute Investition. Oder mit Berliner Worten: Spekulation. Schade ist, dass in der Außenwahrnehmung Tourismus und Wohnungsnot in einen Topf geworfen werden. Es stimmt nicht, dass die Mallorquiner Urlauber nicht mehr mögen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Weihnachtliche Lesung mit Esther Schweins auf Mallorca

„Ich lese gerne Bücher, ich lese gerne vor und ich sitze auch gerne im Publikum und höre anderen zu“, sagt Esther Schweins. „Das schöne Vorlesegefühl nehmen wir offenbar aus der Kindheit mit.“

Gelegenheit, das zu überprüfen, ist am 12. und 13. Dezember in der Bodega BiniVista bei Biniali, wenn die Schauspielerin aus einem cleveren, ein wenig in Vergessenheit geratenen Liebesroman von Ester Vilar liest: „Die Mathematik der Nina Gluckstein“. Die Violinistin Soriana Ivaniv begleitet sie dabei mit Tango-Musik.

Die Einnahmen aus der Lesung, bei der die Mallorca Zeitung Medienpartner ist, gehen an die Stiftung Aspace, die auf derInsel Menschen mit Zerebralparese unterstützt. Esther Schweins freut sich auf einen „weihnachtlichen, besinnlichen und gemütlichen Abend“ auf dem normalerweise nicht öffentlich zugänglichen Weingut eines dänischen Unternehmers. Los geht es um 18 Uhr, die Karten (50 Euro plus VVK-Gebühr) gibt es bei dem Portal Eventbrite.

Also keine uneingeschränkte Freude, wenn eine Schauspielerkollegin sagt, ich habe mir jetzt auch etwas auf Mallorca gekauft?

Natürlich freue ich mich, wenn es jemand ist, den ich sehr mag und von dem ich weiß, dass ich sie dann häufiger sehe, aber ich werde nicht müde zu betonen, dass man hier nicht nur nimmt, sondern auch zurückgibt. Das beginnt damit, dass man möglichst nachhaltig baut oder umbaut und dafür mallorquinische Unternehmen engagiert. Wer auf die Insel kommt, hat Zugang zu all ihren Ressourcen. Man sollte vorsichtig mit ihnen umgehen und sich mit den Menschen und ihrer Mentalität beschäftigen, wie wir das ja auch erwarten, wenn jemand zu uns kommt. Seltsamerweise legen die Menschen, die das in ihrem eigenen Land erwarten, oft keinen Wert darauf, wenn sie hierherkommen. Für viele ist es eben doch Urlaub, Ferien, Austritt aus dem eigenen Alltag. Ich zitiere einen Berliner, der zu mir sagte, meinst du nicht, dass du deine Kinder von der Realität fernhältst, wenn sie auf Mallorca zur Schule gehen?

Wie kommt er denn darauf?

Genau, das habe ich auch gefragt. Wie kommen Sie dazu, Ihre Realität, von der Sie auch nicht behaupten können, dass sie mit der Realität des Nachbartisches zu tun hat, über eine andere zu stellen? Wie kommen Sie dazu, eine mallorquinische Realität überhaupt infrage zu stellen? Hier leben knapp eine Million Mallorquiner, und wenn sie hierherkommen, treten Sie in ihre Lebensrealität ein, und die gibt es schon sehr lange. Das zu verkennen, ist bezeichnend für viele. Unfassbar.

Sagen wir so: Wir haben einen traditionspflegenden landwirtschaftlichen Betrieb, den wir tapfer aufrechterhalten.

Ihre Realität ist unter anderem ein landwirtschaftlicher Betrieb. Worin besteht er?

Wir, also meine Schwägerin und ich, haben den Pferdebetrieb übernommen von meinem Mann. Es ist kein Reiterhof, sondern ein Einstellbetrieb. Muy rústico, und eher happy horses, mit einigen älteren Herrschaften, die ihr Gnadenbrot bekommen. Bei uns reitet man aus, hier geht es nicht um Turniere. Meine Schwägerin führt es. Das Land wird bestellt von einem Neffen der ehemaligen Gutsverwalter-Familie, die hier gelebt hat bis in die späten 80er-Jahre. Wir haben Johannisbrot-, Mandel- und Olivenbäume, die wir auch abernten, und wir sind verpflichtet, Traditionspflege zu betreiben – es gelten verschiedene strenge Naturschutzauflagen. Was uns einerseits sehr einschränkt und uns das Leben schwer macht. Andererseits sind wir aber auch glücklich darüber und stolz darauf.

Wie läuft es?

Die Mandelpreise schwanken, die Erzeugerkosten steigen, wir können damit keine Gewinne machen. Wir müssen mit dem Inselrat und dem balearischen Umweltministerium zusammenarbeiten. Und dann sind da die Unwetter. Das Land nebenan liegt höher, das Wasser wäscht bei uns die Mauern aus. Das subventioniert dir keiner. Sagen wir so: Wir haben einen traditionspflegenden landwirtschaftlichen Betrieb, den wir tapfer aufrechterhalten.

Wir hatten zwar dieses Jahr keine Oliven, aber ich habe gut gehaushaltet und noch ein paar Flaschen vom Vorjahr übrig. Und unsere Bienen schenken uns reichlich Honig. Wir leben also im puren Luxus.

Und Sie sind involviert in die Entscheidungen?

Ja, wobei meine Schwägerin sich um den größten Teil kümmert. Es ist ein Dschungel von Auflagen und Subventionen, durch den man sich da mit viel Geduld kämpfen muss. Schwierig wird es, wenn die Restriktionen, denen du unterliegst, nicht mehr leistbar sind. Du kannst aus dem Land nicht das erwirtschaften, was dich privat trägt, musst aber reinbuttern. Zu den Fragen, die wir uns stellen, gehört: Können die Kinder – auch die drei meiner Schwägerin – das einmal wuppen?

Zeigen sie landwirtschaftliche Ambitionen?

Alle irgendwie schon ein bisschen, aber die Arbeit alleine ist es eben nicht. Du musst eigentlich Unternehmer sein und immer hinterher sein, um mit der Bürokratie zurechtzukommen. Wenn wir nicht einen so guten gestor hätten, der Lust hat, sich damit zu beschäftigen, wären wir schon Oberwasser Unterkiefer. Vor allem musst du oft in Vorleistung gehen. Wir haben zum Teil Subventionen von 2023 immer noch nicht erhalten. Und so geht es vielen. Wenn man sich dann die Frage stellt, warum verkaufen die in drei Teufels Namen, dann ist das wahrscheinlich oft auch aus diesem Grund. Weil so etwas nicht haltbar ist. Zögert. Doch, das ist haltbar. Aber es ist schwierig. Sagen wir: Es ist eine sinnstiftende Herausforderung. Wir hatten zwar dieses Jahr keine Oliven, aber ich habe gut gehaushaltet und noch ein paar Flaschen vom Vorjahr übrig. Und unsere Bienen schenken uns reichlich Honig. Wir leben also im puren Luxus.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents