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Anzeige gegen Christian Ulmen: Richterin in Palma erwägt Überstellung des Falls nach Deutschland

Nachdem Collien Fernandes ihren Ex-Mann Christian Ulmen angezeigt hat, prüft das Gericht auf Mallorca die Übergabe des Falls an die deutsche Justiz. Bis eine Entscheidung getroffen ist, sind die Ermittlungen ausgesetzt

Das Schauspielerpaar Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes auf einer Premiere im Jahr 2017. Jörg Carstensen/dpa

Das Schauspielerpaar Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes auf einer Premiere im Jahr 2017. Jörg Carstensen/dpa / Jörg Carstensen/dpa

Nach einer Anzeige von Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erwägt die auf Mallorca zuständige Richterin, den Fall an die deutsche Justiz zu übermitteln. Bis diesbezüglich eine Entscheidung fällt, ist das spanische Verfahren ausgesetzt. Das bestätigte am Samstagabend (28.3.) der Mallorca Zeitung eine Gerichtssprecherin in Palma. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe in Norddeutschland die Ermittlungen wieder aufgenommen.

"Die Entscheidung, ob der Fall an die deutsche Justiz übergeben wird, steht noch aus", so die Gerichtssprecherin gegenüber der MZ. Collien Fernandes hatte Christian Ulmen am 2. Dezember auf Mallorca, wo beide wohnen oder wohnten, wegen Identitätsanmaßung, Verletzung von Geheimnissen, öffentlicher Beleidigung, fortgesetzter Misshandlung und schweren Drohungen angezeigt. Eigenen Aussagen zufolge verspricht sie sich davon ein konsequenteres Durchgreifen der Justiz als im "Täterparadies" Deutschland. Zudem sei der "Tatort" Spanien gewesen, sagte sie in den "Tagesthemen".

Anwälte von Christian Ulmen: Ermittlungen gerade "ausgesetzt"

Bereits am 19. März hatte die Gerichtssprecherin gegenüber der MZ betont, dass das Verfahren noch ganz am Anfang stünde und sich über ein Jahr hinziehen könne. Am Freitag (27.3.) veröffentlichten die Medienanwälte von Christian Ulmen eine Pressemitteilung, in der es heißt, das Gericht habe "nachweislich darauf hingewiesen, dass zunächst die Zuständigkeit der spanischen Behörden geklärt werden solle und Vernehmungen von Zeugen und Beschuldigten insofern ausgesetzt seien.

Hinzu käme, dass Fernandes eine formale Voraussetzung in dem Verfahren - "eine Erklärung vor einem spanischen Notar abzugeben" - nicht erfüllt habe. "Auch sämtliche Ermittlungshandlungen sind damit ausgesetzt", so die Anwälte von Christian Ulmen.

Die Gerichtssprecherin bestätigte am Samstagabend gegenüber der MZ die Aussetzung des Verfahrens, begründete dies aber mit der noch ausstehenden Entscheidung über die deutsche oder spanische Zuständigkeit.

Fernandes hatte in einem "Spiegel"-Bericht schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben. Es geht darin um sogenannte Deepfakes (mit KI erstellte Bilder, die reale Personen vortäuschen), mutmaßlich von Ulmen in ihrem Namen angelegte Konten in den sozialen Medien sowie die Verbreitung pornografischer Inhalte. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Anwälte von Ulmen sprechen von "unwahren Tatsachen" und leiten gerichtliche Schritte gegen die "initiale Berichterstattung" ein.

Der Fall hat in Deutschland eine breit angelegte öffentliche Diskussion ausgelöst. Tausende Menschen zog es bei Demonstrationen auf die Straße, zuletzt am Donnerstag in Hamburg für mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt. Auch Collien Fernandes trat dort auf.

Widersprüchliche Aussagen zu dem Streit auf Mallorca

Die Schauspielerin und Moderatorin beschuldigt Ulmen in dem "Spiegel"-Artikel auch der körperlichen Gewalt. Dabei geht es um einen häuslichen Streit im Januar 2023 auf Mallorca, bei dem es zu einem Polizeieinsatz kam und bei dem sich sowohl Ulmen als auch Fernandes gegenseitig der Übergriffe beschuldigten. Im anschließendem Schnellverfahren seien auch Zeugen vernommen worden, so die Gerichtssprecherin am 19. März. Die Staatsanwaltschaft habe danach die Einstellung des Verfahrens beantragt, was auch geschah.

Auf diesen Vorfall gehen auch die Anwälte in ihrem Schreiben vom Freitag noch einmal ein: "Es kam zu keinerlei einseitigen Gewalthandlungen und/oder Bedrohungen unseres Mandanten", heißt es darin. "Hierzu ist – was sich im SPIEGEL-Artikel nicht wiederfindet – festzustellen, dass auch Frau Fernandes im Zuge desselben Geschehens durch die spanische Polizei nachweislich wegen körperlicher Gewalt an unserem Mandanten, der eine Verletzung am Hals aufwies, vorübergehend festgenommen worden war. Die Polizei, dies ist eindeutig belegt, ging insofern von beidseitigen Verfehlungen aus. Eine einseitige Schuldzuweisung gegenüber unserem Mandanten gab es nicht."

Fernandes widersprach daraufhin am Samstagmorgen in einem Interview mit der Bild-Zeitung: "Er (Christian Ulmen, Anm. d. Red.) hatte einen kleinen Kratzer am Hals (weil mir ein Nagel eingerissen war) und hat selbst der Polizei gegenüber geäußert, dass ich ihm keinerlei Gewalt angetan habe. Und nun wird von einer Verletzung am Hals geschrieben, während ich am ganzen Körper blaue Flecken hatte, dies ist nachweislich dokumentiert." Sie sei gefragt worden, ob sie ihn anzeigen möchte. "Umgekehrt stand es nie zur Debatte! Ich habe die Anzeige fallen lassen beziehungsweise gesagt, dass ich nichts weiter verfolgen möchte.“

Fernandes und Ulmen ließen sich in Palma scheiden. Die Scheidung ist seit dem 18. Februar 2026 rechtskräftig.

Staatsanwaltschaft Itzehoe nimmt Ermittlungen wieder auf

Unterdessen hat hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe in Norddeutschland die Ermittlungen wegen einer Strafanzeige von Collien Fernandes gegen Unbekannt im Jahr 2024 wieder aufgenommen. Dies sei nach "Prüfung der Medienveröffentlichungen" geschehen, teilte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Es sollen sich nun weitere Prüfungen in der Sache anschließen, wie Müller-Rakow sagte. Weitere Auskünfte seien aus ermittlungstaktischen Gründen nicht möglich.

Nach früheren Angaben der Itzehoer Staatsanwaltschaft hatte die Geschädigte im November 2024 bei der Polizei in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, da durch eine unbekannte Person ein Fake-Account von ihr erstellt worden sei. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe (Schleswig-Holstein) hatte das Verfahren übernommen, "weil die angezeigte Handlung wohl innerhalb unseres Zuständigkeitsbereiches durch die Anzeigende zur Kenntnis genommen worden ist", sagte Müller-Rakow.

Sie sei darum gebeten worden, für die Ermittlungen relevante Unterlagen zu übersenden. Da sie der Bitte nicht nachgekommen sei und somit Ermittlungsansätze zur Identifizierung des Täters gefehlt hätten, sei das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft Itzehoe eingestellt worden. Fernandes hatte im "Tagesspiegel" dieser Darstellung widersprochen.

Um 19.50 Uhr am 28.3. mit der Bestätigung der Aussetzung des Verfahrens aktualisiert.

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