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Fall Collien Fernandes gegen Christian Ulmen: Streit um spanische Zuständigkeit geht in neue Runde

Richterin lehnt Verfahren auf Mallorca erneut ab. Anwalt der Schauspielerin legt Berufung beim Oberlandesgericht ein

Schauspielerin Collien Fernandes bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin am 29. Mai. .

Schauspielerin Collien Fernandes bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin am 29. Mai. . / Christoph Soeder/dpa

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Die Ermittlungsrichterin in Palma, die sich mit den schweren Vorwürfen der deutschen Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann und Kollegen Christian Ulmen beschäftigt, hat zum zweiten Mal die Verlegung des Verfahrens nach Deutschland angeordnet. Entsprechende Informationen aus Justizkreisen bestätigte gegenüber der MZ der spanische Anwalt der Schauspielerin. Er hatte gegen den ersten Beschluss Einspruch eingelegt und beharrt weiter auf den Gerichtsstand Spanien.

"Wir haben diese Entscheidung bereits erwartet, weil es sehr selten ist, dass ein Ermittlungsrichter seine Meinung grundlegend ändert", so der Verteidiger. "Deswegen haben wir auch schon Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt."

Neue und definitive Runde im Ringen um den Gerichtsstand

Das Ringen darüber, ob das Verfahren in Deutschland oder Spanien stattfinden soll, geht damit in eine neue und definitive Runde. Die beiden Schauspieler waren nach der Pandemie nach Mallorca gezogen. Collien Fernandes hatte Christian Ulmen am 2. Dezember 2025 beim Gericht in Palma wegen Identitätsanmaßung, Verletzung von Geheimnissen, öffentlicher Beleidigung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Drohung angezeigt.

Sie verspricht sich davon eigenen Aussagen zufolge ein stringenteres Vorgehen der Justiz als in Deutschland, wo sie Ulmen bereits zuvor angezeigt hatte. Fernandes wirft Ulmen unter anderem vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Ulmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der Schauspieler Christian Ulmen bei einer Filmpremiere 2018 in Berlin-

Der Schauspieler Christian Ulmen bei einer Filmpremiere 2018 in Berlin- / Soeren Stache/dpa

Nicht nur auf Mallorca mutmaßliche Straftaten

Die Beziehung der beiden soll laut der in Palma gestellten Anzeige schon lange vor ihrem Umzug konflikthaft gewesen sein. Schauplatz der Ulmen zu Last gelegten mutmaßlichen Straftaten ist demnach nicht nur Mallorca, sondern auch Deutschland, weitere Länder und ganz allgemein der digitale, deutschsprachige Raum im Allgemeinen.

Die Ermittlungsrichterin argumentiert deswegen MZ-Informationen zufolge auch in ihrem neuerlichen Beschluss von Ende vergangener Woche, dass die Zuständigkeit bei der deutschen Justiz liegt. Dafür spreche auch, dass dort schon zuvor Anzeige gestellt wurde und bereits ein strafrechtliches Verfahren laufe. Die Richterin folgt damit erneut der Argumentation der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung von Christian Ulmen.

Sowohl in Palma als auch in Potsdam wird ermittelt

Ermittelt wird in Deutschland - nach einigem Hin und Her - mittlerweile in Potsdam. "Es geht um mehrere Fälle mutmaßlicher Körperverletzung, die zwischen 2022 und 2023 in Spanien stattgefunden haben sollen", bestätigt eine Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der MZ.

Sprich: Die deutsche und die spanische Justiz beschäftigen sich gerade mit denselben mutmaßlichen Straftaten. "Aktuell wird parallel ermittelt", sagt die Justizsprecherin. Ob die Staatsanwaltschaft Potsdam auch den weiteren Vorwürfen - Stichwort "digitale Gewalt" - nachgeht, sei noch offen.

Collien Fernandes in der Talkshow "Caren Miosga".

Collien Fernandes in der Talkshow "Caren Miosga". / Claudius Pflug/NDR/dpa/picture alliance/dpa

Anwalt von Ulmen pocht auf das Territorialprinzip

Der spanische Anwalt von Collien Fernandes verweist hingegen auf das Territorialprinzip. Etliche, zum Teil vom Gericht noch nicht berücksichtigte mutmaßliche Straftaten hätten sich sehr wohl auf Mallorca zugetragen. Darüber hinaus sehe die spanische Gesetzgebung vor, dass sich die Gerichte zum Schutz der Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt in Ausnahmefällen auch dann für zuständig erklären können, wenn sich die mutmaßlichen Straftaten außerhalb der nationalen Grenzen zugetragen haben.

In ihrem ersten Beschluss von Mitte April, der der MZ vorliegt, hatte die Ermittlungsrichterin zudem die sprachlichen und logistischen Herausforderungen hervorgehoben, die ein Verfahren in Spanien mit sich brächte: deutsche mutmaßlichen Täter und Opfer, deutsche Zeugen, deutschsprachige Kommunikation und mutmaßliche Rufschädigung, deutsche Server. Der spanische Anwalt von Collien Fernandes hält ein Verfahren auf Mallorca wegen vorhandener Beweismittel hingegen für effizienter.

Das Schauspielerpaar Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes auf einer Premiere im Jahr 2017. Jörg Carstensen/dpa

Das Schauspielerpaar Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes auf einer Premiere im Jahr 2017. Jörg Carstensen/dpa / Jörg Carstensen/dpa

Entscheidung des Oberlandesgerichts ist nicht mehr anfechtbar

Der Verteidiger vertraut nun auf das "juristische und technische Sachverständnis" der drei Richterinnen oder Richter des Oberlandesgerichts in Palma. Bis die bestimmt worden sind und sich des Falles angenommen haben, werde es noch "einige Wochen" dauern. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts ist dann nicht mehr anfechtbar.

Sollte das Oberlandesgericht der Argumentation des Verteidigers von Ulmen folgen und ein Verfahren auf Mallorca anordnen, müsste die Staatsanwaltschaft Potsdam entscheiden, ob sie dennoch weiter ermittelt. "Wir behalten uns das stets vor, werden aber im Zweifel die Abgabe dieser Vorwürfe prüfen", so die Justizsprecherin gegenüber der MZ.

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