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Mallorca Zeitung

Wie in der Johannisnacht auf Mallorca auf magische Weise Leistenbrüche bei Kindern "geheilt" werden

In Manacor hat sich zur Johannisnacht ein ganz besonderes Heilungsritual etabliert. In Palma de Mallorca dagegen gibt es ein lautes Spektakel

Die Wunderweide soll Leistenbrüche bei Kindern heilen, so sagt man. Sebastià Sansó

Eine kleine eigene Johannisnachts-Tradition hat sich auf Mallorca in den vergangenen Jahrzehnten auch abseits der Strände etabliert. Bis vor Corona strömten Menschen von der ganzen Insel und sogar vom Festland vor dem Morgengrauen des 24. Juni auf das Gelände der Finca s’Hort des Correu am Stadtrand von Manacor – nur, um dort Babys und Kleinkinder, bei denen ein Leistenbruch diagnostiziert worden ist, einem Heilungsritual zu unterziehen.

Die Eltern versammeln sich mit ihrem Nachwuchs an der Hanfweide, die neben dem alten Gemäuer steht, und der wundersame Kräfte zugeschrieben werden. Per Nummernvergabe wird allen ein Weidenzweig zugeteilt. Der biegsame Trieb wird vom Strauch abgeschnitten, angeritzt und zu einer Schlinge geformt, durch die das Kind nackt hindurchgeführt wird. Der Bauch wird dabei mit dem Saft der Pflanze eingerieben.

Heilt der Zweig, heilt der Leistenbruch

Anschließend fügen die Eltern den Zweig mithilfe von Schlamm und Bast wieder an die Schnittstelle am Strauch an und kennzeichnen „ihren“ Trieb mit farbigen Bändern. Wenn der Zweig bis zum Jakobstag am 25. Juli wieder angewachsen ist, heilt angeblich auch der Leistenbruch des Kindes. Falls nicht, sollte dann doch eine Operation in Betracht gezogen werden. Möglicherweise wird die Tradition in diesem Jahr zum letzten Mal in dieser Form stattfinden können – das Anwesen steht zum Verkauf.

Mit dem Kaufvertrag wird den Besitzern zwar die Pflicht übertragen, den Baum zu pflegen – dafür hat das Rathaus in Manacor gesorgt, als es die Pflanze als Kulturgut kennzeichnete. Ob die zukünftigen Eigentümer jährlich am 24. Juni Dutzende von Leistenbruch-Pilgern auf ihrem Grundstück haben wollen, ist aber letztlich ihre eigene Entscheidung.

Folklore in Palma und Feiertag

In Palma veranstaltet derweil das Rathaus jährlich zur Johannisnacht die revetla, also einen bunten Mix aus Workshops und Spielen für Kleine, Feuerspektakel und Folkloretänze.

In einigen Gemeinden oder Ortsteilen auf Mallorca ist der 24. Juni ein Feiertag: In Palma de Mallorca, Calvià, Deià, Mancor de la Vall, Muro, Porreres, Cala d’Or, Portopetro und Son Servera bleiben die Behörden und der Einzelhandel geschlossen. Ausnahmen gelten für kleine Geschäfte sowie Lokale in Tourismuszonen.

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