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Uralte Geschichte und neue Botschaft: das Geheimnis der Wachtürme auf Mallorca

An diesem Samstag (14.1.) werden wieder Rauch- und Leuchtsignale ausgesendet, an so vielen Standorten wie nie

Fast wie ein Leuchtsignal über der Torre de s’Estella: Nachtaufnahme der Milchstraße. | FOTO: JOAN ROIG

Joan Binimelis i Garcia war ein vielseitig interessierter und kundiger Wissenschaftler. Der Pfarrer, Arzt, Historiker, Geograf, Kartograf und Astronom aus Manacor ist vor allem bekannt für ein Werk über die Geschichte des Königreichs Mallorca, das er im Jahr 1595 auf Katalanisch veröffentlichte. Dokumentiert ist aber auch eine Arbeit mit dem Namen „Über die Laster der Frauen und ihren unsteten Charakter; Katalog der besonders gesunden Frauen“.

Und nebenbei ehrt ihn die Inschrift auf einem Gemälde im Diözesanmuseum von Mallorca als „Erfinder der Signalfeuer der Wachtürme“ – eine Kommunikationsform, die an diesem Samstag (14.1.) wieder zu Ehren kommen wird, jedoch nicht um vor Piraten zu warnen, sondern um ein Zeichen für die Menschenrechte sowie die Solidarität mit den Bootsmigranten zu setzen. Es ist inzwischen die siebte Auflage, und mit diesmal 78 Standorten allein auf Mallorca sind so viele Wachtürme, Monumente, Berggipfel oder Kirchtürme dabei wie nie zuvor. Die Schirmherrschaft hat der Inselrat inne (externer Link).

Die Ursprünge der Leuchtfeuer

Der Einsatz von Signalfeuern begann freilich schon vor Joan Binimelis. So berichtet der Autor und Mathematiker Josep Lluís Pol i Llompart in seinem Buch „Patrimoni i cultura matemàtica a les Illes Balears“ (Kulturerbe und Mathematikkultur auf den Balearen) von der Hypothese, dass der frühere Name von Menorca – Nura – seinen Ursprung im phönizischen Wort nur hat, zu Deutsch: Feuer. Man geht davon aus, dass die prähistorischen Siedler Türme und andere Bauten für Leuchtfeuer nutzten, um die Bevölkerung auf Gefahren vor der Küste hinzuweisen. Auch die Araber bauten während der Zeit ihrer Besatzung Mallorcas bis 1229 an den Wachtürmen.

Karte und eigener Code

Binimelis allerdings ging das Thema erstmals wissenschaftlich an. Vizekönig Lluís Vich i Manrique gab bei ihm eine Karte in Auftrag, mit der die Verteidigungsstrategie Mallorcas und Menorcas auf ein neues Fundament gestellt werden sollte. Binimelis definierte zudem eigene Codes, für Rauchsignale am Tag und Feuersignale in der Nacht. Zudem berechnete er ein Vieleck entlang der Wachtürme an der Küste, um den Sichtkontakt zwischen den aufeinanderfolgenden Standorten sicherzustellen. Die Signalkette reichte bis zum Almudaina-Palast, dem damaligen Militärhauptquartier, von wo aus die Verteidigung gegen Angreifer organisiert werden sollte. Vor allem zwischen Cap Blanc und Cala Figuera sowie zwischen Can Palou (Tuent) und dem Castell del Rei drohte die Signalkette bei schlechter Sicht zu zerreißen, wie Pol i Llompart in seinem Buch erklärt.

Auch außerhalb Mallorcas

Dieses Risiko besteht an diesem Samstag allerdings nicht. Für 13 Uhr sind die Rauchsignale geplant, für 18.30 Uhr dann die Leuchtsignale. Auf Cabrera, südlich von Mallorca, wo derzeit die meisten Bootsmigranten ankommen, befindet sich ein weiterer Standort. Bereits zum zweiten Mal sind auch Valencia, Murcia und Andalusien vertreten, auch der Libanon, Marokko und Tunesien, wie es bei den Initiatoren heißt. Die Flüchtlingsmisere sei schließlich ein Thema, das den gesamten Mittelmeerraum betrifft.

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