Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Er brennt für seinen Job: Junger Künstler bastelt auf Mallorca riesige Figuren, die dann im Feuer enden

Fallas, das sind die riesigen Figuren, die zum Beginn des Frühlings bei den Fiestas in Valencia verbrannt werden. Der Mallorquiner Toni Galmés ist ihrer Faszination erlegen. Doch der Beruf des "Fallero" hat seine Tücken

Toni Galmés mit dem Modell (re.) und dem Kopf seines diesjährigen Projektes „Ja estem en falles!“ für Mallorcas Nachbarinsel Ibiza.

Toni Galmés mit dem Modell (re.) und dem Kopf seines diesjährigen Projektes „Ja estem en falles!“ für Mallorcas Nachbarinsel Ibiza. / Nele Bendgens

Zur Begrüßung in der Lagerhalle am Stadtrand von Manacor steht ein imposanter Gorilla bereit. Gleich rechts folgt ein fast fünf Meter hoher, furchterregender Dinosaurier. Aber Angst muss hier natürlich niemand haben: Es sind Figuren aus Styropor, Holz und Spachtelmasse. Auch eine Disney-Figur, eine Burg und ein dimoni (Teufel) säumen den Weg, bis die MZ-Reporter auf Toni Galmés stoßen.

Der 22-jährige Mallorquiner ist hinter großen Holzplatten gerade dabei, sein nächstes Meisterwerk zu schaffen, doch dazu später mehr. „Diese etwas chaotische Halle ist der Ort, an dem ich die meiste Zeit meines Lebens verbringe“, sagt er zur Begrüßung und präsentiert, umgeben von Skizzen und Eimern voll Bastelkleber, die Überreste eines gewaltigen Teufels, mit dem er im Januar zu Sant Antoni den zweiten Preis beim Foguerons-Wettbewerb in seiner Heimatstadt holte.

Kein richtiger Beruf - zumindest nicht auf Mallorca

Galmés künstlerische Ader zeigte sich schon früh. Er malte für sein Leben gern. Auch die Figuren, die zu Sant Antoni in Manacor verbrannt werden, faszinierten ihn. „Als ich elf Jahre alt war, baute ich mit meiner Familie aus Zeitungspapier meine erste Skulptur für das Feuer“, erinnert er sich. Mit 15 entzündete er mit seinen Freunden in der Bar Ca’n Roseta dann einen richtigen fogueró – und erregte mit den großen, ungewöhnlichen Figuren viel Aufmerksamkeit. Schon früh konnte er sich vorstellen, eines Tages davon zu leben, wobei ihm klar war, dass das kein richtiger Beruf ist. Zumindest nicht auf Mallorca.

Galmés’ erste Figurengruppe. Da war er 18.

Dieser Teufel errang einen Preis bei Sant Antoni. / Toni Galmés

Doch dann stieß der Teenager bei einer Internetrecherche auf die fallas in der Region Valencia: riesige Fantasie- und Satire-Skulpturen, teils so groß wie mehrstöckige Häuser, die dort zu dem gleichnamigen Fest errichtet und schließlich, am 19. März mit einem ohrenbetäubenden Feuerwerk in Flammen aufgehen. Fallas, das sind foguerons im XXL-Format. Toni Galmés war hin und weg. „Ich will fallero werden“, verkündete er seine Eltern.

Drei Jahre arbeitete er an seinem Debüt

Sein Fallas-Debüt gab er dann mit 18, nach seinem Kunstabitur an der Schule Mossèn Alcover in Manacor. „Pantomima“ hieß das Werk, an dem er drei Jahre gebastelt hatte. „Als es fertig war, bat ich im Rathaus um Erlaubnis, sie auf der Straße vor meinem Haus aufstellen und verbrennen zu dürfen“, erinnert sich Galmés. Wieder waren Freunde und Nachbarn hellauf begeistert. Toni Galmés war fortan stadtbekannt.

Galmés’ erste Figurengruppe. Da war er 18.

Galmés’ erste Figurengruppe. Da war er 18. / Toni Galmés

„Von da an bekam ich immer mehr Aufträge“, sagt er. Mittlerweile seien es schon so viele, dass er sie gar nicht mehr aufzählen könne. Auf eine Figur ist er besonders stolz: den Gringotts-Drachen aus dem Harry-Potter-Film. „Das war die größte Figur, die ich bisher gemacht habe.“ Der Drache war über acht Meter hoch.

Seit drei Jahren kümmert sich Galmés um die falla für Sant Antoni de Portmany auf Ibiza, wo das valencianische Fest ebenfalls gefeiert wird. Auch dieses Jahr soll das Figurenensemble wieder die Essenz der Fiesta verkörpern. Der imposante Kopf der fallera – wie die festlich geschmückten Teilnehmerinnen an dem Fest genannt werden – nimmt bereits Gestalt an, ebenso wie ein massiver Sockel, der den oberen Teil des Körpers bilden wird. Es ist das bereits erwähnte neue Meisterwerk, im Entstehen begriffen. „Um es nach Ibiza zu transportieren, habe ich den Lastwagen selbst ausgemessen. Es ist ein ständiges Auf- und Abbauen“, sagt Galmés.

Piratenausguck auf Ibiza im Jahr 2023.

Piratenausguck auf Ibiza im Jahr 2023. / Toni Galmés

Manchmal schläft er nur ein oder zwei Stunden

Zeitgleich arbeitet er an der Bühnendekoration für ein Stück im Theater Xesc Forteza in Palma. Toni Galmés hat viel zu tun. Wenn es schnell gehen muss und die Abgabe naht, geht ihm nachmittags oder gar nachts sein Vater zur Hand, doch ansonsten ist er mit seiner Welt voller Möglichkeiten alleine. Oft werde er gefragt, ob er wirklich nichts anderes mache, als Pappmaschee-Figuren zu bauen, sagt er. Seine Antwort laute dann: „Wie soll ich etwas anderes machen, wenn ich von Montag bis Sonntag 12 bis 13 Stunden am Tag arbeite? Es gab sogar Projekte, bei denen ich nur ein oder zwei Stunden pro Nacht geschlafen habe.“

Hinzu kommt der Kostendruck. Bei den langfristig geplanten Fiesta-Skulpturen stehen die Budgets von Anfang an fest. Wenn die Materialpreise in dieser Zeit steigen, muss Galmés die Zusatzkosten schultern. „Oft habe ich am Ende genauso viel oder sogar weniger Geld als am Anfang“, sagt er. Die Abwägung, wie viel Arbeit ein Projekt wert ist, sie fällt ihm schwer. „Ich strebe in meiner Arbeit Perfektion an. Das bedeutet manchmal, mehr zu geben, als gefordert oder entlohnt wird. Das ist die unbequeme Wahrheit in meinem Beruf.“

Manchmal, wenn die Erschöpfung groß ist, überlege er sich, ob er nicht vielleicht doch den Beruf wechseln sollte. Die Freude in den Gesichtern der Kinder, die Anerkennung der Nachbarn und die beeindruckenden Endergebnisse hätten seine Zweifel aber noch immer zerstreut. Nein, er wolle keinen anderen Beruf ausüben, sagt er. Seine Arbeit erfüllt ihn, lässt ihn träumen, hoffen. Er brennt für sie.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents