"Am Anfang war ich sehr nervös": Erstmals auch Lokführerin beim Roten Blitz
In der 113-jährigen Geschichte des Zuges saßen bislang nur Männer am Steuer. Das hat sich nun geändert

Vanesa Parrilla fährt den Roten Blitz. / DM
Seit 113 Jahren gibt es den Sóller-Zug. Der "Rote Blitz" ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen auf Mallorca. In seiner Geschichte gab es bislang nur männliche Lokführer Das hat sich nun geändert. Seit Samstag (13.7.) steuert auch Vanesa Parrilla den Zug, der zwischen Palma und Sóller verkehrt, sowie die Straßenbahn bis nach Port de Sóller. Parrilla zog vor 13 Jahren vom Festland auf die Insel.
Spürt man beim Steuern einer Lok auch eine gewisse Angst?
Ich empfinde viel Respekt und Verantwortung, aber keine Angst. Wenn ich Angst hätte, würde ich nicht fahren können.
Wie fühlt es sich an, am Steuer eines Zuges wie dem in Sóller zu sitzen?
Das ist schwer zu beantworten. Am Anfang war ich sehr nervös, dass alles gut läuft und keine Pannen passieren. Aber es ist auch ein angenehmes Gefühl. Es ist sehr schön, Lokführerin zu sein.
Wird es nach Ihnen noch mehr Frauen geben, die in Ihre Fußstapfen treten?
Bald folgt eine weitere Kollegin, die sich gerade mit der Straßenbahn darauf vorbereitet. Ich hoffe, dass dies der Anfang ist und allen Frauen, die den Wunsch haben, Zugführerin zu werden, die Türen öffnet.
Wie sind Sie Lokführerin geworden?
Das kam einfach so, aus heiterem Himmel. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht. Damals habe ich mich hier bei Ferrocarril de Sóller beworben, nachdem mein Mann und ich beschlossen hatten, hier zu leben. Das war kurz nach der Pandemie. Meinen anderen Job gab ich aus familiären Gründen auf, und wir zogen hierher. Dann habe ich mich beim Roten Blitz beworben, und es ergab sich, dass sie Lokführer für die Straßenbahn brauchten. Sie boten mir die Herausforderung an, ich nahm sie an und hier sind wir nun.
Wie waren die ersten Tage in der Straßenbahn?
Ich erinnere mich, dass mich die älteren Damen von Sóller, auch wenn sie zunächst überrascht waren, ermutigten, den Beruf auszuüben.

Der Rote Blitz auf seiner Fahrt zwischen Palma und Sóller. / Ferrocarril de Sóller
Gibt es in Ihrer Familie weitere Lokführer?
Nein, aber meine Oma war in León eine der ersten Taxifahrerinnen. Ich glaube, das war damals auch ein Novum.
Wie lange dauert die Ausbildung, um am Steuer eines Zuges sitzen zu dürfen?
Zwei bis drei Monate theoretische und praktische Ausbildung braucht man. Das gilt nur für das Fahren. Es ist wie beim Autofahren: Man ist zwar vorbereitet, aber man lernt erst auf der Straße richtig zu fahren.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Man fährt eine Zeit lang mit einem anderen Fahrer neben sich, und wenn dieser sieht, dass man bereit ist, kann man den Zug allein ohne Aufsichtsperson fahren.
Haben Sie Ratschläge von Ihren männlichen Kollegen erhalten?
Von allen. Sie raten mir, sehr vorsichtig zu sein, immer ruhig und gelassen zu bleiben, langsam zu fahren und immer die Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Vor allem jetzt im Sommer, wenn die Leute kreuz und quer laufen.
Was ist der Unterschied zwischen der Straßenbahn und dem Zug?
Es gibt viele Unterschiede. Der Zug flößt einem viel mehr Respekt ein. Die Straßenbahn ist letztlich die kleine Schwester des Zuges. Der Rote Blitz ist viel anspruchsvoller.
Wie viele Personen können Sie mitnehmen?
An Bord des Zuges von Sóller können etwa 330 Personen reisen.
Sind Sie sich darüber im Klaren, dass Sie mit einer 113 Jahre alten Tradition gebrochen haben, nach der dieser Beruf immer den Männern vorbehalten war?
Ich werde mir allmählich darüber klar. Am Anfang habe ich nicht viel darüber nachgedacht, obwohl man mir schon gesagt hat: 'Du wirst die erste Frau sein, die den Zug fährt'. Zunächst war mir das nicht bewusst, denn das hätte vielleicht noch mehr Druck auf mich ausgeübt. Aber jetzt, wo ich Lokführerin bin, spüre ich die Unterstützung aller meiner Kollegen. Sie haben mich sehr unterstützt.
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