Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Four Seasons hat das neue Hotel Formentor auf Mallorca eröffnet - Ist das eine neue Dimension des Luxus?

Das historische Hotel Formentor hat als Resort der exklusiven US-Hotelkette Four Seasons wiedereröffnet. Ein Besuch

Ciro Krauthausen

Ciro Krauthausen

Was nun ist und nie war. Was war und nicht mehr ist. Und schließlich: Was bleibt. An die Neuerfindung der ehrwürdigsten touristischen Institution der Insel, des Hotel Formentor, lässt sich auf mindestens dreierlei Art herangehen. Am Dienstag präsentierten die örtlichen Verantwortlichen der nun federführenden US-Hotelkette Four Seasons den weitgehend fertiggestellten Bau erstmals der Presse. Und an diesem Freitag (16.8.) eröffnet das Hotel Formentor nach fast vierjährigem Umbau erstmals wieder für zahlende Gäste.

„Ich wollte einfach noch erleben, wie das neue Hotel aussieht“, sagt Antònia Rodríguez Borràs. Für die aparte Frau aus Pollença ist es der letzte Arbeitstag und somit ein ganz besonderer Eintritt in den Ruhestand. Erst Telefonistin, dann Rezeptionistin, schließlich Concierge: Antònia Rodríguez hat fast 40 Jahre lang die Gäste des Hotel Formentor begrüßt, darunter Staatschefs, Nobelpreisträger, Filmstars. An ihrem letzten Arbeitstag erwartet sie gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin Maria Bibiloni jetzt auch spanische Stammgäste, die sehen wollen, was aus ihrem Hotel geworden ist. Sie werden es wiedererkennen und auch wieder nicht.

Concierge Antònia Rodríguez und ihre Nachfolgerin Maria Bibiloni (re.).

Concierge Antònia Rodríguez und ihre Nachfolgerin Maria Bibiloni (re.). / Ciro Krauthausen

Klare Sichtachsen und weite Räume

Das alte Hotel Formentor existiert nicht mehr. Die Bauarbeiter haben es seit 2021 bis auf ein Gerippe abgetragen, und das Madrider Architekturstudio Lamela hat es in den alten Dimensionen und fast der alten äußeren Erscheinung neu aufgebaut. Statt 123 Zimmer und Suiten sind es nun 110, alle zum Meer gewandt, wo es doch früher auch nach hinten hinausging. Lamela hat in der Anlage Raum für einen weitverzweigten Spa- und Fitnessbereich gefunden, darüber die Veranstaltungssäle gesetzt, die Pool-Terrassen ausgebaut, die Gastronomie auf einer Ebene zusammengefasst und in den beiden Flügeln des Hotels klare Sichtachsen und weite Räume geschaffen.

Und dennoch: Wie auch Antònia Rodríguez findet, die es ja wissen muss, weist das neue Hotel immer noch viele Ähnlichkeiten mit dem alten auf. Es wäre nicht weiter verwunderlich, wenn es für diese Umsetzung noch Architekturpreise regnen würde.

Es ist schön geworden, man kann es nicht anders sagen. Alles andere wäre auch eine Überraschung, hat Four Seasons doch den Anspruch, einer der „zwei, drei exklusivsten Resorts des gesamten Mittelmeerraums“ zu stellen, wie es der italienische Marketing-Chef Carmelo Assenza formuliert. Die Betreiber schulden das einerseits dem Ruf dieses noch nie billigen Hotels, 1929 vom argentinischen Weltenbummler Adán Diehl eröffnet, in dem schon Winston Churchill auf grüne Kiefern und blaues Meer blickte.

Im "Cercle" genannten Bar-Bereich des neuen Hotel Formentor.

Im "Cercle" genannten Bar-Bereich des neuen Hotel Formentor. / Ciro Krauthausen

Durchschnittlicher Zimmerpreis von 2.500 Euro angestrebt

Vor allem aber sind sie der von Four Seasons selbst gelegten Messlatte des allerhöchsten Luxus verpflichtet. Der misst sich dann in Zimmerpreisen, wie Hoteldirektorin Estreya Gosalbez bei einem Mittagessen vorrechnet. Derzeit betrage der durchschnittliche Zimmerpreis wegen der Eröffnungsangebotee zwar noch 1.300 Euro, „für 2025 streben wir dann aber 2.500 Euro an“, sagt sie. Die Madrilenin, 42 Jahre alt, ein wenig keck, unkompliziert, ist ein Four-Seasons-Kader, ihre vorherige Station war ein Skiresort in Kanada.

Wo es früher in Formentor nur einen großen Pool gab, sind es heute 26 Pools, davon 17 kleine Privatpools mit roten Sonnenschirmen. Sie sind als Ausgleich dafür gedacht, dass die Zimmer im Erdgeschoss wegen der Kiefern keinen Meerblick haben. Früher durften die Gäste dafür auf eine prächtige Gartenanlage schauen, doch die ist nun dem Umbau zum Opfer gefallen. „Die Zimmer mit eigenem Pool sind sehr nachgefragt, die Leute mögen das“, sagt Gosalbez und rechtfertigt sich auf Nachfrage: Sicher, das sei schon ein gewaltiger Ressourcenverbrauch, aber man habe ja anderes eingespart, setze auf Geothermie, einen nachhaltigen Wasserkreislauf, und man verzichte auf Chlor.

Strand und Hotel von Formentor auf einer historischen Aufnahme.

Strand und Hotel von Formentor auf einer historischen Aufnahme. / "Formentor. El mar de las palabras"

Mexikanische Eigentümer investieren 350 Millionen Euro

Wenn dann eines Tages alles fertig ist, würden die neuen Eigentümer an die 350 Millionen Euro in den Kauf von den Vorbesitzern, der mallorquinischen Hotelkette Barceló, den Abriss und den Neubau investiert haben, schätzt Gosalbez. Die neuen Eigentümer, das sind mexikanische Milliardäre: Das Familienoberhaupt Fernando Chico Pardo ist mit dem Betrieb von Häfen und Flughäfen reich geworden, seine Söhne Andrés und Felipe führen die Geschäfte weiter und waren mit ihren Familien jetzt auch die ersten Gäste. Mehrheitseigner der Betreibergesellschaft Four Seasons ist Microsoft-Gründer Bill Gates. Das Hotel Formentor ist nicht mehr in mallorquinischer Hand. Die Mitarbeiter-Kantine heißt „Pa amb oli“

Vielleicht auch deswegen lässt Verkaufsleiter Tomàs Cifre, selbst Mallorquiner, beim Rundgang keine Gelegenheit aus, auf die Allgegenwart der Insel hinzuweisen. Das Hauptrestaurant heißt Mel (Honig, eine Anspielung auf den Ausspruch Això és mel, „erste Sahne“), der Kids-Club „Boc“ (Ziegenbock) und die Cafeteria der Mitarbeiter „Pa amb oli“.

Die gesamte Kunst stamme von Inselkünstlern, die Glasdekoration komme vom Inselbetrieb Gordiola, die Kissenbezüge mit Flammenmuster von Teixits Vicens in Pollença, sagt Tomàs Cifre. Und ob wir schon diesen Verweis auf „El Pi de Formentor“ von Miquel Costa i Llobera, eine Art mallorquinisches Nationalgedicht, gesehen hätten? In diesem Fall ist es eine von dem Künstler Andreu Maimó in einem Treppenrondell untergebrachte riesige tönerne Kiefernskulptur.

Schon der Großvater des Poolboys arbeitete hier als Gärtner

Nun gehört der lokale Bezug mittlerweile zum guten Ton der gehobenen Hotellerie, und darunter sind selbstredend auch Ausflugsangebote in die Umgebung. Eng mit der Gegend verschränkt ist das Hotel Formentor aber auch wirtschaftlich. Wie im Fall von Antònia Rodríguez, ihrer Nachfolgerin Maria Bibiloni oder auch dem Poolboy Gabriel Capllonch, dessen Großvater hier schon als Gärtner arbeitete, stammen viele der Mitarbeiter aus Pollença, was den unschätzbaren Vorteil hat, dass sie schon eine Wohnung haben.

Gabriel Capllonch ist der Pool-Boy. Schon sein Großvater arbeitete im Hotel Formentor.

Gabriel Capllonch ist der Pool-Boy. Schon sein Großvater arbeitete im Hotel Formentor. / Ciro Krauthausen

„Die Leute in Pollença wissen noch gar nicht, was jetzt auf sie zukommt“, sagt Hoteldirektorin Estreya Gosalbez. Sie meint damit einen mit dem Four-Seasons-Aufschlag zu erwartenden sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach hochwertigen Waren und Dienstleistungen, die es in dieser Form im Inselnorden noch gar nicht gebe. Erst kürzlich habe sie in Port de Pollença nach Schiffen für ihre Gäste gefragt, auch weil viele von ihnen sich so die kurvige und mit Radfahrern gespickte Anfahrt über die Halbinsel sparen könnten. „Kein Problem, wir stellen euch ein paar Boote“, habe man ihr geantwortet. „Boote?“, habe sie erwidert, „ich brauche doch Yachten!“

Bislang nur 35 Zimmer

Ein wenig Zeit, um sich vorzubereiten auf den von Gosalbez erwarteten Ansturm von reichen US-Amerikanern, Briten, Spaniern und Deutschen – so das derzeitige Buchungsranking in absteigender Reihenfolge, haben die pollençins noch. Das Hotel eröffnet 2024 nur mit 50 Zimmern, von denen sogar nur 35 tatsächlich genutzt werden, wie Estreya Gosalbez einräumt.

Estreya Gonsalbez ist die Hoteldirektorin des Resorts von Four Seasons auf Formentor.

Estreya Gonsalbez ist die Hoteldirektorin des Resorts von Four Seasons auf Formentor. / Ciro Krauthausen

„Wir sind unseren Gästen den allerbesten Service schuldig, mehr von ihnen können wir diesen Service derzeit nicht bieten“, sagt sie. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit Gemeinde, Anwohnern und Umweltschützern über den Umbau, der zum Neubau wurde, und weiteren Verzögerungen hat sich die Eröffnung bis spät in die Saison hineingezogen.

Schon nach zweieinhalb Monaten geht es in die Winterpause

Das Resort wird schon am 1. November bis zum 15. März wieder schließen. Der komplette Spa-Bereich und ein peruanisch-japanisches Restaurant namens Shima gehen erst 2025 in Betrieb. Hinzu kamen die Schwierigkeiten, Unterkünfte für die nicht ortsansässigen Mitarbeiter zu finden. An die 200 sind es jetzt, 2025 sollen es 400 sein. Für kommendes Jahr verhandle man über den Erwerb eines ganzen Wohngebäudes, sagt Gosalbez.

Fortbildungen, um mit der Geschichte vertraut gemacht zu werden

Die vielen neuen Mitarbeiter – von der alten Belegschaft sind derzeit nur noch 30 da –seien in Fortbildungen mit der Geschichte dieses Ortes vertraut gemacht worden. Dennoch steht die Büste des Gründers Adan Diehl nun ein wenig verloren in der nicht mehr vorhandenen Gartenanlage, sind die historischen Fotos auf die Badezimmer verbannt, heißen die Top-Suiten nicht mehr Winston Churchill und Grace Kelly, sondern Formentor Suite (102 Quadratmeter) und Royal Suite (128 Quadratmeter). Das mit der Geschichte sei so eine Sache, sagt die Hoteldirektorin. "Wir müssen da eine Balance finden, wir wollen die Gäste damit auch nicht überfrachten."

Die Büste von Adán Diehl, Gründer des Hotel Formentor.

Die Büste von Adán Diehl, Gründer des Hotel Formentor. / Ciro Krauthausen

Die Patina, die das alte Hotel Formentor zu so einem vornehmen Ort der Ruhe und Distinktion machte, ist ohnehin verschwunden, sie war auch nicht mehr zu retten. „Wir wussten doch alle, dass das Gebäude abrissreif war“, sagt Antònia Rodríguez aus der Mitarbeiter-Perspektive. „Mit der Zeit werden wir sehen, ob der alte Geist hier wieder einzieht.“

Sie wolle an das kulturelle Erbe dieses Ortes, an Literatentreffen und Konzerte, wieder anknüpfen, sagt die Hoteldirektorin. „Wir möchten hier keine Festung sein. Wir müssen einen Weg finden, dass die Leute zu uns zum Essen kommen und einen Kaffee trinken, wobei die Hotelgäste natürlich Vorrang haben." Den Vor-Vorbesitzer, Miguel Francisco Buadas, der das Hotel 2006 an Barceló verkaufte, wird sie dabei wohl nicht begrüßen können. „Ein Besuch würde mich zu sehr schmerzen“, sagte der 90-Jährige zu der Hoteldirektorin.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents