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Hier gibt es Hoffnung für Mallorcas jugendliche Straftäter

Am IES Can Balo werden jugendliche Straftäter unterrichtet. Einige sitzen Haftstrafen ab, viele kommen aus unstabilen Verhältnissen. Keine leichte Aufgabe für die Lehrkräfte

Die Lehrer der Can-Balo-Schule unterrichten in den jeweiligen Strafanstalten

Die Lehrer der Can-Balo-Schule unterrichten in den jeweiligen Strafanstalten / IES Can Balo

Das familiäre Umfeld von Elía (Name geändert) ist das, was Experten als „wenig stabil“ bezeichnen. Die Mutter war bei ihrer Geburt noch ein Teenager, der Vater glänzte durch Abwesenheit. Die einzige Bezugsperson, die sie hatte, war ihre Großmutter. Mit 13 Jahren begann Elía, Marihuana zu rauchen und Alkohol zu trinken. Der Konsum eskalierte, sie brach die Schule ab, geriet auf die schiefe Bahn. Es folgten mehrere Festnahmen. Mit 16 Jahre musste sie wegen häuslicher Gewalt ihre erste Haftstrafe in einer Jugendstrafanstalt verbüßen.

Hoffnung statt Verzweiflung

Die ersten Momente in der Anstalt seien hart gewesen. „Ich wollte nur weglaufen oder sterben“, geht aus Erfahrungsberichten der jungen Frau hervor, die Núria López Roca in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammengetragen hat. López ist die Leiterin der Gesamtschule IES Can Balo, einer Schule für jugendliche Straftäter, die gerichtlichen Auflagen unterstehen. So wie Elía. Das Gericht hatte ihr eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten in einem halboffenen Vollzug in der Jugendstrafanstalt Es Fusteret auferlegt. Später kam sie in die Anstalt Es Mussol. Während dieser Zeit begann Elía, die Can-Balo-Schule zu besuchen – und zu schätzen.

Bei dem Besuch in der Schule sind Gespräche mit den Journalisten nicht erlaubt. Dank des Unterrichts habe sich Elías anfängliche „Verzweiflung“ aber in „Hoffnung“ verwandelt, zitiert Núria López aus den Erfahrungsberichten, die sie kürzlich in dem Artikel über Bildungserfolge jugendlicher Straftäter verarbeitet hat. Erstmals in ihrem Leben habe Elía Unterstützung erfahren und Fortschritte an sich gespürt.

Es sind Fälle wie dieser, die Núria López motivieren, sich weiter als Schulleiterin zu engagieren. An der IES Can Balo, betont sie, versuche man, die Schüler bestmöglich auf das Leben vorzubereiten und ihr Potenzial zu fördern – unabhängig davon, ob sie Abschlüsse erreichen. Im Vordergrund stünden die Schicksale der Jungen und Mädchen. Sie und ihr Kollegium kämpften für jeden einzelnen von ihnen, so López – ein Kampf, den das normale Schulsystem oft aufgegeben hat.

Lehrer statt Richter

Am wichtigsten sei es, die Hoffnung nie aufzugeben und den Jugendlichen zu vermitteln, dass sie bis zum letzten Tag an ihrer Seite bleiben. Selbst für die komplexesten Situationen gebe es Auswege, ist López überzeugt. „Hier sind wir Lehrer, nicht Anwälte, Richter oder Staatsanwälte. Unsere Aufgabe ist es, zu unterrichten“, betont López in ihrem Artikel.

Das Can Balo, das 2017 gegründet wurde, hat keine festen Unterrichtsräume: Zwar gibt einen zentralen Standort neben Mallorcas Jugendgefängnis Es Pinaret, aber die Lehrer fahren auch zu den verschiedenen anderen Heimen und Strafanstalten, um dort vor Ort zu unterrichten. Die Bildungsangebote sind breit gefächert – Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren können hier von der Sekundarstufe über das Abitur bis hin zu Berufsausbildungen und Vorbereitungskursen für Uni-Aufnahmeprüfungen oder Sprachtests absolvieren.

Fast alle der Schüler kämen aus schwierigen Familienverhältnissen, so López. Auch zahlreiche „Menas“ – unbegleitete minderjährige Migranten – seien an der Can Balo eingeschrieben. „Daher sind die emotionale Arbeit und der Aufbau von Beziehungen für uns Lehrer so entscheidend“, erklärt Biel Cerdà. Der Dozent für Gastronomie hatte ursprünglich nur als Vertretung an der Can Balo begonnen, mittlerweile ist er bereits seit sieben Jahren dort. Die soziale Dimension der Arbeit habe ihn „gepackt“, sagt er. Wenn Cerdà einen neuen Schüler kennenlernt, ziehe er es vor, nicht erst die langen Akten über die Vergehen des Jugendlichen zu lesen. Er wolle sich bei seinem ersten Eindruck nicht von der Vergangenheit der Teenager beeinflussen lassen. Doch wenn die Jugendlichen von sich aus ihre Geschichten erzählen, während sie mit ihm in der Küche arbeiten, dann hört er ihnen zu. Konflikte oder Zwischenfälle habe er noch nie erlebt, sagt er. Allerdings müsse er nach jeder Unterrichtsstunde überprüfen, ob niemand heimlich Küchenutensilien eingesteckt habe.

Wer an der Can Balo arbeite, der müsse sensibel und flexibel sein, so der Pädagoge. Leicht sei die Aufgabe nicht. Doch wenn er ehemalige Schüler später in Restaurants arbeiten sehe und merke, wie zufrieden sie darüber sind, etwas erreicht zu haben, dann wisse er wieder, warum er seine Arbeit tut. Einige seiner Schützlinge, berichtet er stolz, hätten es sogar geschafft, in Spitzenrestaurants wie dem des Luxushotels St. Regis Mardavall zu arbeiten. Hart sei es dagegen, die Vorurteile mitzubekommen, die viele Menschen gegen die Jugendlichen hätten. „Es ist immer schwer für uns, Betriebe zu finden, die bereit sind, ihnen Praktikumsstellen anzubieten“, so Cerdà.

Rückschläge gehören dazu

„Gerade am Anfang müssen wir Lehrer uns auf jeden Schüler einstellen, viele von ihnen sind zunächst psychisch sehr angeschlagen“, sagt Óscar Delgado, Lehrer für Gartenbau. „Wenn man möchte, dass sie sich in die Gesellschaft eingliedern, muss man intensiv an einer Veränderung ihrer Gewohnheiten arbeiten.“ Oft müsse er spontan auf Herausforderungen reagieren, und auch mal den geplanten Unterrichtsstoff über den Haufen werfen – je nach aktueller Verfassung der Schüler. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, die jungen Menschen irgendwann in die „normale“ Gesellschaft einzugliedern. Und das sei nur möglich, wenn diese sich dazu auch bereit erklären.

Nicht immer habe man damit Erfolg. Auch Rückschläge gehörten zum Alltag an der IES Can Balo. Im Fall der jungen Elía aber war der Schulaufenthalt durchweg positiv. „Ich bin ein anderer Mensch, habe die Beziehung zu meiner Mutter wiederhergestellt“, wird sie von der Schulleiterin zitiert. „Es war meine Chance auf den Neuanfang.“ /somo

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