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Hotelbesetzer in Cala Bona sind wohl nicht die einzigen Okupas im Küstenort

Hausbesetzer quartierten sich in Ferienapartments ein. Wer sie einlud, bleibt unklar. Nicht weit davon ist schon seit Längerem eine weitere Anlage besetzt - die MZ hat sich dort umgeschaut

Die Ferienappartmentanlage Sol i Mar in Cala Bona. Bis Samstag (18.1.) hatten sich hier Hausbesetzer einquartiert

Die Ferienappartmentanlage Sol i Mar in Cala Bona. Bis Samstag (18.1.) hatten sich hier Hausbesetzer einquartiert / Sophie Mono

Sophie Mono

Sophie Mono

Der Arbeiter zuckt mit den Schultern. „Aufräumen und reparieren, mehr kann man hier nicht tun“, sagt er. Kurz lässt er die MZ einen Blick in die Eingangshalle der Apartment-Anlage Sol i Mar werfen. Müllsäcke stehen hier herum, abgebröckelter Putz liegt auf dem Boden, an einer Wand weiter hinten ist Graffitti zu erkennen. Kreuz und quer im Raum verteilt stehen halb abgedeckte Sofas. Es ist Dienstag (21.1.). Nur drei Tage zuvor war die Ferienanlage in dem beschaulichen Küstenort Cala Bona noch in fester Hand einer Gruppe von okupas (Hausbesetzern), die sich in der Urlauberunterkunft einquartiert hatten.

"Eine Frage der Zeit"

„Die Menschen finden keine Wohnung, und die Hotels stehen im Winter leer. Es war nur eine Frage der Zeit, dass so etwas passiert“, findet eine Passantin, die mit ihrem Hund am Sol i Mar entlangläuft und sich als Antònia Amengual vorstellt. Sie wohne nur wenige Straßen entfernt. „ Uns Anwohner haben die Besetzer in keiner Weise gestört, weder durch Lärmbelästigung, noch durch Müll oder sonstige Randale“, beteuert die Mallorquinerin. Wie auch andere Passanten, mit denen die MZ spricht, hat sie hauptsächlich aus den spanischen Medien erfahren, was sich im Inneren des Gebäudes abgespielt haben soll.

Etwa, dass dort zeitweise bis zu 20 Menschen untergekommen seien sollen, darunter eine Mutter mit zwei Kindern. Dass die okupas angeblich einer Bande „Miete“ bezahlt hätten, die sie bereits im November ins Gebäude ließ. Dass der Betreiber des Komplexes am Sonntag (12.1.) die Polizei rief, weil die Alarmanlage losging und er die Besetzer, wie er sagt, auf frischer Tat beim Einbruch erwischt habe. Dass der balearische Tourismusminister Jaume Bauzà am Donnerstag (16.1.) zu den Besetzern kam, und ihnen zwar Verständnis für ihre Notlage signalisierte, aber auch klarstellte, dass eine Hotelbesetzung keine Lösung sei, zumal dadurch die Wiedereröffnung zum Saisonstart gefährdet sei.

Die Ferienapartment-Anlage Sol i Mar in Cala Bona: Bis Samstag (18.1.) hielten sich hier Hausbesetzer auf.  | FOTO: SOPHIE MONO

Tourismusminister Jaume Bauzà traf die Hotelbesetzer am Donnerstag (16.1.) in Cala Bona / CAIB

Ruhig, aber nicht ausgestorben

„Die Besetzer selbst hat man hier gar nicht zu Gesicht bekommen, sie lebten sehr zurückgezogen“, berichtet ein Barkeeper im „Nelson“, einer schlichten kleinen Bar rund 150 Meter die Straße rauf. Natürlich sei die Besetzung auch bei seinen Stammgästen in den vergangenen Tagen Dauerthema gewesen. „Die meisten haben hier Eigentumswohnungen, es gibt wenig Fluktuation in der Nachbarschaft“, so der Wirt. Viele Anwohner fragten sich, wieso die okupas sich gerade an diesem Ort niedergelassen hätten, in dem es im Winter zwar ruhig zugehe, aber nicht ausgestorben sei.

Tatsächlich stehen hier leere Hotelkomplexe Wand an Wand mit Mehrfamilienhäusern. Neben verwaisten Touri-Shops sind viele Geschäfte auch jetzt, außerhalb der Saison, geöffnet: eine Apotheke, ein Friseursalon, ein Nagelstudio, ein Elektrofachgeschäft. Und mittendrin das Sol i Mar. Kein Vergleich zu anderen Urlaubsorten, in denen die Besetzer im Winter ganze Straßenzüge für sich alleine hätten.

Undurchsichtige Spekulationen

Wie und unter welchen Umständen die okupas tatsächlich ins Sol i Mar gelangten, darüber wurde auch in den spanischen Medien ausführlich spekuliert. Sowohl die Handvoll erwachsener Besetzer, die vergangene Woche noch im Hotel verblieben waren, als auch der Verwalter stellten sich selbst als Opfer dar und beschuldigten sich gegenseitig. Noch undurchsichtiger wurde die Angelegenheit, als sich am Freitag (17.1.) auch der Eigentümer des Gebäudes einschaltete – und dem Betreiber seinerseits vorwarf, mit den Besetzern unter einer Decke zu stecken und sie sogar selbst eingelassen zu haben, angeblich, um eigene Betrügereien zu verbergen. „Die drei verbleibenden Besetzer verließen am Samstag freiwillig das Gebäude“, ist alles, was die Ortspolizei von Son Servera auf MZ-Anfrage bestätigt. Zu einem angeblichen Abkommen zwischen den Eindringlingen und dem Verwalter, sich nicht mehr gegenseitig zu belangen, will sich die Behörde nicht äußern.

So oder so – das große mediale Aufheben um die Besetzung der Ferienimmobilie hat die gesamte Hotelbranche auf Mallorca alarmiert. Die Hoteliersvereinigung FEHM äußerte ihre Sorge über mögliche Nachahmer – und versuchte zugleich, den Ball flach zu halten. Es seien weder in der Vergangenheit noch aktuell weitere Fälle von Hotelbesetzungen bekannt, so eine FEHM-Sprecherin zur MZ.

Wohl nicht die einzigen Besetzer in Cala Bona

Nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken – diese Strategie scheinen auch andere mutmaßliche Besetzer in Cala Bona zu fahren. Keine zehn Gehminuten vom Sol i Mar entfernt haben sich laut MZ-Informationen ebenfalls okupas niedergelassen. Nicht in einem Hotel, sondern in einer Wohnanlage, die schon länger leerstehen soll. Neben den gepflegten Reihenhäuschen ringsum wirkt sie heruntergekommen, viele hölzerne Fensterläden sind kaputt, durch ein Loch in der Außenwand führt ein Stromkabel ins Innere. „Das sind auch Besetzer“, bestätigt eine Frau, die aus einem der Nachbarhäuser kommt. „Aber ich mische mich da nicht ein.“ „Keine Fotos“, ruft kurz darauf ein Mann, der aus dem Gebäude stürmt. Auch reden will er nicht. Nur, dass die Presse verschwindet. Bloß keine weiteren Okupa-Schlagzeilen aus Cala Bona.

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