"Mallorca braucht Leute wie mich" - Wer der Däne ist, dem schon ein Drittel von Banyalbufar gehört
Vom Gründer der Saxo Bank zum Hotelier auf der Insel: Der Däne Kim Fournais sucht sich gerne große Aufgaben. Er selbst sieht sich zugleich als bescheidener Arbeiter und als eine Art Heilsbringer für die Gemeinde in der Serra de Tramuntana, die ihm ans Herz gewachsen ist

Kim Fournais in seinem Hotel Sa Coma in Banyalbufar. / Guillem Bosch
Kim Fournais ist der neue Großgrundbesitzer in Banyalbufar. Der Däne besitzt jetzt rund ein Drittel des Gemeindegebiets. Fournais gründete im Jahr 1992 den Online-Broker Saxo Bank. Das Vermögen des 58-Jährigen wird auf 500 Millionen Euro geschätzt. Auf Mallorca will er nun mit gleich zwei Projekten ins Hotelgeschäft einsteigen. Allerdings gehe es ihm dabei primär um den Erhalt von Kulturgütern, sagt er im Interview mit der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“.
Ich hatte Angst, zu spät zu kommen, denn Sie schätzen die Zuverlässigkeit.
Ich bin es, der mit einer Minute Verspätung erschienen ist. Es ist wichtig, pünktlich zu sein, denn wenn man sich mit jemandem verabredet hat, zeigt man so Respekt vor dessen Zeit. In vielen Bereichen des Lebens ist es entscheidend, das zu tun, was man angekündigt hat – dazu gehört natürlich auch ein pünktliches Erscheinen.
Haben Sie diesmal Ihr Privatflugzeug selbst nach Mallorca geflogen?
Dieses Mal tatsächlich ja. Manchmal fliege ich mein Flugzeug selbst nach Mallorca, andere Male nicht, denn es ist natürlich teuer, und es gibt ja auch so gute Verbindungen. Der Flug von Kopenhagen nach Palma dauert drei Stunden. Es dauert weniger, als nach Jütland in Dänemark zu kommen, und günstiger ist es auch noch.
Wer sind Sie?
Ich bin Däne, 58 Jahre alt. Ich bin in einer Familie der Mittelschicht aufgewachsen. Ich habe schon immer die Natur geliebt, das authentische Essen, das Leben an der frischen Luft mit Menschen, die ich liebe. Ich bin zudem ein sehr leidenschaftlicher Mensch.
Ich nehme mal an, dass diese Leidenschaft sich in Ihrem Unternehmertum ausdrückt.
Ich habe als Praktikant im Finanzwesen angefangen, ohne mein Ingenieursstudium zu beenden. Mit 26 Jahren habe ich festgestellt, dass Finanzinstitute benötigt werden, die den Kunden gute Investitionsmöglichkeiten anbieten. Ich habe ein Gespür für Orte, an denen man viel machen kann und wo es toll ist, Projekte umzusetzen, wie etwa hier in Banyalbufar.
Banyalbufar muss seinen Charakter bewahren, es darf sich nicht in ein neues Deià verwandeln.
Wie haben Sie als Unternehmer angefangen?
Ich hatte nur einen einzigen Angestellten. Heute sind wir bei Saxo Bank rund 2.300 Personen. Ich hatte auch kein Geld, nur 70.000 Euro. Ich bin ein einfacher Mann, der aber die Dinge klar ausspricht.
Sie haben die Finanzinvestitionen demokratisiert, indem Sie sie auch für Kleinanleger verfügbar machten.
Wir haben eine breite Basis. Investieren kann man ab einem Volumen von 5.000 Euro. Mittlerweile betreuen wir 1,3 Millionen Anleger. Wir bauen gerne langfristige Beziehungen auf. Mein Denken ist eher technisch veranlagt, das eines Ingenieurs eben. Ich bin kein klassischer Banker und habe bei null angefangen.
"Bescheidener Arbeiter"
Heute sind Sie aber ein Magnat.
Nein, ich bin ein bescheidener Arbeiter, der da viele Stunden reinsteckt, aber ich habe das Glück, dass ich eine Arbeit habe, die mich mit Sinn erfüllt. Mir wurde die Gründung der Saxo Bank nicht in die Wiege gelegt, deshalb bin ich kein Magnat, sondern ein ganz normaler Typ, der ein Unternehmen von Grund an aufgebaut hat. Und das nun mittlerweile seit 32,5 Jahren stetig wächst.
Sie haben fast ein Drittel des Gemeindegebiets von Banyalbufar erworben. Warum tun Sie das?
Weil ich diesen Ort liebe. Die Tramuntana ist eine der schönsten Landschaften der Welt, noch vor Korsika oder Sardinien. Hier zu sein, macht die Menschen glücklich. Das ist die eine Grundlage. Die andere ist, dass ich Erfahrung an einem anderen Ort gesammelt habe – auf der kleinen dänischen Insel Vejrø. Sie war ein Schrottplatz. Ich habe sie gesäubert und nachhaltig gemacht.

Soll 2027 als Hotel eröffnen: das Anwesen Son Valentí. | FOTO: GUILLEM BOSCH
Wir befinden uns gerade im Hotel Sa Coma in Banyalbufar, Ihr wohl am zentralsten gelegenes Besitztum.
Die mallorquinische Familie, die das Hotel über Generationen geführt hat, befand sich in einer schwierigen Lage und wollte es verkaufen. Als ich ins Spiel kam, war sie in Verhandlungen mit Investoren aus Barcelona, die großen Druck hinsichtlich des Preises und der Vertragsbedingungen machten. Mir gelang es, im September den Kaufvertrag zu unterschreiben. Wie Sie sehen, lebt die Familie immer noch hier. Wir hoffen, bald mit den Renovierungsarbeiten beginnen zu können.
Wann wird das neue Hotel Sa Coma mit seinen 32 Zimmern wiedereröffnen?
Es wird 2026 wiedereröffnen – als hervorragendes Vier-Sterne-Hotel. Es muss mit viel Hochachtung vor den Traditionen und den Materialien der Umgebung restauriert werden.
"Den Charakter wahren"
Was haben Sie für ein Banyalbufar im Sinn?
Banyalbufar muss seinen Charakter bewahren, es darf sich nicht in ein neues Deià verwandeln, das zwar ein wunderschönes Dorf ist, aber nicht den Charme von Banyalbufar hat. Ich mag hier die engen Gassen und den Umstand, dass es nicht so viele Urlauber gibt.
Ihr Ziel ist es also nicht, Banyalbufar in Deià oder Valldemossa zu verwandeln?
Wir kommen auf diese Welt und verbringen hier eine Sekunde. (Schnippt mit den Fingern.) Wenn man es schafft, eine Spur zu hinterlassen, die die Umgebung verbessert, kann man sich schon zufriedengeben. Zumal ich gerne mehr Zeit hier verbringen würde. Wir sind hier viel zu Fuß unterwegs. Ich möchte in Banyalbufar bedeutsame Arbeitsplätze schaffen, einen belangvollen Tourismus herholen. Ich will, dass das Essen von der Insel ist und nicht vom Festland importiert wird. Dass Produkte serviert werden, die schon immer in der Tramuntana angebaut wurden.
Warum haben Sie Richard Branson das Anwesen Son Valentí abgekauft?
Son Valentí war seit Ewigkeiten eine Ruine, das bringt niemandem etwas. Wenn man es nicht restauriert, wird dieses schöne Gebäude zusammenbrechen und für immer verschwinden. Wir werden es ebenfalls gemeinsam mit Guillermo Reynés (bekannter mallorquinischer Architekt, Anm. d. Red.) restaurieren. Das ist sehr kostspielig und kann nicht ohne Gäste durchgeführt werden, die Geld beisteuern. Branson hat ewig dafür gebraucht, die Hotellizenz zu bekommen. Als er es auf den Markt brachte, haben wir unsere Chance genutzt.
Kann ein kleines Hotel wie Son Valentí rentabel geführt werden?
Die Renovierung ist langwierig, und der wirtschaftliche Ertrag ist nicht garantiert. Man kann hier nicht auf den Tisch zehn Euro legen und sicher sein, dass dort hinten 50 Euro herauskommen. Wir wollen Ostern 2027 eröffnen. Es werden nur 13 Zimmer sein, weil wir das Gebäude nicht vergrößern dürfen. Und es wird ein Fünf-Sterne-Hotel, denn man kann nicht eine solche Renovierung in Angriff nehmen, ohne dass die Gäste bereit sind zu bezahlen.
Sie leben auf dem Anwesen Es Rafal, Ihr erster Erwerb in Banyalbufar.
Ich habe 20 Jahre lang auf Mallorca ein Haus gesucht und sechs Jahre gebraucht, um Es Rafal zu kaufen, das damals übrigens auch heruntergekommen war. Ich denke gerne langfristig.
Ist es richtig anzunehmen, dass Banyalbufar Sie auserwählt hat?
Oh, ich hatte einfach das Glück, dass ich diesen Ort eines Tages auf einer Fahrradtour entdeckt habe. In 25 Jahren hatte ich viele Gegenden auf Mallorca gesehen. Die Insel hat einige hinreißende Orte und andere, die weniger schön sind, das kann man wohl sagen. Die Mallorquiner haben es satt: immer nur Tourismus, Tourismus, Tourismus. Deshalb muss Banyalbufar erhalten werden, aber das ist unmöglich ohne Einnahmen. Im Hotel Sa Coma werden wir die vorherige Betreiberfamilie weiter beschäftigen. Zudem hoffe ich, dass viele Anwohner in meinen Häusern arbeiten wollen.
Sie wollen also Banyalbufar in ein Geschäft verwandeln.
Ich liebe diesen Ort, ich muss das nicht nur als Investition betrachten. Wenn ich einen Ort sehe, der wunderschön ist und gepflegt sein will, muss ich einfach tätig werden. Ich hoffe, dass die Leute uns als Teil der Lösung betrachten, nicht des Problems.
Um ehrlich zu sein, habe ich Branson noch nie persönlich getroffen, wir haben nur am Telefon gesprochen.
Können Sie sich weitere Käufe in Banyalbufar vorstellen?
Sag niemals nie. Aber jetzt gerade habe ich genug zu verdauen. Es gibt hier Orte in den Bergen, wo früher Olivenbäume standen und ein hervorragendes Öl produziert wurde. Nun steht dort alles voller Kiefern. Es kostet Geld, Olivenplantagen zu pflegen. Die Menschen zogen lieber nach Palma, arbeiteten wohl im Tourismus.
Die Beziehung zu Richard Branson
Ist Ihr eigentlicher Traum nicht vielleicht, eines Tages das Hotel Son Bunyola von Richard Branson zu kaufen?
Nein, es gehört Branson und ist ein hervorragendes Hotel. Ich neige dazu, mich zu übernehmen Aber meine Absicht ist es nicht, hier alle Anwesen zu besitzen. Ich empfinde eine Verantwortung für das, was ich erwerbe. Wenn ich Son Valentí oder das Hotel Sa Coma kaufe, dann muss ich es auch restaurieren.
In den Kommuniqués, die Branson und Sie nach dem Verkauf von Son Valentí veröffentlichten, schienen Sie Brüder im Geiste zu sein.
Um ehrlich zu sein, habe ich Branson noch nie persönlich getroffen, wir haben nur am Telefon gesprochen. Ich bewundere ihn, denn Son Bunyola war auch eine Ruine, und jetzt zieht es viele Gäste an und schafft Arbeitsplätze in Banyalbufar. Er hat viel investiert und sich um die Verbesserung der Umwelt bemüht, sodass ich hoffe, gute Beziehungen zu ihm zu haben.
Sie sind ein Macher, kein Träumer. Anders gesagt: Mir würde es im Leben nicht einfallen, in das überfüllte Mallorca zu investieren.
(Lacht.) Aber oft ist die Bandbreite der Menschen darauf beschränkt, etwas entweder zu lieben oder zu hassen. Es ist keine rationale Diskussion, wenn man sagt, dass man die Tätigkeit verachtet, mit der 85 Prozent der Rechnungen auf Mallorca bezahlt werden. Das ist nicht klug, man sollte sich überlegen, wie man es in etwas verwandeln kann, das man mag. Ich kann verstehen, dass die Leute unglücklich über die steigenden Immobilienpreise sind oder darüber, dass die ganze Insel von Touristen überlaufen ist. Letzten Endes müsst ihr Mallorquiner das selbst entscheiden, aber ich frage mich lieber, warum so viele Menschen hierherkommen. Weil es eine so schöne Insel ist.

Kim Fournais in einem seiner Projekte: dem Hotel Sa Coma in Banyalbufar. / FOTO: GUILLEM BOSCH
Eine Insel am Rande des Abgrunds. Sie erstickt.
Wenn Sie der Meinung sind, dass die Situation Mallorca ruiniert, könnten Sie als Mallorquiner vielleicht darüber nachdenken, wie man anders damit umgehen kann. Und meine Hoffnung – vielleicht bin ich auch ein Träumer – ist, dass es hilft, jemanden wie mich zu haben, diesen dummen Dänen, der es bis hierhin gebracht hat und einige Investitionen tätigen kann.
Aber Sie sagen die ganze Zeit, dass Sie Hilfe brauchen.
Ich kann das nicht ohne die Unterstützung der Einheimischen machen. Etwa, wenn die Leute mit verschränkten Armen dasitzen und sagen: „Nein, nein, nein, du bist nur ein verrückter Ausländer, der ganz Mallorca aufkauft, und du bist ein Tycoon und so weiter.“ Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, wie Sie und Ihre Leser. Nachdem ich in meinem Unternehmen solide gewachsen bin, denke ich, dass es kein Verbrechen ist, andere Unternehmen zu gründen, es sei denn, man lässt Kinder in einer Mine arbeiten oder verkauft Drogen.
Die Einwohner beruhigen
Es wird schwieriger sein, die Einwohner von Banyalbufar hinsichtlich Ihrer Absichten zu beruhigen.
Ich hoffe, dass wir ein zufriedenstellendes Maß an Zusammenarbeit erreichen werden. Wir haben uns mit der Bürgermeisterin getroffen. Ich verstehe die unterschiedlichen Befindlichkeiten, aber die Alternative wäre, dass wir hier nichts investieren, und ich weiß nicht, ob das für die Familie gut wäre, der das Hotel gehört.
In der statistischen Investoren-Sprache: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Mallorca wandeln kann?
Es besteht eine hundertprozentige Chance, dass die Insel es schaffen kann. In der Tat ist es der einzig mögliche Weg, und ich bin optimistisch, aber ich kann es nicht alleine schaffen. Im Jahr 2025 ist es irrational, dass die Energie in riesigen Dieselmotoren rund um Palma erzeugt wird. Vielleicht können wir anderen den Weg weisen, wie man etwa mehr saubere Energie verwenden kann, oder die starken Regenfälle nutzt, die im Meer enden. Ich möchte Teil eines Projekts sein, das einen besseren Tourismus anzieht. Magaluf und Alcúdia haben ihre Daseinsberechtigung, aber vielleicht können wir dafür sorgen, dass Banyalbufar nicht zu Deià wird.
Wie gehen Sie diese Revolution an?
Meiner bescheidenen Meinung nach, braucht es Leute wie mich. Es ist ein Ökosystem. Branson hat bereits einige Projekte geleitet, und Son Valentí wird eine Initiative für Menschen sein, die Stille und Ausblicke schätzen.
Wie ist die Reaktion der Einwohner von Banyalbufar bis jetzt?
Sehr positiv, aber ich weiß nicht, was sie sagen, wenn ich nicht vor ihnen stehe.
Es heißt, das Bier in den Dorfbars sei schon teurer geworden.
Ich habe kein einziges Bier verkauft, und ich neige eher dazu, die Landwirtschaft zu fördern, weil ich auf einem Bauernhof gearbeitet habe. Im Allgemeinen reden wir viel über die Probleme und vergessen dabei, die Lösungen zu erwähnen. /pss
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