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Deutscher auf Mallorca ins Koma geprügelt: Wer ist der Auswanderer, den Jugendliche brutal attackierten?

Ronald B. liegt nach einem Raubüberfall durch zwei 17-Jährige seit zweieinhalb Monaten im Krankenhaus. Es ist unklar, ob er sich jemals von der Attacke erholen wird

Ronald B. zeigt gerne sein Leben auf Mallorca.

Ronald B. zeigt gerne sein Leben auf Mallorca. / Privat

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Ricardo E. verschlägt es beim Telefonat mit der MZ die Stimme. Es ist ihm anzuhören, dass er weint. „Entschuldigung“, murmelt er, als könne er etwas dafür. Vor zwölf Jahren lernte der Ecuadorianer seinen Lebensgefährten Ronald B. in Hamburg kennen. Ein Jahr später kehrte er mit ihm nach Mallorca zurück, wo Ricardo E. seit Jahr 2000 mit seiner Familie lebt.

Ronald B. gefällt es auf der Insel. „Stell dir vor, du könntest deinem 9-to-5-Arbeitsleben Lebewohl sagen und stattdessen auf einer sonnigen Insel leben.“ Sätze wie dieser finden sich zahlreich auf seiner Facebook-Seite. Er schwärmt vor mehr als 4.400 Followern von seinem Leben auf Mallorca. Ronald B. arbeitet als Projektleiter in einem Callcenter und versucht, in der Welt des Online-Marketings Fuß zu fassen.

Ronald B., Ricardo E. und Hündin Jessie.

Ronald B., Ricardo E. und Hündin Jessie. / Privat

Auf Facebook leitet er eine Urlaubergruppe und eine Jobbörse, in denen rund 55.000 Leute unterwegs sind. Man kennt ihn in der deutschsprachigen Community. „Ronald hat einen großen Freundeskreis. Er geht gerne aus, trifft sich mit Leuten auf einen Drink. Aber nie, um sich zu betrinken“, beschreibt ihn sein Partner.

Was war passiert?

Am Abend des 30. Novembers war Ronald B. zu einem Weihnachtsessen im Restaurant Boira an der Plaça de las Columnas verabredet. „Ich war zu der Zeit in Hamburg. Er schickte mir Fotos von unserer gemeinsamen Wohnung und fragte mich, was er anziehen soll“, erinnert sich Ricardo E. „Das war das letzte Mal, dass ich mit ihm geredet habe.“ Die Truppe ging noch auf einen Absacker in eine Bar, der 58-Jährige brachte im Anschluss einen Kollegen zur Plaça d’Espanya. Von dort aus ging er alleine nach Hause. Seine Wohnung befindet sich neben dem sogenannten Parc Wifi. Er sollte dort nie ankommen. Auf dem Carrer Manacor auf Höhe des Parks begegnete er zwei Minderjährigen, die ihn kurz nach 3 Uhr in der Nacht attackierten. „Dabei hat Ronald immer geholfen, wo er nur konnte, und die schönen Seiten Mallorcas gezeigt“, berichtet Ricardo E.

Diesen Weg ging Ronald B. mutmaßlich zu Fuß.

Diesen Weg ging Ronald B. mutmaßlich zu Fuß. / Google

Die Jugendlichen schlugen ihm ins Gesicht, woraufhin Ronald B. umkippte und mit dem Genick an den Gittern des Parks aufschlug. Der 58-Jährige blieb bewusstlos am Boden liegen. Laut Polizeibericht prügelten und traten die Angreifer weiter auf das reglose Opfer ein. „Es ist nicht klar, ob sie ihn umbringen wollten. Sie haben seinen Tod aber zumindest mutwillig in Kauf genommen“, heißt es in dem Protokoll, das der MZ vorliegt.

Wie geht es Ronald B. heute?

Die Angreifer nahmen dem Deutschen Handy und Brieftasche ab, danach flohen sie. Ein Passant fand ihn mit einer blutenden Kopfwunde auf dem Boden liegend und wählte um 3.18 Uhr den Notruf. Ronald B. kam mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus. „Sollte er aus dem Koma aufwachen, gehen die Ärzte davon aus, dass er sein Leben lang in einem vegetativen Zustand bleiben wird“, heißt es im Polizeibericht. Ricardo E. hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Er bewegt schon die Hände. Es weiß niemand, wie sein Gehirn funktioniert, wenn er aufwacht.“

Ronald B.s bester Freund Jörg Petri besucht ihn täglich und richtete ein Spendenkonto (Jörg Petri, ES50 1583 0001 1490 7085 6306) ein, das für Arzt- und Anwaltskosten gedacht ist. Er steht in Kontakt mit den Eltern, die aus der Heimat der Familie in Nordwestmecklenburg anreisten. „Ronald atmet alleine und wird über eine Magensonde künstlich ernährt“, sagt Petri der MZ. „Er liegt mittlerweile auf der normalen Station, und es sind jeden Tag kleine Fortschritte erkennbar.“

Zeugen zeigten die mutmaßlichen Täter an

Die Polizei ortete anfangs das gestohlene Smartphone, konnte die Diebe aber nicht ausfindig machen. Erst eine Woche später meldeten sich zwei Zeugen, die laut Protokoll unter Zeugenschutz stehen. Medienberichten zufolge handelt es sich um zwei minderjährige Mädchen, die in der Tatnacht mit den Angreifern zusammen waren. Mutmaßlich wollten die Jugendlichen ihren Freundinnen mit der Gewaltattacke imponieren.

Ende Dezember nahm die Polizei die zwei Minderjährigen fest. Es sind die 17-Jährigen Agustín C. S. und Jose Luis S. M.. Letzterer war bereits zwei Mal festgenommen worden: im November 2023 wegen eines Verkehrsdelikts und im Februar 2024 wegen eines gewaltsamen Überfalls. Die Polizei vermutet, dass seine Großeltern ihn nach der Attacke auf Ronald B. in einem Lieferwagen mit der Fähre auf das Festland schmuggelten. Das sei bei Gitano-Clans, wie die Roma in Spanien bezeichnet wird, so üblich. Die Beamten fanden den 17-Jährigen in seinem Geburtsort Cáceres. In den sozialen Medien posiert er mit blondierten Haaren in Kämpferpose und mit seinem Minicar, einem Auto, das man mit einem Moped-Führerschein fahren darf.

Beide Täter sitzen in Jugendstrafgefängnissen ein, Agustín C. S. im Es Pinaret auf Mallorca, Jose Luis S. M. in einem auf dem Festland. Sie müssen sich nach Jugendstrafrecht vor Gericht wegen gewaltsamen Überfalls und versuchten Totschlags verantworten. Ihnen drohen acht Jahre Gefängnis in der Jugendhaftanstalt.

Die Attacke auf den Deutschen hat für Panik in seinem Umfeld gesorgt. „Unsere Nachbarin hat Hals über Kopf ihre Wohnung verkauft und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Sie hielt Mallorca nicht mehr für sicher“, sagt Ricardo E.

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