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Familienunternehmen auf Mallorca: Das Korbwarengeschäft der Vidals sprüht vor Charme und Nostalgie

Seit nunmehr 70 Jahren verkaufen ein Vater und ein Sohn in Palma Korbwaren: handgefertigt, biologisch abbaubar und mittlerweile auch wieder im Trend

Stolz auf den Erhalt ihres wunderbaren Geschäfts: Tomás Vidal (li.) und sein Vater Pep Vidal.  | FOTO: B. RAMÓN

Stolz auf den Erhalt ihres wunderbaren Geschäfts: Tomás Vidal (li.) und sein Vater Pep Vidal. | FOTO: B. RAMÓN

Toni Traveria

Solche Geschäfte findet man nur noch selten auf Mallorca: In unmittelbarer Nähe der Plaça Major in Palma befindet sich der Laden der Familie Vidal. Mit viel Charme und Liebe verkaufen sie seit 70 Jahren Korbgeflechtwaren. Heute leitet Tomás Vidal das Geschäft. Er hat die Geheimnisse der Korbflechtwelt durch die Zusammenarbeit mit seinem Vater Pep kennengelernt. Mit seinen 83 Jahren kommt der Vater immer noch in den Laden, um seinem 55-jährigen Sohn, wenn nötig, unter die Arme zu greifen.

Eine Reise in die Vergangenheit

Schon wer das von der Stadtverwaltung als „emblematisch“ anerkannte Geschäft betritt, fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Alles trägt dazu bei: die dicht an dicht, in perfekter Unordnung, in den Regalen stehenden und an der Decke hängenden Korb- und Flechtwaren (Körbe, Umhängetaschen, Matten, Stühle, Hüte ...), der enge Korridor von einem Ladeneingang zum anderen, der charakteristische Geruch der Naturprodukte und die freundliche und zurückhaltende Bedienung der Vidals. Die ihren Wurzeln treu bleiben: Gekauft wird direkt im Laden, ein Onlineverkauf steht im Moment nicht zur Debatte.

Die Vidals verkaufen in ihrem Geschäft alles mögliche aus Korbwaren

Die Vidals verkaufen in ihrem Geschäft alles mögliche aus Korbwaren / DM

Korbwaren: früher für die Feldarbeit, jetzt als Deko

„Wir verkaufen alle möglichen Produkte aus Naturfasern“, erzählt Tomás Vidal „Einige unserer Artikel kommen direkt von Mallorca, andere vom Festland, aber diese Gemeinsamkeit teilen alle: Sie sind handgefertigt. Früher wurden viele dieser Artikel für die Feldarbeit genutzt, heutzutage dienen sie vor allem dekorativen Zwecken.“ Pep Vidal bestätigt: „Früher ging man in ein Hotel oder ein gutes Restaurant und fand dort wunderbare Lampen aus Glas. Heute hingegen sieht man dort Lampen aus Espartogras. Das ist angesagt.“ Und biologisch abbaubar seien die Gebrauchsgegenstände der Großeltern obendrein, wie sein Sohn Tomás unterstreicht.

Korbwarengeschäfte gibt es auf Mallorca nur noch wenige

Nicht nur einheimische Stammkunden besuchen den Laden der Vidals, auch viele Urlauber sehen sich hier um, besonders im Sommer. „Sie kommen rein, schauen sich um, und manche fragen sogar, ob sie die Waren anfassen dürfen. Viele ermutigen uns, weiterzumachen und nicht zu schließen. Das ist natürlich schön zu hören“, sagt Tomás Vidal. Die Zeiten, in denen in der Umgebung ein halbes Dutzend Korbwarenläden ihre Türen öffneten, sind längst vorbei. Geschäfte wie die Mimbrería Vidal gibt es auch auf Mallorca nur noch vereinzelt.

„Meine Eltern übernahmen das Geschäft 1955 von den vorherigen Eigentümern, die es 30 Jahre lang geführt hatten. Somit feiern wir 2025 das hundertjährige Bestehen des Ladens, davon 70 Jahre im Familienbesitz. Wie in vielen Familienunternehmen üblich, lernte ich alles von meinen Eltern, bis ich sie nach ihrer Pensionierung ablöste. Danach leitete ich die Mimbrería Vidal, bis schließlich mein Sohn Tomás das Ruder übernahm – und hier ist er noch immer“, sagt Pep Vidal.

Der Laden wird seit über 70 Jahren von der Familie Vidal betrieben

Der Laden wird seit über 70 Jahren von der Familie Vidal betrieben / B. Ramón

Der Wandel der Mimbrería Vidal

Mit den Jahren und Jahrzehnten hat das Geschäft zwangsläufig einige Veränderungen durchlebt, doch sein Geist und seine Essenz als traditionsreicher Laden sind unverändert geblieben. „Ich erinnere mich“, fährt Pep Vidal fort, „wie ich zur Schule ging und meine Eltern bereits hier waren. Damals wurden Sessel und Stühle noch vor Ort hergestellt, anstatt sie – wie in letzter Zeit – von anderswo zu importieren. Außerdem führten sie Reparaturen durch. Mein Vater war Tischler. Ein erfahrener Handwerker, der bereits mit den vorherigen Eigentümern gearbeitet hatte, unterstützte ihn und meine Mutter. Ich selbst lernte Schritt für Schritt, durch ihre Ratschläge und durch das, was ich im Alltag aufschnappte. Man kann nicht sagen, dass sie mir das Geschäft auf dem Silbertablett überreicht haben – vielmehr haben wir alle drei zusammen gelernt und uns gegenseitig geholfen.“

Immer weniger Kunsthandwerker auf Mallorca

Pep bedauert, dass es auf Mallorca „immer weniger Handwerker gibt, die sich dem traditionellen Kunsthandwerk widmen“. Umso größer war seine Freude, als sein Sohn Tomás sich entschied, das Geschäft weiterzuführen. „Wenn man sieht, dass das eigene Kind weitermacht, denkt man sich: ‚All die Arbeit und die Jahrzehnte voller Einsatz werden nicht umsonst gewesen sein.‘“ Tomás Vidal stieg als 20-Jähriger in das Geschäft ein. „Mein Vater hat es mir nach und nach gezeigt, ohne zu hetzen oder zu überstürzen. Jetzt kommt er ein paar Mal in der Woche in den Laden – schließlich ist es wie sein Zuhause.“

Die Hürden für die Vidals

Dennoch ist es nicht einfach, ein Geschäft wie die Mimbrería Vidal am Leben zu erhalten. Tomás Vidal erklärt: „Am meisten gefällt uns der direkte Kontakt mit den Kunden. Viele Stammkunden werden mit der Zeit zu Freunden. Neue Kunden schauen sich meist erst einmal überall im Laden um, weil wir Produkte führen, die man anderswo kaum findet. Oft hören wir den Kommentar: ,Wenn ihr eines Tages schließt, wo sollen wir dann dies oder das kaufen?‘“

In Wahrheit sei es ein ständiger Hindernislauf – angefangen mit den immer schwierigeren Zugängen zum Geschäft. „Wir wissen, dass die Fußgängerzonen die Zukunft sind, aber es braucht ein ausgewogenes Konzept. Tatsächlich hat diese Erschwernis dazu geführt, dass wir unser Sortiment umstellen mussten: Früher verkauften wir sperrige Korbwaren, doch das ist mittlerweile unmöglich, weil die Kunden nicht mehr mit dem Auto hierherfahren und die Ware transportieren können“, sagt Tomás Vidal.

Und dennoch öffnet Tomás Vidal mit der Unterstützung seines Vaters jeden Morgen die Türen des alteingesessenen Familienbetriebs – für hoffentlich noch viele weitere Jahre. Manche Kunden schlagen übrigens scherzhaft vor, den Geruch des Geschäfts in Flakons abzufüllen und zu exportieren. Pep Vidal: „Wir haben den Vorteil, dass wir kein Geld für Raumduftspender ausgeben müssen. Die Kunden sagen uns oft, es rieche, als würden sie in einen Wald eintreten, wobei wir selbst, nach all den Jahren hier, diesen charakteristischen Duft gar nicht mehr wahrnehmen.“

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