Auch auf Mallorca im Trend: Was steckt hinter den spirituellen Kakao-Zeremonien?
Rohkakao ist seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil in Ritualen indigener Stämme. Wir haben seine Wirkung hier auf Mallorca ausprobiert

Der rituelle Kakao hat eine herzöffnende Wirkung. / Nele Bendgens
Gleich vorweg: Nehmen Sie sich genug Zeit, wenn Sie selbst einmal bei einer Kakao-Zeremonie mitmachen. „Die Wirkung des zeremonialen Kakaos beträgt etwa drei Stunden, dann hat der Körper ihn so weit verdaut. Aber psychologisch wirkt er noch lange nach“, sagt Jéssica Nardone von Shine Pure Coaching gleich zu Beginn.
Es ist eine kleine Runde von vier Frauen, die sich an diesem Freitagmorgen in ihrem Studio in Santanyí trifft, um eine Kakao-Zeremonie zu erleben. Der Raum bietet mit seinen nur etwa zehn Quadratmetern auch nicht viel mehr Platz. Er ist abgedunkelt, draußen scheint die Wintersonne, hier drinnen eine Vielzahl von Kerzen. In einer Ecke steht eine große Buddha-Figur, an einer der Längsseiten befindet sich ein riesiger Spiegel, später werden wir erfahren, warum.

Jéssica Nardone von Shine Pure Coaching zu Beginn der Kakao-Zeremonie / Nele Bendgens
Jéssy, wie sich die gelernte Kauffrau und Fotografin Jéssica Nardone vorstellt, entzündet zu Beginn der Zeremonie in ihrer Hand einen palo santo (heiliges Holz) und geht mit dem rauchenden Stab jede Einzelne von uns ab. Wir sitzen auf im Kreis angeordneten Yogamatten, Rauch ist seit Menschengedenken in vielen Völkern ein Reinigungsritual.
„Wir bereiten jetzt gemeinsam den Kakao vor, und jede übernimmt dabei eine kleine Aufgabe“, leitet Nardone die Gruppe an. Während sich auf der kleinen elektrischen Kochplatte die Mandelmilch erhitzt, fügt Kim das Kokospulver hinzu, und Marisa rührt beständig um. Sobald die Milch warm genug ist, schüttet die nächste Frau den bereits zerbröckelten puren Kakao hinzu. „Es ist wichtig, dass die Milch nicht kocht, idealerweise ist es Pflanzenmilch. Wenn der Kakao nur mit Wasser angerührt wird, macht ihn das sehr bitter und weniger cremig.“

Die anwesenden Frauen bereiten den Kakao gemeinsam zu. / Nele Bendgens
Kein Ritual ähnelt dem anderen
Die Kakao-Rituale sind in den vergangenen Jahren europaweit in Mode gekommen. Jéssica Nardone ist bald 34 Jahre alt und Brasilianerin, lebte aber ab ihrem sechsten Lebensjahr in der Schweiz. Mit Kakao-Zeremonien kam sie selbst erst 2023 in Kontakt, die Wirkung begeisterte sie schnell. Im Januar 2024 reiste sie nach Brasilien, um dort im Amazonas-Urwald mit insgesamt 80 Frauen an einer traditionellen Kakao-Zeremonie teilzunehmen. „Jedes Kakao-Ritual ist je nach Zeremoniemeister anders gestaltet, und auch bei mir ist es nie gleich,weil ich viel mit Intuition arbeite“, sagt Jéssica Nardone. Zentral sei aber immer die gemeinsame Zubereitung und die gemeinsame Einnahme.
„Bitte setzt eure Intention für das Ritual heute. Hört in euch hinein und fragt euch, was es euch geben oder zeigen soll“, sagt unsere Zeremonienmeisterin, während wir die Hände über dem dampfenden Kakao kreuzen. Dann schenkt Jéssica Nardone jeder von uns eine Tasse mit dem warmen Getränk ein. Im Hintergrund läuft Mantra-Musik. Wir setzen uns, den Kakao auf Höhe des Herzens vor uns haltend, und schließen die Augen.

Jéssica Nardone verteilt den rituellen Kakao an die Teilnehmerinnen / Nele Bendgens
Der Kakao unterstützt die Reise nach Innen
„Wir bedanken uns bei dir Mama Kakao, und allen, die an deiner Entstehung mitgewirkt haben. Lass den Kakao durch uns fließen und ihn uns das spüren lassen, was wir in diesem Moment brauchen,“ betet Jéssica Nardone. Dann leitet sie eine öffnende Herz-Meditation an. Wir atmen tief durch und richten die Konzentration auf das Herz-Chakra. „Trinkt jetzt langsam, in eurem eigenen Tempo, den Kakao und spürt, wie er auch in euer Herz strömt“, sagt Jéssica Nardone. Der Rohkakao ist reich an Antioxidantien und Theobromin. Diese Substanz soll eine sanfte und langanhaltende Energie liefern und gleichzeitig das Herz-Kreislauf-System stimulieren.
Es ist ein Gefühl von Wohlbefinden und Geborgenheit, das sich in uns breitmacht. Gleichzeitig verschwinden, während Jéssica Nardone mit uns spricht, die Mauern, die wir rund um unser Gefühlsleben errichtet haben. „Du darfst verletzlich sein“, sagt die Zeremonienmeisterin sanft. Die ersten Tränen fließen. Es werden nicht die letzten sein.

Der wärmende Kakao entfacht tiefgehende Wirkung / Nele Bendgens
Emotionale Blockaden lösen sich auf
Die Musik schwillt wieder an, spirituelle Klänge füllen den Raum. In der nächsten Meditation leitet Jéssica Nardone uns mental an unsere jeweiligen Lieblingsorte, um uns dort zu fragen, welches Gefühl wir unterdrücken. „Ist es Angst? Wut? Trauer? Scham? Stell dir dieses Gefühl als Form vor. Wie sieht es aus? Dann gehe ins Gespräch mit dieser Form und höre zu, was sie dir sagt …“ Gen Ende der Meditation verkleinert sich die Form dann vor unserem inneren Auge. Wir alle lassen etwas Schmerzvolles los.
Stimmungswechsel: Nun fordert uns Jéssica Nardone auf, intuitiv zu den Klängen von Sias „Unstoppable“ zu tanzen. Es geht uns besser, so gut, dass wir uns einzeln dem überdimensionalen Spiegel nähern dürfen. Hier lautet die Aufgabe, sich selbst tief in die Augen zu schauen und dabei laut und liebevoll mit sich selbst zu reden. Wir trauen uns nicht so recht, doch Jéssica Nardone macht die Übung authentisch und verletzlich vor.

Jetzt geht es ans inuitive Tanzen bei der Kakao-Zeremonie / Nele Bendgens
Zum Abschluss die Sorgen verbrennen
Ein Feuer-Ritual schließt die Zeremonie ab. Wir bekommen drei vorbereitete Zettel, auf denen „Diese Blockade gehört nicht mehr zu mir“ steht. Jede von uns schreibt darauf, was sie fortan nicht mehr mit sich tragen möchte und verbrennt das Papier in einer Feuerschale. Wer will zieht im Anschluss noch eine der Tarot-Karten, die innerhalb des Kreises der Yogamatten ausgebreitet sind. Auf den Karten stehen positive Botschaften, die wir mit unseren Smartphones abfotografieren und so mit nach Hause nehmen.
Der Abschied ist herzlich. Wir fünf uns vorher fremden Frauen sind uns während der dreistündigen Zeremonie nahegekommen. Jéssica Nardone, die in der Schweiz ein Fotostudio betrieb, will die Kakao-Zeremonien fortan regelmäßig anbieten, sowohl für Einzelpersonen als auch für Paare und kleine Gruppen. Die Teilnahme kostet ab 75 Euro. Eine Kakao-Zeremonie lässt sich auch alleine zu Hause zelebrieren. Anleitungen dazu finden sich im Netz, aber Jéssica Nardone weiß auch hier einzuweisen. Wenn die Menschen die Verbindung zur Mutter Erde verloren haben, so eine Prophezeiung der Mayas, kehrt die Kakao-Göttin aus dem Urwald zurück, damit wir wieder zum Gleichgewicht mit der Natur finden.
Kontakt: www.shinepurecoaching.com / IG: @mrsjessicanardone / Studio: Cas Majoral 12 in Santanyí
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