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MZ-Preisträger im Interview: Wie entstehen gute journalistische Beiträge über Mallorca?

Hans-Christian Rößler und Marvin Entholt erklären, was Mallorca so besonders macht, was sie bei der Berichterstattung unterschätzt haben und was einen guten Korrespondenten ausmacht

Die MZ-Preisträger Hans-Christian Rößler und Marvin Entholt.

Die MZ-Preisträger Hans-Christian Rößler und Marvin Entholt. / Privat/FAZ

Für Regisseur Marvin Entholt war es für seine von der MZ preisgekrönte arte-Dokumentation eine große Hilfe, dass er Mallorca schon kannte. „Ich glaube, der Film wäre anders geworden, wenn ich nie zuvor auf der Insel gewesen wäre. Es ist immer eine gewisse – wenn auch schon lange zurückliegende – Erinnerung mitgeschwungen. Wenn man erst im Jahr 2024 zum ersten Mal nach Mallorca kommt, schaut man ganz anders auf die Thematik“, sagte der 61-Jährige gebürtige Bremer in einem Gespräch mit der Redaktion,. Mit seinen Eltern hatte der Filmemacher als Kind die Sommerurlaube in Cala Ratjada verbracht.

Aktuelle Situation nur gestreift

„Sehnsucht Mallorca – Wie alles begann“ handelt von den Anfängen und Errungenschaften des Tourismus auf Mallorca. Die aktuelle Situation auf der Insel habe er bewusst nur gestreift, so Entholt. „Es gab vor den Dreharbeiten mehrere Gespräche mit den zuständigen Redakteuren, wie wir mit der Situation auf der Insel umgehen sollten und inwieweit der Overtourism den Einwohnern auf der Insel immer mehr zu schaffen macht. Wir entschieden uns dafür, es kurz zu halten und haben den Ausblick bewusst ausgelassen.“ Insgesamt zwölf Tage drehten Entholt, sein Kameramann und sein Tontechniker auf der Insel.

Mallorca ist größer als gedacht

„Dabei haben wir die Entfernungen ganz schön unterschätzt“, erzählt der Filmemacher. „Das wirkt alles viel kleiner, wenn man in der Redaktionsstube in Deutschland vorher darüber spricht. Deswegen konnte ich leider auch nicht alles drehen, was ich eigentlich auf dem Zettel hatte.“ Einige Landschaftsaufnahmen seien dem Zeitmangel zum Opfer gefallen. Trotz reichen Archivmaterials sei es wichtig gewesen, dennoch so viel neues Material wie möglich zu haben. „Um die Aktualität vor Ort abzubilden, darf das Material in der Regel nicht älter als zwei bis drei Jahre sein“, erklärt Entholt.

Im Übrigen sei es auf Mallorca sogar noch schwieriger als in Deutschland, Drehgenehmigungen zu erhalten. Jacobo Gutiérrez, ein sogenannter „Fixer“, habe ihm dabei geholfen, alles Wichtige zu organisieren und auch bei den spanischen Übersetzungen unterstützt. „Es ist sehr wichtig, mit Menschen zusammenzuarbeiten, bei denen man weiß, es funktioniert. Das erleichtert die Arbeit kolossal.“

Mehr als nur eine Geschichte

Der zweite Preisträger, „FAZ“-Korrespondent Hans-Christian Rößler, ist bei seiner Berichterstattung meist alleine unterwegs und kehrt von seinen Reisen durchs Land gewöhnlich mit mehr als nur einer Geschichte zurück. „Wenn ich unterwegs bin, versuche ich immer, mit so vielen Leuten wie möglich zu sprechen und mir so ein breites Bild von der Situation vor Ort zu machen. Ich lege mir so auch einen gewissen Themenvorrat an“, schildert der 57-Jährige. Viele Geschichten entstünden so auch spontan. „Im Unterschied zu Marvin Entholt muss ich meine geplanten Geschichten nicht erst durch Komitees oder Konferenzen bringen, sondern bin bei meiner Arbeit sehr flexibel – die Redaktion in Frankfurt vertraut mir, dass ich die Lage am besten einschätzen kann.“

Die Journalistenpreise der Mallorca Zeitung.

Die Journalistenpreise der Mallorca Zeitung. / Nele Bendgens

Man muss um die Themen kämpfen

Mallorca sei dabei immer ein Thema, das daheim auf großes Interesse stößt und bei dem er sich gewöhnlich an der MZ-Berichterstattung orientiere. Auch am Tag vor der Preisverleihung schickte Rößler von einem Café-Tisch nahe der Kathedrale in Palma noch schnell eine Meldung zu Meghan Markle und ihr an das Wappen von Porreres erinnerndes Logo an die Redaktion. Bei anderen Spanien-Themen aber muss auch er schon mal kämpfen, um sie ins Blatt zu bringen. „In jüngster Zeit ist es schwieriger geworden“, sagt Rößler. „Vielleicht kann man Spanien, was die Bedeutung betrifft, am besten mit Italien vergleichen, und da fällt auf: Spanien hat keine Giorgia Meloni und auch keinen Papst Franziskus.

Spanien ist noch lange nicht auserzählt

Rößler ist seit 2016 Korrespondent in Madrid, zuvor war er sieben Jahre in Jerusalem stationiert und berichtete dort über den Nahost-Konflikt. Spanien reize ihn auch nach acht Jahren noch, sagt er „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es auserzählt habe, es gibt immer noch Flecke auf der Landkarte, wo ich unbedingt hinwill.“ Und sollte es doch einmal langweilig werden – zu seinem Berichtsgebiet gehören auch Portugal und der Maghreb.

Was macht einen guten Korrespondenten aus?

Hans-Christian Rößler räumt ohne Umschweife ein, dass er als ein von seiner Redaktion ins Ausland entsandter Vollzeit-Korrespondent einen überaus privilegierten Job hat – es gibt derer nicht mehr viele. Die Frage, was einen guten Korrespondenten ausmacht, aber kann auch er nicht eindeutig beantworten: „Vielleicht ist es der Regionalkenner, der alle Sprachen fließend spricht und schon über das Land promoviert hat. Vielleicht ist es aber auch gerade der Neuling, der mit großen Augen durch die Gegend zieht und Fragen stellt, die vor ihm sonst noch niemand gestellt hat.“

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