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Fünf Jahre Corona-Lockdown auf Mallorca – als die Insel plötzlich stillstand

Am Freitag (14.3.) ist es fünf Jahre her, dass Pedro Sánchez den Alarmzustand ausrief und die Menschen in ihre Wohnungen schickte

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Es war ein Samstagnachmittag, als Pedro Sánchez in einer Rede vor die Nation trat und die Spanier darüber informierte, was seit dem Vortag klar war: Aufgrund der Corona-Krise rief die Zentralregierung am 14. März 2020 den Alarmzustand aus. Zwei Wochen lang durften die Menschen nur in Ausnahmefällen ihr Haus verlassen, um einzukaufen, zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Kinder durften gar nicht rausgehen. Ziel war es, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Zu dem Zeitpunkt hatten sich rund 6.000 Menschen angesteckt, 136 Personen waren gestorben.

Stunden der Ungewissheit

In den ersten Stunden herrschte Ungewissheit. Der 14. März war in vielen Teilen des Landes sonnig und warm. Im Radio erzählten sie damals, dass der Parque del Retiro in Madrid voller Menschen sei. "Beschämend" nannten die Moderatoren das Verhalten der Besucher. Selbst am Abend zogen noch junge Leute durch die Straßen von Palma – auf der Suche nach einer letzten Party vor der großen Ungewissheit. Die Polizei fuhr derweil durch die Straßen. Per Lautsprecher wurde den Menschen mitgeteilt, dass sie nichts mehr auf der Straße verloren hatten.

Es war auch der erste Abend, an dem die Menschen im ganzen Land auf die Balkone traten. Um Punkt 20 Uhr brauste Applaus auf. Damit wollten die Spanier den Sanitätern und Ärzten Respekt und Dank dafür zollen, dass sie sich selbst dem Virus aussetzen mit dem Ziel, Leben zu retten. Es war eine Tradition, die lange anhielt. Für viele Menschen war das abendliche Klatschen der einzige persönliche Kontakt zu anderen im Laufe des Tages. In manchen Fällen lernten sich Nachbarn kennen, die sonst vielleicht nie Kontakt in dieser Form gehabt hätten.

Das Leben in Zoom-Calls

Ansonsten geriet das Land in den Stillstand. Die Straßen waren wie leergefegt. Das Leben spielte sich in Zoom-Calls und in den Wohnungen ab. Für manche bedeuteten diese Wochen pure Langeweile, für andere waren sie eine Befreiung. Für viele Menschen war der Lockdown aber ein Gefängnis. Und nicht wenige mussten mit der Verzweiflung zurechtkommen, dass Freunde und Verwandte gestorben waren, ohne dass sie die Möglichkeit gehabt hatten, sich von ihnen zu verabschieden.

Der Lockdown dauerte weit länger als ursprünglich anberaumt. Insgesamt sechsmal wurde der Alarmzustand verlängert. Bei den ersten Parlamentsabstimmungen stimmten alle Parteien für die drastische Maßnahme. Mit der Zeit aber traten die ideologischen Risse, die die spanische Politik prägen, zutage. Erst ab dem 21. Juni 2020 gab es erste Lockerungen. Spaziergänge wurden eingeschränkt wieder erlaubt. Es sollte noch fast zwei Jahre dauern, bis es wieder zu einer Normalität kam, die diesen Namen verdiente.

Später, als alles vorbei war, erklärte das Verfassungsgericht den Lockdown für verfassungswidrig. Einige Grundrechte seien verletzt worden. Später änderte das Gericht die Auffassung. Im Jahr 2023 erklärten die Richter, die Regierung habe die Möglichkeit, drastische Maßnahmen durchzusetzen, sofern diese verhältnismäßig seien.

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