Die Schmuggler von Santanyí – Teil II: „Es sind Schüsse gefallen!“
Eugenio Rando, Guardia Civil im Ruhestand, und seine Erinnerungen an eine groß angelegte Operation, mit der es 1981 gelang, Tabakschmugglern in Santanyí das Handwerk zu legen. Teil 2 von 3

Ein Boot der Guardia Civil vor der Küste Mallorcas. / Azertum/DM
Eugenio Rando
Dies ist Teil II einer Serie. Zum ersten Teil kommen Sie hier.
In den letzten Tagen des Monats September, nachdem alle Dienste abgebaut worden waren, blieben im Spezialteam nur noch Obergefreiter Carlos und ich. Die übrigen Mitglieder kehrten zu ihren jeweiligen Einheiten zurück.
Der Oberstleutnant versammelte uns beide und sagte: „Ihr werdet weiterhin Überwachungsaufgaben in Santanyí durchführen. Wählt selbst die Uhrzeiten, die euch für jeden Tag am sinnvollsten erscheinen, und kontrolliert alle Buchten des Gebiets, in denen Tabaklieferungen stattfinden könnten, mit Ausnahme der Buchten in der Gegend von Llombards. Vergesst diese Buchten.“
Unauffällig und zu unterschiedlichen Zeiten verließen wir die Kommandantur in einem getarnten Fahrzeug. Meistens benutzten wir einen Seat 127 und fuhren nach Santanyí. Gelegentlich trafen wir uns mit dem Informanten Toni Moreta, um zu erfahren, ob er nützliche Informationen hatte, doch die meiste Zeit verbrachten wir damit, auf unbefestigten Wegen die zahlreichen Buchten zu inspizieren, die wir kontrollieren mussten.
Die Gebiete, die nicht unter unserer Aufsicht standen, waren Cala Llombards, es Caló des Moro und Cala s’Almonia. Unsere Arbeit begann in Cala Santanyí und endete in Cala Ferrera. In diesem Küstenabschnitt gab es zahlreiche Buchten. Die für uns interessantesten waren Cala Mondragó, s’Amarador, Cala Egos, sa Barca Trencada, Cala Llonga, Cala Esmeralda, Caló des Burget, Cala Gran und Cala Ferrera.
Nach und nach lernten wir so die vielen Wege kennen, die zu den Buchten führten. Während der Nächte, die wir so verbrachten, verirrten wir uns zwar mehrfach, aber letztendlich konnten wir uns schnell von einer Bucht zur anderen bewegen, indem wir meist die Wege nutzten, die am nächsten zur Küste lagen. Diese Ortskenntnisse sollten uns in naher Zukunft sehr nützlich sein.
Ein Boot im Scheinwerferlicht
In der Nacht des 27. Oktober, einem Dienstag bei Neumond, gegen zehn Uhr abends, fuhren Carlos und ich nach Cala Mondragó. Es war stockdunkel, und wir konnten nur das sehen, was die Scheinwerfer unseres Fahrzeugs beleuchteten. Ich, der fuhr, bemerkte nichts Ungewöhnliches, also wendete ich und trat den Rückweg in Richtung s’Alqueria Blanca an. In diesem Moment sagte Carlos zu mir: „Ich glaube, zwei oder drei Personen gesehen zu haben, die sich zwischen den Felsen und der Vegetation am Ende der Bucht versteckten.“ Sofort wendete ich an der nächstbesten Stelle und kehrte zur Cala Mondragó zurück. Wir näherten uns mit ausgeschalteten Scheinwerfern. Kurz bevor wir das Wasser erreichten, schaltete ich sie wieder ein. Die Scheinwerfer erfassten ein llaüt, ein Boot, etwa zwanzig Meter entfernt. Es war unbeleuchtet, der Motor war ausgeschaltet, und es trieb langsam auf die Küste zu. Auf dem Deck waren zahlreiche Zigarettenkisten gestapelt. Als die Besatzung bemerkte, dass sie entdeckt worden waren, starteten sie den Motor, änderten den Kurs und fuhren zur Ausfahrt der Bucht. Zugleich rannten mehrere Personen, die offenbar auf das Boot gewartet hatten, in die Dunkelheit der mondlosen Nacht und verschwanden.
Unserer Einschätzung nach hatten die Schmuggler nun zwei Möglichkeiten, um die Ware loszuwerden: Entweder sie brachten den Tabak an einen anderen Ort und versteckten ihn, oder sie warfen ihn ins Meer. Letzteres hätte jedoch bedeutet, dass sie mit jeder Kiste etwa 30.000 Peseten ins Wasser geworfen hätten.
In der Stille der Nacht war das Motorengeräusch des llaüt deutlich zu hören. Wir entschieden uns, diesem „pop, pop, pop“ zu folgen und fuhren entlang der Küste auf Wegen und Pfaden, um zu sehen, wohin sie fuhren. Zwischen Cala Figuera und Cala Santanyí, in einem felsigen und steilen Gebiet, wo das Meer etliche Meter unter uns lag, verstummte das Motorengeräusch. Das musste der Ort sein, an dem sie den Tabak an Land bringen wollten.
Meldungen an die Kommandatur
Da wir befürchteten, dass die Schmuggler unsere Funkkommunikation abhören könnten, mussten wichtige Meldungen telefonisch an die Kommandantur durchgegeben werden. Da wir uns in der Nähe von Cala Figuera befanden, suchten wir dort eine Telefonzelle, um Bericht zu erstatten. Nachdem ich mich identifiziert hatte, sagte mir der diensthabende Unteroffizier in der Einsatzzentrale: „Der Oberstleutnant hat einen Tabakschmuggel in Cala s’Almonia entdeckt und benötigt Unterstützung. Fahrt so schnell wie möglich dorthin.“
Wir eilten zu unserem Fahrzeug und fuhren mit höchster Geschwindigkeit die 15 Kilometer nach Cala s’Almonia. Als wir zehn Minuten später dort ankamen, sahen wir mehrere Fahrzeuge, darunter zwei Lieferwagen und einen kleinen Lkw, die neben einer Villa an der Bucht geparkt waren. In und um die Fahrzeuge lagen zahlreiche Tabakkisten verstreut. Vor Ort befanden sich der Chef der Kommandantur, Oberstleutnant Enrique Nieva, sowie Hauptmann Gerardo Soria, Leiter der Verkehrspolizei, und Hauptmann Cristóbal Santandreu, Leiter des Nachrichtendienstes. In der Nähe, auf dem Rücksitz eines Autos, saß Pep Randé, einer der mutmaßlichen Anführer.
Der Chef wandte sich an Carlos und mich: „Verstärkung ist bereits unterwegs. Carlos, du übernimmst Randé und kommst mit uns zum Posten in Santanyí, wo die Einsatzzentrale eingerichtet wird.“ Dann befahl er mir: „Du bleibst hier, zählst die sichergestellten Kisten und sorgst dafür, dass alle in den Lkw verladen werden, der bald mit Personal der Kommandantur eintrifft.“
Wir nutzten die Gelegenheit, um ihn über das Boot in Cala Mondragó zu informieren. Er entschied, dass wir nach Abschluss der Beschlagnahmung den Anlegeort ausfindig machen sollten. Obwohl Vorgesetzte selten Erklärungen über ihre Entscheidungen abgeben, fragte ich nach den Umständen des Einsatzes. Der Oberstleutnant sagte mir: „Es war Zufall. Wir haben in Manacor mit dem Kompaniechef zu Abend gegessen. Auf dem Rückweg nach Palma schlug ich vor, einen Abstecher nach s’Almonia zu machen, weil ich lange nicht mehr dort gewesen war. Als wir ankamen, überraschten wir sie gerade beim Entladen des Schmuggelguts.“
Oberstleutnant Nieva bestand stets darauf, dass es die Glücksgöttin war, die ihn in jener Nacht nach Cala s’Almonia führte. Obwohl ich auch an göttliche Inspiration glaube, war es für mich eher eine menschliche Eingebung, die ihn und seine Begleiter genau an den Ort lenkte, wo gerade Zigaretten geschmuggelt wurden.
Mit dem Eintreffen weiterer Einheiten in Santanyí verteilte die Einsatzleitung die Aufgaben: Der Nachrichtendienst und die Finanz- und Anti-Drogen-Einheit übernahmen die Ermittlungen zur Identifikation und Festnahme der Schmuggler. Uniformierte Patrouillen fuhren nach Cala s’Almonia, um die Flüchtigen zu suchen und das sichergestellte Schmuggelgut zu bewachen, bis es zur Kommandantur gebracht werden konnte. Andere Einheiten patrouillierten an der restlichen Küste.
Einer der Beamten, der nach s’Almonia geschickt wurde, war Tolo Gili vom Anti-Drogen-Trupp, in einem zivilen Fahrzeug.
Besser zweimal zählen
Vom Wasser bis zu den Fahrzeugen waren es etwa fünf Meter Sandstrand. Dahinter führte eine lange, steile Steintreppe nach oben. Alle zwei oder drei Stufen lag eine Kiste, die die Schmuggler bei ihrer Flucht zurückgelassen hatten. Auch am Strand und in den Fahrzeugen sowie in deren Umgebung lagen weitere Kisten. Ich zählte sie zur Sicherheit zweimal und ließ sie bewachen. Insgesamt waren es 134 Kisten der Marke Winston. In den frühen Morgenstunden traf der Lastwagen ein, und ich überprüfte die Zählung erneut, während die Kisten verladen wurden.
Ich schätzte, dass mindestens 40 Männer in dieser Nacht mit der Entladung des Tabaks beschäftigt gewesen waren – ohne die Späher, die eine eher unglückliche Nacht hatten. Die meisten dieser Männer, Bewohner von Santanyí und der umliegenden Dörfer, waren einfache Träger, die kurzfristig zum Entladen gerufen und für ihren Einsatz großzügig entlohnt wurden.
Als die Morgendämmerung des 28. Oktober anbrach, war meine Arbeit in Cala s’Almonia beendet. Tolo und ich fuhren mit dem Seat 127 des Anti-Drogen-Trupps die Straße von es Llombards in Richtung Santanyí. Nach etwa einem Kilometer tauchte plötzlich eine Person auf, die hektisch winkte. Es war ein etwa 50-jähriger Mann, der sich vorsichtig unserem Fahrzeug näherte. Als er sah, dass der Fahrer und Beifahrer zwei junge Männer mit langen Haaren waren, einer davon mit Bart und leger gekleidet, entspannte er sich und bat um eine Mitfahrgelegenheit nach Santanyí.
Tolo sagte ihm auf Mallorquinisch, er solle einsteigen. Er öffnete die Hintertür und setzte sich auf den Rücksitz.
Während der Fahrt fragte Tolo:
— L’amo, d’on veniu tan exaltat? (Wohin des Weges so aufgeregt?)
— Hi ha hagut tirs, hi ha hagut tirs! (Es sind Schüsse gefallen, es sind Schüsse gefallen!)
— Quins tirs? (Welche Schüsse?)
— Estàvem fent feina amb unes caixes de tabac i ha aparegut la Guàrdia Civil i ha començat a pegar tirs i he sortit corrensos i m’he perdut per dins ses tanques fins que heu aparegut vosaltres. (Wir haben mit Tabakkisten hantiert. Da kam die Guardia Civil und begann zu schießen. Ich bin losgerannt und habe mich zwischen den Mauern verlaufen, bis ihr aufgetaucht seid.)
Er fügte hinzu, dass er weit von Santanyí entfernt gewesen sei und wir ihm einen großen Gefallen täten, ihn mitzunehmen.
"Wir hielten nicht an"
Als wir Santanyí erreichten, bat er uns, ihn an einem Dorfplatz abzusetzen. Doch wir hielten nicht an. Er schwieg, bis er sah, dass wir vor der Wache stoppten. Dann fragte er: „No sereu guàrdies civils amb aquest pels?“ (Ihr seid doch nicht von der Guardia Civil. Mit diesen Haaren?) Als wir bejahten, rief er aus: „Batuadell, batuadell! Quina putada, tota la nit corrent per acabar aquí!“ (Verdammt noch mal! Die ganze Nacht rennen, nur um hier zu landen!)
Ich versuchte, ihn zu beruhigen, indem ich ihm erklärte, dass er nur so lange in der Wache bleiben müsse, bis das Protokoll aufgenommen war. Danach würden wir seine Familie kontaktieren, damit sie ihn abholten. So geschah es, und eine seiner Töchter kam schließlich, um ihn nach Campos zu bringen, wo er lebte.
Bis 9 Uhr morgens waren die Personalien von fünf der Schmuggler als Tatverdächtige aufgenommen, darunter die von Pep Randé und Xifonet. Nach Abschluss der Formalitäten wurden sie freigelassen.
Über die gesamte Aktion wurde ein „Beschlagnahmeprotokoll für Schmuggelware“ erstellt, das die Sicherstellung von 67.000 Schachteln ausländischen Tabaks dokumentierte. Dieses Protokoll wurde an die Zollverwaltung der Balearen weitergeleitet, wo ein Verwaltungsverfahren eingeleitet wurde, das schließlich in einer Anhörung vor dem Provinzgericht für Schmuggel endete. Ich besitze noch immer die Vorladung zur Anhörung vor dem Provinzgericht für Schmuggel am 5. Oktober 1982 um 1 1 Uhr im Finanzamt von Palma, zu dem Verfahren 269/81 über die Beschlagnahme von Tabak im Wert von 4.262.680 Peseten.
Nächste Woche: Das Bootsversteck
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