Eine ganz eigene Welt: Dieses Kloster in Palma lohnt einen Besuch
Im ehemaligen Kapuzinerinnen-Kloster in Palmas Altstadt tut sich eine ganz eigene, abgeschottete Welt auf. Jetzt ist sie mit Führungen zu erkunden

Der Klosterhof des im 17.Jahrhundert erbauten Klosters straht Ruhe inmitten dem Altstadt-Trubel aus / Alexandra Bosse
Es ist nur ein einziger Schritt über die Schwelle, der einen von der trubeligen Außenwelt in die Ruhe hinter den wohl höchsten Mauern der Insel bringt. Während sich draußen bereits die ersten Kreuzfahrtschiff-Massen der Saison durch die Gassen zwängen, umfängt einen hier im Kloster Leere und Verlassenheit. Nur noch zehn Nonnen bewohnen aktuell das ehemalige Kapuzinerinnen-Kloster Monestir de la Puríssima Concepció im Carrer de les Caputxines, gleich um die Ecke vom Borne. Als die Nonnen des Kapuzinerinnen-Ordens in Palma wegzogen oder starben, übernahmen 2006 die Franziskanerinnen vom Konvent Franciscanas TOR (Tercera Orden Regular) das Kloster.

Die Kapelle des Klosters ist auch von der Straße Carrer de les Caputxines aus öffentlich für Gottesdienste zugänglich. / Alexandra Bosse
Das Kloster braucht Unterstützung
„Es ist auch heute schwer, Nachfolgerinnen im Dienst zu finden“, weiß Jaume Llabrés Mulet. Der 70-jährige Mallorquiner ist Kunsthistoriker und betreut zusammen mit seiner Kollegin Aina Pascual seit 1995 die Ausstellungen und das Kulturerbe des Klosters. „Eigentlich braucht der Komplex für die problemlose Bewirtschaftung etwa 30 Schwestern. Die Nonnen sind hier also unterbesetzt und arbeiten hart daran, um alles zu erhalten“, sagt er.
Seit vergangenem Herbst hat sich das Kloster auch wieder für Besuche geöffnet. Die deutsche Kultur-Veranstalterin Ingrid Flohr und die mallorquinische Fremdenführerin Maria Sureda sind derzeit die Einzigen, die dort deutschsprachige Führungen anbieten. Llabrés selbst begleitet Besucher samstags auf Spanisch zwei Stunden durch das Kloster, um die Nonnen finanziell etwas zu unterstützen. Denn auch im jetzigen TOR-Franziskanerinnen-Kloster ist das Geld knapp.

Der mallorquinische Kunsthistoriker Jaume Llabrés macht jeden Samsatg Führungen auf Spanisch durch das Kloster / Alexandra Bosse
Gegründet und geführt von einer Vizekönigin
Historisch gesehen war es nie ein reiches Kloster. Die Kapuzinerinnen waren auch als „die Barfüßigen“ bekannt, da sie ein sehr einfaches und enthaltsames Leben führten. Dabei war es eine ehemalige Vizekönigin von Mallorca, die das Kloster 1668 an dieser Stelle gründete. Teresa María Gómez de Sanabria y Ponce de León war mit 20 Jahren bereits zum zweiten Mal Witwe geworden und beschloss daraufhin Klausurnonne im Kapuzinerinnen-Kloster Nuestra Señora de los Ángeles in Zaragoza zu werden. 1648 legte sie dort das Ordensgelübte ab und war fortan Sor (Schwester) Clara María. Später kehrte sie auf die Insel zurück und nutzte hier ihre freundschaftlichen Beziehungen zu adeligen und wohlhabenden Frauen, die fortan das von ihr in Palma gegründete Kloster unterstützten oder ihre Töchter hierherschickten.

Der ehemalige Besprechungssaal der Klosterleitung mit den Porträts der früheren Äbtissinnen. / Alexandra Bosse
Das Leben in Klausur
„Für die Frauen im 17. Jahrhundert bedeutete das Kloster Freiheit, hier konnten sie sich neben der Arbeit und Religion ungestört auch der Poesie und Kunst widmen“, erzählt Maria Sureda, als sie im Erdgeschoss die 20-köpfige Gruppe durch die Räumlichkeiten des Klosters führt, die jetzt als Museum dienen. Klausurnonnen leben komplett abgeschieden von der Außenwelt und widmen sich ganz ihrem religiösen Leben. Ihr Alltag ist darauf ausgerichtet, sich auf ihre Beziehung zu Gott zu konzentrieren. Der Tag beginnt früh, oft schon um 5 Uhr morgens und ist von Arbeit, Einkehr und Gebet geprägt. Die Klostermauern verließen die Kapuzinerinnen nie. Was sie von der Mitwelt brauchten, brachten ihnen die Mönche des Ordens. Das Wasser kam von einem unterirdischen Brunnen, zu dem man hinabsteigen kann und der das Kloster autark machte. Bei heftigen Regenfällen steigt der Wasserpegel auch heute noch die Treppenstufen hoch.

Die nachgestellte Schlaf-Zelle der Kapuzinerinnen-Nonnen / Alexandra Bosse
Die heutigen Nonnen leben im Obergeschoss, beim MZ-Besuch waren nur zwei von ihnen von Weitem bei der Arbeit im Gemüsegarten zu sehen. Auch sie leben in Klausur, doch die Regeln sind dank des Dekretes „Vultum Dei quaerere“ von Papst Franziskus vom 22. Juli 2016 nicht mehr ganz so streng. „Die älteste Nonne der Kapuzinerinnen wurde in den Klostermauern 105 Jahre alt“, sagt Sureda. Und das, obwohl die Nonnen ohne Heizung lebten und nur in hölzernen Betten ohne Matratzen schliefen, wie in einer nachgestellten Klosterzelle zu sehen ist. Vieles aus dem Alltag der Kapuzinerinnen ist nur mündlich überliefert. Llabrés und Pascual konnten die letzten Nonnen noch persönlich begleiten und so ihr Wissen für die Nachwelt erhalten.
„So interessant hatte ich mir das gar nicht vorgestellt",
war das Feedback mehrerer Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Abschluss der Führung.
Möchten Sie auch das Kloster Monestir de la Puríssima Concepció besichtigen? Hier finden Sie die Informationen:
Eingang: Carrer de les Caputxines, 14, Palma
Spanischsprachige Führungen: jeden Samstag von 11–13 Uhr, Eintritt: 12 Euro (fürs Kloster), Kontakt:Jaume Llabrés, WhatsApp an: +34 678-58 97 55
Deutschsprachige Führungen: auf Anfrage, Kosten: 30 Euro (inkl. Eintritt), Kontakt: Ingrid Flohr, WhatsApp an Tel.:+34 690-21 87 09, Infos: kunst-touren-mallorca.com
Wenn Sie mehr über eine kuriose Nonne aus Palma lesen wollen, finden Sie hier den Artikel:
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