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Mallorca-Sommer mit Kindern: Wie Eltern die drei Monate langen Ferien meistern

Nicht nur Kinder freuen sich auf den Sommer. Doch bei drei Monaten Ferien müssen Eltern in vielerlei Hinsicht kreativ werden

Verlassen den Pool nur ungerne: spielende Kinder auf Mallorca.

Verlassen den Pool nur ungerne: spielende Kinder auf Mallorca. / Johannes Krayer

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Sophie Mono

Sophie Mono

Regen auf warmen Asphalt, Grillkohle und Sonnencreme, das waren für mich früher, als Kind in Deutschland, die Gerüche des Sommers – und die Ferienzeit die beste des Jahres, ganz klar. Seit ich auf Mallorca lebe und hier Kinder habe, stehe ich dem Thema Sommerferien zwiegespalten gegenüber. Statt sechs Wochen dauern die vacaciones hier elfeinhalb Wochen an. Und statt Nutznießer der freien Zeit bin ich nun Manager derselben. Knapp drei Monate, in denen man mit dem Nachwuchs ganz schön ins Schwitzen kommen kann – unabhängig von 39 Grad im Schatten.

Erst der Endspurt, dann das Nichts

Mitte Juni. Mir dröhnt der Kopf. In den letzten Schulwochen werden auf Mallorca üblicherweise noch einmal alle Register gezogen. Es ist schwer, nicht den Überblick zu verlieren zwischen Saisonende-Partys der örtlichen Sportvereine, Geschenkebasteln für die Klassenlehrerin und Abschlussvorführungen der Musikschule. Alles, was im vergangenen Herbst begonnen hat, geht jetzt zu Ende. Es ist der Endspurt-Stress zum fin de curso.

Eine Woche später, Ende Juni. Und plötzlich ist da – nichts. Keine Schule, keine Hobbys, keine Termine im Familienkalender. Die bis eben noch überlebenswichtige Multitasking-Fähigkeit wird schlagartig obsolet und abgelöst von einer ganz anders gearteten Challenge. Wie bringt man die Kinder durch die nächsten, terminfreien Monate?

Betreuung sichern

Vor allem bei kleinen Kindern, wie meinen, geht es dabei erst einmal um eine ganz existenzielle Frage: Was tun, wenn ich arbeite, und ich die Kids nicht allmorgendlich in Kindergarten oder Vorschule abliefern kann? Sechs Wochen können viele erwerbstätige Paare in Deutschland noch irgendwie mit Urlaub überbrücken. Aber elfeinhalb Wochen? Keine Chance! Dabei bin ich im Vergleich zum Großteil der Inselbevölkerung in privilegierter Lage. Ich kann im Sommer auch mal ein paar Wochen freimachen. Anders als viele meiner Bekannten: Für jene, die nicht ganzjährig angestellt sind, sondern temporär im Tourismus arbeiten, ist zwischen Juni und September meist noch nicht einmal eine Handvoll Urlaubstage drin. Stattdessen klotzen die Saisonkräfte richtig rein, machen Überstunden, laufen auf Hochbetrieb. Und haben trotzdem Kinder, die es zu betreuen gilt.

Immerhin: Die ganz Kleinen kann man da noch gut wegorganisieren. Wer einen Kitaplatz im öffentlichen System hat, kann das Kind im Sommer gegen einen saftigen Aufpreis weiter hinschicken. So einfach ist es bei Kids ab drei Jahren dann nicht mehr – auch die Vorschulen bleiben bis zum 10. September geschlossen. So mancher Spanier greift zur Überbrückung auf die abuelos zurück. Und hat auch keine Scheu, die Großeltern wochen- und monatelang ganztätig einzuplanen.

Sommerschule oder Großeltern?

Andere setzen, wie ich, auf die escuelas de verano. 50 Prozent aller Familien mit Kindern unter 15 Jahren melden den Nachwuchs in Spanien in einer Sommerschule an, habe ich neulich in einer Studie gelesen. Auf den Balearen dürften es noch deutlich mehr sein. Entsprechend groß ist das Angebot, selbst in den Dörfern. Die vom Rathaus subventionierten Basis-Angebote sind allerdings meist nur das: ein Notnagel. Man gibt die Kind ab, hofft, dass die jungen und wenig erfahrenen Betreuer sie nicht kaputtmachen, und ist froh, wenn die Kinder nicht allzu sehr über die immerselben Spiele klagen, die dort den Vormittag füllen.

Leider boykottierte mein Sohn das Angebot bereits nach seinem ersten Sommerschul-Sommer. Wer mehr zahlt, kann thematische Sommerschulen wählen. Theater, Natur, Sport … – je exklusiver, desto teurer. Herausfordernd ist der Mallorca-Sommer also auch finanziell.

Lange Tage, wenig Struktur

Noch steckt der Sommer in seinen Anfängen, doch ich erinnere mich an den vergangenen August. 22.30 Uhr, die Grillen zirpen, ich bin müde, das Thermometer weigert sich auch nachts, unter 25 Grad zu fallen. Genauso wie meine Kinder sich weigern, jetzt doch mal schlafen zu gehen. Die 20-Uhr-Zubettgehzeit, die wir im Winter etabliert haben? Im Sommer eine Utopie. „Und wir haben ja Ferien“, ruft mein Großer. Ja, immer noch. Sommertage sind lang. Herrlich lang, mit Strandgängen, Wasserspielen und Faulenzen – alles etwas, das auch in mir die Freude an der warmen Jahrezeit von einst wieder hervorruft. Aber auch anstrengend lang, so ohne Rhythmus und Aktivitäten, mit Geschwisterstreit und lähmend heißen Mittagsstunden.

„Strukturen schaffen, aber nicht zu viele“, lautet der Tipp eines Kollegen mit etwas älteren Kindern. Ein Balanceakt. Seine beiden Grundschulkinder sind im Sommer viel zu Hause, genießen das sommerliche Nichtstun im Kontrast zum vollgepackten Alltag außerhalb der Ferien – und setzen sich auch brav hin, wenn ihre Mutter ihnen nach dem morgendlichen Poolgang ein paar Schreib- und Rechenaufgaben an die Hand gibt.

Smartphone-Versuchung

„Vielleicht wird es leichter, wenn sie älter sind“, denke ich. Andererseits: Richtig entspannt stelle ich mir einen Sommer mit herumhängenden Teenagern auch nicht vor. „Das Smartphone ist eine ständige Versuchung. Und es ihnen nach einer gewissen Zeit zu entreißen, trägt auch nicht unbedingt zu guter Laune bei“, berichtet ein anderer Kollege. Seine Töchter sind 14 und 17 Jahre alt, auch ihre Hobbys pausieren derzeit. Mit Sommerschul-Angeboten oder Feriencamps kann man sie nicht mehr locken, höchstens noch mit kostspieligen Sprachaufenthalten oder Urlaub außerhalb.

Ja, Sommer auf Mallorca sind ein bisschen zu lang, ein bisschen zu heiß, ein bisschen zu strukturlos. Gerade mit Kindern. Aber missen mag ich sie trotzdem nicht. Weder den Sommer – noch die Kinder.

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