Keine Seebestattungen mehr auf Mallorca? Neue Richtlinie der katholischen Kirche
Die sogenannte Guía sacramental verbietet, dass die Asche von Toten in der Luft oder im Wasser verteilt wird

Bei einer Seebestattung auf Mallorca. / Bon Amic
Die Diözese Mallorca hat einen neuen Leitfaden für die Verantwortlichen der Pfarrgemeinden auf der Insel herausgegeben, der an manchen Stellen für Irritationen sorgt. Unter anderem sieht die sogenannte Guía sacramental vor, dass bei Beisetzungen die Asche nicht mehr verstreut werden soll. Dieser Passus bezieht sich damit auch auf die Seebestattungen, die bei vielen Deutschen auf der Insel beliebt sind.
Wörtlich heißt es in der Richtlinie: "Um jegliche pantheistischen, naturalistischen oder nihilistischen Missverständnisse zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf der Erde oder im Wasser – oder in sonstiger Weise – zu verstreuen, noch sie in Erinnerungsstücke oder Schmuckstücke umzuwandeln. Für diese Praktiken können keine hygienischen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründe geltend gemacht werden, die die Wahl der Feuerbestattung rechtfertigen könnten." Ohnehin rät der Leitfaden generell von Einäscherungen ab. Sie sollten nur in Notfällen in Betracht gezogen werden. Also in Zukunft keine Seebestattungen mehr auf Mallorca?
Seebestattungen kommen in der katholischen Gemeinde kaum vor
Ganz so ist es sicher nicht. Denn zum einen findet ein beträchtlicher Teil der Seebestattungen auf der Insel ohne christliche Zeremonie statt. Sprich: "Bei vielen der Bestattungen vom Schiff aus ist gar kein Pfarrer anwesend", wie Bestatterin Tanja Sauerwein von der Firma "Bon Amic" sagt. Außerdem gilt die Anordnung der Diözese nur für die katholische Kirche. Und da kommen Seebestattungen mit Deutschen ohnehin kaum vor, sagt der Pfarrer der katholischen Gemeinde auf Mallorca, Andreas Falow, der MZ. "Seebestattungen sind bei uns kein großes Thema, das wird so gut wie nicht nachgefragt."
Die meisten deutschen Katholiken würden entweder in Särgen auf der Insel bestattet oder in einer Urne von Familienangehörigen nach Deutschland überführt und dort beigesetzt. Prinzipiell befolge man die Vorgaben der spanischen Kirche, erklärt Falow. Doch sollte es der ausdrückliche Wunsch eines Verstorbenen oder seiner Hinterbliebenen sein, eine Seebestattung zu organisieren, rate er davon nicht ab.
Evangelische Gemeinde hat mehr Erfahrung
Andere Arten der Ascheverstreuung auf der Erde oder in der Luft seien ohnehin nicht vorgesehen, sagt Falow. Gegen eine Einäscherung werde er sich nicht zur Wehr setzen, es sei denn, die verstorbene Person wende sich ausdrücklich gegen Jesus Christus oder die Auferstehung. Dann werde er keine christliche Zeremonie abhalten, so Falow.
Die evangelische Gemeinde auf Mallorca steht Einäscherungen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Die evangelische Pfarrerin Martje Mechels erklärt der MZ, dass sie in ihrer Zeit auf Mallorca bereits zahlreiche würdige Seebestattungen begleitet hat. Aus evangelischer Sicht seien Einäscherungen kein Problem, da sie dem Prinzip "Erde zu Erde, Asche zu Asche" folgten. Es müsse allerdings einen würdigen Umgang mit der Asche geben, stellt Mechels heraus.
Auch andere Sakramente angesprochen
Der Umgang mit der Asche ist nicht der einzige Aspekt, auf den die neue immerhin 116-seitige Richtlinie eingeht. Auch die anderen Sakramente werden thematisiert. So heißt es, dass bei Taufen nur diejenigen Taufpaten sein dürfen, die selbst getauft und gefirmt wurden. "Das ist allerdings sowieso Usus und keine Neuheit", sagt Pfarrer Falow.
Auch dass heiratswillige Ehepaare vorher vom Pfarrer gefragt werden, ob sie sich lebenslang Treue und Liebe versprechen, sei keine wirkliche Neuheit, sagt Falow. Wie eine Sprecherin der Diözese der MZ erklärt, können die Pfarrer der einzelnen Gemeinden selbst bestimmen, inwiefern die neue Richtlinie angewandt wird.
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