Mit emotionalem Ende: Auf der Suche nach der Mallorca-Jugendliebe
Gabi Schwarz kann sich nach 45 Jahren immer noch an ihre Jugendliebe aus Porto Cristo erinnern. Die MZ hat nach dem Mann gesucht – mit Erfolg

Gabi Schwarz (links) und Guillermo (rechts). / Privat/Porto Cristo Premsa Forana
An Porto Cristo hat Gabi Schwarz viele schöne Erinnerungen. In den 1970er- und 80er-Jahren verbrachte sie als Jugendliche die Oster- und Sommerferien meist mit ihren Eltern und manchmal auch mit ihren Großeltern an der Ostküste Mallorcas. Nicht nur Sonne, Meer und Familienzeit prägten diese Urlaube, sondern auch ein junger Mallorquiner namens Guillermo. 45 Jahre später hilft die MZ Gabi Schwarz dabei, ihre Jugendliebe wiederzufinden – mit einem emotionalen Ergebnis.
Ihre mallorquinische Jugendliebe habe Gabi nie vergessen. „Ich fragte mich immer wieder, was aus seinem Leben geworden ist und wie er heute aussieht“, erzählt Gabir Schwarz der MZ am Telefon. Als sie vor einigen Wochen auf Facebook ein Foto der Strandpromenade von Porto Cristo in einem MZ-Artikel sah, kehrten die Erinnerungen zurück. In einem Kommentar in dem sozialen Netzwerk berichtete sie von ihren Jugendurlauben – und hatte auch eine Bitte: „Hiermit suche ich meinen Jugendfreund Guillermo, der damals in der Küche des ‘El Patio’ arbeitete. Wir waren nach seinem Feierabend meistens in der Disco 'Saboga', zusammen mit vielen anderen jungen Leuten. Wenn also jemand Guillermo kennt, bitte schreibt mich an.“
In der Hotelküche kennengelernt
Die MZ nahm Kontakt mit Schwarz auf. Die Erzählungen aus der Zeit und die Erinnerungen an ihren mallorquinischen Jugendfreund sprudelten nur so aus der 63-Jährigen heraus. Bei den Familienurlauben in Porto Cristo übernachteten sie immer in der Pension San Marcos – heute das Hotel Bini – in der Nähe der Strandpromenade. Damals gehörte das Restaurant El Patio noch zum Hotel. Dort lernten sich Gabi Schwarz und Guillermo kennen. Schwarz war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt, Guillermo etwa 20.
„Wir haben nie über seine Familie gesprochen. Ich wusste nicht, wo er wohnte“
Die beiden freundeten sich an und sollten sich auch in den folgenden Sommer- und Osterurlauben wieder sehen. Guillermo arbeitete als Koch in der Hotelküche. „Wenn wir ankamen, bin ich immer zuerst in die Hotelküche gegangen und habe Guillermo begrüßt“, erzählt die MZ-Leserin.

Gabi Schwarz im Mai 1978. / Privat
Abende am Strand und durchgetanzte Nächte
Da Guillermo viel arbeiten musste, waren die beiden vor allem abends unterwegs. Ihre Eltern wussten das auch und hatten damit keine Probleme. „Das waren ja ganz andere Zeiten“, erzählt Gabi Schwarz. Mit den hohen Schuhen ihrer Mutter ging sie abends zum Ausgang der Hotelküche, wo Guillermo bereits auf sie wartete. Zusammen zogen sie an den Strand, tanzten im Saboga oder in anderen Bars im Ort. Oft schlossen sich auch andere Urlauber oder Hotelangestellte an.
Nach den nächtlichen Ausflügen begleitete Guillermo sie zurück zum Hotel – nur wenige Stunden, bevor er wieder in der Küche stehen musste, um das Frühstück vorzubereiten. „Der Arme hat rund um die Uhr gearbeitet“, erinnert sich Schwarz. Besonders präsent sind ihr die vielen Narben an seinen Armen, verursacht durch Fettspritzer aus der Küche.Die Nächte waren lang und voller Spaß. Geredet wurde eher wenig, getanzt viel. Schwarz sprach kaum Spanisch, Guillermo nur ein paar Worte Deutsch. „Aber das war damals egal, da standen Spaß und Verliebtsein an erster Stelle“, sagt sie. Heute findet sie es schade, dass es damals keine Übersetzungsprogramme oder Smartphones gab, mit denen sie sich hätten verständigen können. Doch die Kommunikation mit Händen und Füßen reichte aus. Schließlich war Gabi Hals über Kopf in ihren mallorquinischen Schwarm verliebt.
„So werde ich ihn immer in guter Erinnerung in meinem Herzen tragen“
In Porto Cristo kennt jeder jeden
Vier Jahre hielt diese besondere Beziehung an, bis die Familie nicht mehr nach Porto Cristo fuhr. „Wir haben nie über seine Familie gesprochen. Ich wusste nicht, wo er wohnte“, erzählt Gabi Schwarz. Auch den Nachnamen kannte sie nicht, nur seinen Vornamen und seinen Arbeitsplatz. Trotzdem sollte sich die MZ-Suche als weniger schwierig erweisen als gedacht – Mallorca ist eben ein Dorf, und in einem Ort wie Porto Cristo kennt jeder jeden.
Nach einigen Telefonaten stieß die Redakteurin schließlich auf eine Spur. Der ehemalige Betreiber des Restaurants El Patio, Mateo Mas, bot seine Hilfe an. Er habe zwar zu Guillermos Zeit das Restaurant noch nicht betrieben, würde aber im Dorf herumfragen: „Ich spreche heute noch mit einem Bekannten, der die wandelnde Bibliothek von Porto Cristo ist“, versprach Mas.
Der Küchenchef erinnert sich
Einige Tage später kam dann der Rückruf. „Ich sitze hier gerade mit dem Küchenchef des El Patio von Mitte der 70er-Jahre zusammen, und wir haben uns über Guillermo unterhalten“, berichtete Mas und machte dann eine Pause. Guillermo sei vor einigen Jahren viel zu früh verstorben, an Krebs.
Der Küchenchef konnte Guillermos vollständigen Namen nennen. Mit dieser Information fand sich im Netz mehr über ihn: Fotos aus der Hotelküche der 1970er-Jahre, auf denen Guillermo mit einer Zigarette im Mundwinkel im weißen Hemd neben seinen Kollegen zu sehen ist. „Er war bei vielen Menschen, auch bei Urlaubern, wegen seiner guten Arbeit und seiner freundlichen Art sehr beliebt“, sagte der ehemalige Betreiber des El Patio.

Ein Foto von einer Silvesterfeier im Jahr 1974: In der Mitte steht Guillermo, mit einer Zigarette im Mund. / Porto Cristo Premsa Forana
Nach seinem Tod am 6. März 2017 schaltete seine Familie eine Todesanzeige in der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“. Die Totenmesse des damals 60-Jährigen fand in einer Kirche im kleinen Ort Son Carrió unweit von Porto Cristo statt.
Für Gabi Schwarz war diese Nachricht ein Schock. Dass er so früh sterben musste, macht sie traurig. Gleichzeitig ist sie dankbar, überhaupt etwas über sein späteres Leben erfahren zu haben. Vor allem aber denkt sie an die schönen Sommer- und Osterurlaube in Porto Cristo zurück: „So werde ich ihn immer in guter Erinnerung in meinem Herzen tragen“, sagt sie.
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