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Trauer um Wolfram Seifert: Ein großer Journalist, der auf Mallorca Zeitungsgeschichte schrieb

Lutz Minkner gedenkt Wolfram Seifert, dem kürzlich verstorbenen, ehemaligen Chef des „Mallorca Magazin“

Wolfram Seifert, hier 2009 auf seiner Dachterrasse in Cala Major.  | FOTO: WOLFGANG DUVENECK/DPA

Wolfram Seifert, hier 2009 auf seiner Dachterrasse in Cala Major. | FOTO: WOLFGANG DUVENECK/DPA

Lutz Minkner

Lutz Minkner

Im Alter von 79 Jahren ist am vergangenen Wochenende mein Freund, der Journalist und langjährige Verlagsdirektor des „Mallorca Magazin“, Wolfram Seifert, nach kurzer Krankheit in der Clínica Rotger in Palma verstorben. Gern komme ich der honorigen Bitte der Mallorca Zeitung, mit der Wolfram Seifert immer in fairem Wettbewerb stand, nach, einen Nachruf zu schreiben.

Wolfram Seifert hatte in den bewegten 68er-Jahren in Berlin Politologie studiert. Die seinerzeit gegen den Springer-Verlag von der außerparlamentarischen Opposition geführten Angriffe führten ihn, ausgestattet mit einem konservativ-liberalen Weltbild, in diesen Verlag, wo er schnell wichtige Funktionen ausübte: Von 1968 bis 1980 arbeitete er für „Die Welt“ als politischer Redakteur und Chef vom Dienst in der Zentralredaktion in Hamburg und Bonn. 1981 hatte er eine wegweisende Begegnung mit dem spanischen Verleger Pedro Serra, der unter anderem auch das „Mallorca Magazin“ seit 1971 herausgab. Magazin? Na, ja, ein zwölfseitiges Schwarz-Weiß-Blättchen mit Informationen für deutsche Residenten und Touristen und einigen aus dem Spanischen übersetzten Artikeln. Ob er sich vorstellen könne, daraus eine „richtige Zeitung“ zu machen, fragte Serra. Ja, antwortete Wolfram Seifert und wurde mit Handschlag-Vertrag „Chef“ einer Ein-Mann-Veranstaltung mit dem Titel „Mallorca Magazin“.

Er schrieb Zeitungsgeschichte

Von 1981 bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2009 machte Wolfram Seifert aus dem unbedeutendem Blättchen das Vierfarb-„Mallorca Magazin“ mit bis zu 160 Seiten Umfang und bis zu 40.000 Exemplaren Auflage. Damit schrieb er Zeitungsgeschichte. Gewiss, der Themenkreis, über den er und später seine Mitarbeiter schrieben, war ein neuer. Vom politischen Redakteur wurde er zum Allrounder. Zwar berichtete Wolfram Seifert über Besuche bekannter Staatsmänner auf Mallorca wie König Juan Carlos, Kohl, Gorbatschow, Arafat, Rau und Schröder und interviewte einige von ihnen, doch lag in den fast 30 Jahren seiner Verantwortung der Schwerpunkt seiner Arbeit darin, eine Zeitung zu machen, die für deutschsprachige Residenten und deutsche Touristen überwiegend Inselthemen aufgriff, erklärte und kommentierte.

Die wichtigsten Funktionen der Zeitung waren Information und Ratgeber. Es gelang Wolfram Seifert, eine professionelle Redaktion zu formen, der er als Spiritus Rector vorstand. Neben dem Leserkreis aus dem Inselpublikum wurde das „Mallorca Magazin“ auch wichtige Informationsquelle für deutsche Medien, wenn es um Mallorca ging. Spannende und aufregende Jahre, die Wolfram Seifert und der Verlagsgruppe Serra nicht nur Respekt und Anerkennung, sondern auch einen wirtschaftlichen Erfolg brachte, der auch in Zeiten, in denen vom Zeitungssterben gesprochen wurde, dem „Mallorca Magazin“ ein gesundes wirtschaftliches Fundament bescherte.

Wichtiger Ratgeber und guter Freund

Meine Frau Edith und ich lernten Wolfram Seifert Mitte der 90er-Jahre kennen. Er war uns wertvoller Ratgeber bei Marketingaktionen und Werbemaßnahmen unseres Unternehmens. Auch hatten wir immer wieder einen regen Gedankenaustausch, wenn es um die Bewertung des aktuellen Immobilienmarktes auf Mallorca – eines der wichtigen Themen für die Leser des „Mallorca Magazin“– ging. Und schließlich trafen wir uns häufig bei gesellschaftlichen Anlässen. Dabei gelang es ihm, uns unaufdringlich interessante Persönlichkeiten vorzustellen, von denen viele zu seinem engeren Freundeskreis gehörten. So wuchs auch zwischen ihm, seiner Frau Petra und uns aus einem rein geschäftlichen Verhältnis eine Freundschaft.

Diese endete nicht mit seinem Ausscheiden aus dem Verlag. Regelmäßig trafen wir uns und tauschten Gedanken aus, teilten wechselseitige Sorgen, besuchten gemeinsam Veranstaltungen und hatten wunderbare Abende bei einem guten Wein und gutem Essen. Schon im Sommer meldeten sich Seiferts für ein Essen im Spätherbst an, wenn meine Frau zum traditionellen Rinderrouladen-Essen (Wolfram: „Edith, du machst die besten Rinderrouladen der Welt“) einlud. In diesem Jahr blieb sein Platz leer, weil er schon im Krankenhaus lag. Wolfram, du wirst uns fehlen. Und unser herzlichstes Beileid für dich, Petra.

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