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Universalgelehrter unserer Tage: Llull-Experte und GOB-Mitgründer Anthony Bonner ist tot

Der US-amerikanische Musiker, Llull-Kenner, Übersetzer und Mitgründer der Umweltorganisation GOB starb im Alter von 97 Jahren. Auf Mallorca lebte er seit 1959

Anthony Bonner vor seinem Tod.

Anthony Bonner vor seinem Tod. / D. Martínez

Er war ein begeisterter Anhänger des mallorquinischen Philosophen und Theologen Ramon Llull - und Mitgründer von Mallorcas größter und bis heute bedeutendster Umweltschutzorganisation GOB. Am Montag (8.12.) ist Anthony Bonner im Alter von 97 Jahren gestorben.

Wichtig für die Umweltschützer

Der renommierte Lullist, wie die Enthusiasten des im Mittelalter wirkenden Ramon Llull genannt werden, war in New York geboren und lebte seit 1954 auf Mallorca. Sein Engagement rund um die Insel brachte ihm 2002 den Preis "Premi Ramon Llull" der balearischen Landesregierung und 2016 die Ehrendoktorwürde der Balearen-Universität ein. Es sind nur einige von vielen weiteren Auszeichnungen, die er im Laufe seines Lebens erhalten hat.

Bonner sei „eine entscheidende Persönlichkeit“ gewesen, erklärte die GOB-Sprecherin Margalida Ramis angesichts von Bonners Tod - und erinnerte daran, dass in den vergangenen Monaten bereits zwei weitere ehemalige Vorsitzende der Umweltschutzorganisation gestorben waren: im Juli Xesc Moll, vergangene Woche Xisco Avellà - beide waren wie Anthony Bonner jahrelang wichtige Stützpfeiler der Vereinigung gewesen.

Musikstudium in Harvard

Auch der Inselverlag Nova Editorial Moll, der im Laufe der Jahre mehrere Werke Bonners veröffentlicht hat, drückte am Montag in einer Pressemitteilung sein Beileid über den Verlust „eines Pioniers“ aus. Man erinnerte daran, dass er nach dem Musikstudium an den Universitäten von Harvard und Paris 1954 nach Mallorca gekommen war. „Seit 1980 widmete er sich dem Studium von Ramon Llull, und in dieser Zeit arbeitete er als Übersetzer und verbrachte seine Freizeit mit dem Studium der Natur, was zu den Anfängen des GOB beitrug, dessen erster Präsident er war.“

Im Rahmen der Verleihung der Eherendoktorwürde pflanzte Anthony Bonner 2016 einen Baum an der Balearen-Universität

Im Rahmen der Verleihung der Eherendoktorwürde pflanzte Anthony Bonner 2016 einen Baum an der Balearen-Universität / B. Ramon

Beim Verlag Editorial Moll veröffentlichte er "Plantes de les Balears / Plants of the Balearic Island" in einer zweisprachigen Ausgabe. „Dieser populärwissenschaftliche Band ist seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1976 zu einem Klassiker geworden und hat verschiedenen Generationen von Naturfreunden als Einführung in die Welt der Pflanzen gedient“, unter anderem deshalb, weil er „in verständlicher Sprache die wichtigsten Pflanzengemeinschaften der Balearen und die repräsentativsten Arten jeder dieser Gemeinschaften erklärt“. Das Werk hat elf Auflagen erreicht und wurde vor Kurzem aktualisiert.

Bei demselben Verlag war Bonner auch für die Veröffentlichung der "Obres selectes de Ramon Llull" verantwortlich, einer zweibändigen Anthologie seines Werks, „die, die Einheit des Denkens des Philosophen in Bezug auf den zentralen Kern eines Systems zeigt, von dem Llull fest glaubte, dass es ihm von Gott auf dem Berg Puig de Randa als Grundlage einer Methode gegeben worden sei, um die Ungläubigen von der Wahrheit des christlichen Glaubens zu überzeugen. Eine Art, die Persönlichkeiten wie Giordano Bruno und Leibniz interessierte“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Werdegang

Nach dem Studium der Musiktheorie und Komposition an der Harvard University (1945–1950) und der Fortsetzung seiner Studien am Pariser Konservatorium ließ er sich 1954 auf der Insel nieder, kehrte jedoch zwischen 1958 und 1959 nach New York zurück, wo er als Musikkritiker für den "New York Herald Tribune" arbeitete.

1959 ließ er sich endgültig auf Mallorca nieder. 1977 gründete Bonner das Musikensemble Camerata Barroca de Puigpunyent. Er übersetzte Werke von François Villon ins Englische, die Gedichtanthologie "Songs of the Troubadours", den Roman "Tots som iguals" von Josep Maria Espinàs ("By Nature Equal"), "20.000 Meilen unter dem Meer" von Jules Verne, "Cousin Bette" von Balzac, Erzählungen von Jorge Luis Borges und viele weitere Werke. Doch vor allem zeichnete er sich dadurch aus, dass er dank seiner Veröffentlichungen und Übersetzungen ins Englische entscheidend zur Internationalisierung der Figur Ramon Llulls und der mallorquinischen Kultur beitrug. /somo

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