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Sant Sebastià 2026: Was es mit den Bruderschaften beim Stadtfest von Palma auf sich hat

Mittlerweile rund 100 "confraries" machen die Feier zu einem partizipativen und verrückten Erlebnis

Orgull Llonguet – erkennbar an den gelben Halstüchern – ist eine der ältesten Bruderschaften. Grüne Halstücher trägt die Confraria de Sant Sebastià.

Orgull Llonguet – erkennbar an den gelben Halstüchern – ist eine der ältesten Bruderschaften. Grüne Halstücher trägt die Confraria de Sant Sebastià. / Guillem Bosch

Wer bei den Bruderschaften vor allem an die düsteren Büßer mit spitzen Hauben denkt, die zur Karwoche durch die Straßen ziehen, wird zu Palmas Stadtfest Sant Sebastià eine deutlich fröhlichere Variante kennenlernen. Gerade einmal 14 Jahre ist es her, dass zwei Freundesgruppen die ersten beiden confraries (Bruderschaften) gegründet haben, die zu diesem Anlass in Erscheinung treten – in Anlehnung an die religiösen Vereinigungen und inklusive eigener Standarte, Halstüchern und satirischer Reliquie – dem Arm des Schutzpatrons Sant Sebastià. Der Grundgedanke war, sich das Stadtfest „zurückzuholen“ und in ein partizipatives, echtes Bürgerfest zu verwandeln. Das ist gelungen.

Mittlerweile gibt es über 100 solcher Vereinigungen. Den Auftakt, den sogenannten xupinasso, zelebrieren sie am 19. Januar um 12 Uhr vor der Bar Can Vinagre im Carrer Oms. Einen weiteren xupinasso gibt es im Carrer Blanquerna. Danach gehen die einzelnen Bruderschaften erst einmal Mittagessen, um gegen 17.30 Uhr wieder zusammenzukommen.

Die beiden ältesten Bruderschaften

Orgull Llonguet (mit gelben Halstüchern), neben der Confraria de Sant Sebastià (grüne Halstücher) eine der beiden Gründer-Bruderschaften, organisiert ab 23 Uhr ab der Bodega Bellver die „Revolta Llonguetada“, einen Umzug mit Schwellköpfen aus Pappmaché und Musik.

Orgull Llonguet organisiert zudem seit Jahren die gastronomische Initiative der llonguetada am 18. Januar. Mitmachen kann jeder, ob Freundesgruppe, Verein oder Bar. Unter drei Bedingungen: Es muss llonguets geben (die Palma-typischen, belegten Brötchen), Dekoration in Gelb und einen kulturellen Programmpunkt.

Treffen aller Bruderschaften und ein kämpfender Unterarm

Im Jahr 2018 entstand der Dachverband Obreria de Sant Sebastià, der zum einen die Kommunikation zwischen den Bruderschaften und mit dem Rathaus von Palma übernimmt und zum anderen ein neues, verbindendes Ritual geschaffen hat: Die "Encontre", ein Treffen aller confraries auf einem Platz – im vergangenen Jahr auf der Plaça de Sant Francesc, dieses Jahr auf der Plaça de la Reina.

Das dann folgende Ritual wurzelt in der Legende um den knöchernen Überrest des Heiligen, der die Stadt einst vor der Epidemie bewahrte. Die Teilnehmer binden ihre Halstücher um eine Nachbildung des Reliquiars, in dem die Kathedrale den Knochen des Heiligen aufbewahrt, und spielen im Anschluss den Kampf zwischen heiligem Unterarm und der Pest nach.

Der Unterarm des Heiligen Sebastian kämpft beim Treffen aller Bruderschaften gegen die Pest.

Der Unterarm des Heiligen Sebastian kämpft beim Treffen aller Bruderschaften gegen die Pest. / B. Ramon

Diesmal beginnt dieser Höhepunkt der Feierlichkeiten am 19. Januar um 17.30 Uhr mit DJ Rock & Roll Star. Um 19.10 Uhr startet die "Schlacht" zwischen der Reliquie und der Epidemie, und im Anschluss gibt es wieder Musik: Die Filharmònica Porrerenca spielt um 19.30 Uhr, um 21 Uhr legt ein weiterer Überraschungs-DJ auf.

Irrwitzige neue Traditionen

Um das Fest zu verlängern und den Kern der Feier zu Ehren des Schutzpatrons in den Mittelpunkt zu rücken, gab es 2025 zum ersten Mal den „Tag der Pest“ (Dia de la Pesta). Dieses Jahr fand er am 10. Januar statt – mit einem Auftritt der personifizierten Seuche, einer Prozession ganz in Schwarz und einem Fest mit Musik. Es ist der neueste von vielen kreativen und verrückten Bräuchen, die die einzelnen Bruderschaften ins Leben riefen. Ein weiteres Beispiel ist die neu geschaffene Tradition, den Nonnen von Santa Clara am Sonntag vor der Stadtfeier Eier zu bringen, auf dass es zu Sant Sebastià nicht regnet. Was wohl 2026 leider nicht viel nützen wird.

Bei diesem neuen Brauch bekommen die Nonnen von Santa Clara Eier dargeboten.

Bei diesem neuen Brauch bekommen die Nonnen von Santa Clara Eier dargeboten. / Guillem Bosch

Auch wer in keiner confraria aktiv ist, ist eingeladen, an den Straßenaktivitäten teilzunehmen. Es geht darum, sich kennenzulernen und Spaß miteinander zu haben: Freunde, Essen und Musik sind die Basis der fröhlichen Zusammenkünfte. Und jeder darf selbst Ideen einbringen und zu Sant Sebastià seine eigene Bruderschaft gründen. Wer nach all dem irrwitzigen Trubel am 20. Januar noch Kraft hat, geht um 12 Uhr zur Plaça Paris – und trinkt gemütlich einen Wermut mit den Bruderschaften.

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