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"Das nimmt dir alle Komplexe": So ticken die Teufel, die beim Correfoc durch die Straßen von Palma ziehen

Am Sonntag (25.1.) ist es wieder soweit: Zum Abschluss der Sant-Sebastià-Feierlichkeiten ziehen dimonis durch die Stadt. Für die Protagonisten ein Abenteuer, auch wenn das Fest längst nicht mehr so wild wie früher ist

Teufelslauf auf Mallorca: So wild geht es beim Correfoc in Palma zu

Guillem Bosch

Für diejenigen, die es noch nie gesehen haben, ist es ein Kulturschock: Der Feuerlauf correfoc stellt den feierlichen Abschluss der Sant-Sebastià-Feierlichkeiten in Palma dar. Feuerspeiende Teufel (dimonis) und Bestien ziehen durch die Straßen, begleitet von lauten Trommeln. Ein Fest, bei dem es knallt, leuchtet und bei dem wild getanzt wird. Am Sonntag (25.1.) ist es wieder so weit. Ab 19 Uhr beginnt die Party zeitgleich an der Plaça de la Reina und an der Ecke Jaume III/Passeig Mallorca.

Maleïts Encabritats, Kinfumfà, Enfocats, Illa Galera, Trabucats, Realment Cremats, Incubus, Es Cau des Boc Negre und Guardians del Drac de Sant Jordi. So heißen die colles, die Teufelsvereinigungen, die zu Sant Sebastià (und auch anderen Gelegenheiten) beim Feuerlauf durch Palma ziehen. „Dimoni zu sein, ist pures Adrenalin: Wenn du die Maske aufsetzt, hörst du auf, du selbst zu sein – das nimmt dir alle Komplexe“, sagt Joan Frau von der Dimonis-Gruppe Illa Galera aus Can Pastilla. Ähnlich beschreibt es Sergi Reyes von Incubus: „Nervosität, Euphorie und Adrenalin schießen durch den Körper. Man ist von Geburt an dimoni, das ist ein Gefühl.“

Viel mehr Einschränkungen und Bürokratie

Dennoch habe sich das Teufelsdasein verändert. Alle colles sind sich einig, dass das bürokratische Labyrinth die dämonischen Spektakel blasser wirken lässt. „Es gibt viel mehr Einschränkungen, vor allem innerhalb von Palma. Einige pyrotechnische Spielzeuge gelten nicht als sicher, und der Papierkram ist Wahnsinn. Das verhindert keinen guten correfoc, aber bremst die Kreativität“, erklärt Catalina Capellà, Vorsitzende von Cau des Boc Negre. Miquel Ferriol von Trabucats ergänzt, dass der Preisanstieg des Schwarzpulvers das Spektakel der correfocs eingeschränkt habe: „Wir haben dasselbe Budget wie vor fünf Jahren, und das Schwarzpulver ist teurer geworden.“

Feuer frei in den Straßen von Palma: Ein Mitglied von Incubus.

Feuer frei in den Straßen von Palma: Ein Mitglied von Incubus. / Incubus

Auch die Gesellschaft habe sich verändert – zuungunsten der Teufel. Was früher noch durchging, könne man sich heute nicht mehr leisten. Catalina Capellà sagt, die Figur des respektlosen dimoni habe sich beruhigen müssen, um sich an die neue Zeit anzupassen: „Früher überschritt man gewisse Grenzen – heute werden wir stärker verfolgt und unter die Lupe genommen, deshalb treten alle einen Schritt zurück.“ Scherze, wie jemandem übers Gesicht zu lecken, seien heute nicht mehr angemessen, ergänzt Jordi Mas von Trafoc, einer der ältesten colles der Stadt.

Da gewisse Verhalten heute nicht mehr akzeptiert seien, müsse „viel besser“ geschauspielt werden, sagt Sergi Reyes von Incubus. Früher habe es „weniger Grenzen“ gegeben, man konnte mehr Narr sein. Zudem habe sich die kulturelle Figur des dimoni auch institutionell verändert: „Früher war es Ausgelassenheit und Spaß, heute ist es zu einem Geschäft geworden.“

Wenn die Teufel in die Schule kommen

Kurios für Außenstehende dürfte sein, dass die colles auch in Kindergärten und Seniorenheimen auftreten. Ein Schrei, Trommeln – und plötzlich bevölkern Dutzende dimonis die Dächer der Schule, während sie so tun, als würden sie einen Brand legen, den die Feuerwehr später in einer Übung löscht. Ein unvergessliches Bild, das ein Kind für immer im Gedächtnis behalten wird. „Wir gehen jedes Jahr in die Schulen, um den Kleinsten die Angst zu nehmen", erklärt Tolo Méndez, Gruppenleiter von Kinfumfà.

Feuerlauf in Palma: So spektakulär war der Correfoc zu Sant Sebastià 2025

Feuerlauf in Palma: So spektakulär war der Correfoc zu Sant Sebastià 2025 / Clara Margais/dpa

Dort werde dann auch gleich Nachwuchsarbeit geleistet. Man versuche den Kindern zu vermitteln, dass dimonis nicht nur Feuer und Böller sind – sondern viel mehr. Kinfumfà hat auch eine Kindergruppe. „Das ist unser Nachwuchs: viel Energie und kaum Scham, sehr spontan“, sagt Méndez. Auch die Gruppe Enfocats hat seit 2016 eine Kindergruppe, auf die sie sehr stolz ist: „Es gibt Leute, die seit sieben Jahren dabei sind und jetzt in die Erwachsenengruppe wechseln“, erklärt Jordi Mas von der Vereinigung.

Die Gefahren des Hobbys

Gefährlich ist das Hobby natürlich schon. „Auch wenn schwere Unfälle selten sind, muss man sich darüber bewusst sein, dass wir dimonis mit Feuer spielen. Ich bin bufador (einer, der bläst), und einmal drehte beim Feuerspeien der Wind – da habe ich mir den Bart versengt; ich roch danach wie Brathähnchen“, erzählt Miquel Ferriol, Vorsitzender von Trabucats.

Dies sollten Zuschauer des Correfoc beachten

  • Es ist absolut verboten, selbst Feuerwerk mitzubringen und vor Ort zu zünden.
  • Ebenfalls ist es verboten, das Feuerwerk der teilnehmenden Gruppen zu bedienen.
  • Das Rauchen ist in der Nähe der Behälter, in denen das Feuerwerk aufbewahrt wird, untersagt.
  • Empfohlen wird Kleidung aus Baumwolle oder anderen schwer brennbaren Materialien. Die Kleidung sollte den ganzen Körper bedecken.
  • Auch eine Kopfbedeckung ist ratsam, sowie eine Schutzbrille für die Augen und Ohrenstöpsel.
  • Brillengläser und Kameralinsen können durch die Funken des Feuerwerks zu Schaden kommen.
  • Es darf kein Wasser auf das Feuerwerk oder die Teilnehmer gegossen werden.
  • Nehmen Sie ausreichend Abstand zu den Protagonisten ein. Besonders Kinder und Menschen mit Bewegungseinschränkungen sollten nicht in der ersten Reihe stehen.
  • Sie dürfen gerne mit den Teufeln tanzen, solange dies in einer positiven, nicht aggressiven Art und Weise geschieht.

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