"Warum bleiben wir nicht direkt hier?": Deutsche Mallorca-Urlauber wandern spontan aus und übernehmen "Kegelbrüder-Bar"
Susanne Erbe und ihr Sohn haben aus einer Laune heraus die Bar angemietet, deren Terrasse 2022 in Flammen aufging. Seit Dienstag ist geöffnet

Nele Bendgens
Nicht nur in den Fall um die sogenannten Kegelbrüder auf Mallorca ist Ende Januar mit der offiziellen Anklage wieder Bewegung gekommen, auch in der 2022 abgebrannten, ehemaligen Bar "Why not Mallorca" wird wieder gearbeitet. Seit Dienstag (10.2.) ist die "Star Lounge" in Arenal geöffnet. Dahinter stecken eine deutsche Mallorca-Auswanderin und ihr Sohn Benny aus Heilbronn, die zuvor noch nie in der Gastronomie tätig waren.
"Das hat sich spontan im vergangenen Jahr ergeben", sagt Susanne Erbe der MZ. "Wir feierten den Geburtstag meines Sohnes auf Mallorca und dachten: Warum bleiben wir nicht direkt hier?" Die Süddeutsche hatte schon seit Jahren vom Auswandern geträumt. Nun machte sie Nägel mit Köpfen.

Die Bar wurde aufwendig renoviert. / Nele Bendgens
Im Mai auf die Insel gezogen
Bei einem Spaziergang kam sie am "Why Not Mallorca" vorbei, wie die Bar der Vorgängerwirte Alice und Bernd Klotz zuvor hieß. Die beiden sind nach Peguera weitergezogen. "Wir sahen, dass das Lokal zur Miete steht", sagt Erbe. Seit Mai leben die Auswanderer nun fest auf der Insel.
Hilfe bekommen sie vom befreundeten Koch Vincenzo Asareseri. "Er hat sich an der Playa einen Namen gemacht und war früher beim Teckel's", sagt Erbe. Das Restaurant machte 2023 Schlagzeilen, als der deutsche Betreiber vor seinem Laden erstochen wurde.

Sieht nett aus in dem neuen schwäbischen Restaurant. / Nele Bendgens
Auch die neue Chefin Susanne Erbe will in der Küche arbeiten. "Die Maultaschen mache ich selbst", sagt sie. Zudem stehen unter anderem Schnitzel auf der Speisekarte sowie Porchetta, ein italienischer Schweinerollbraten.
Auch den Stripclub übernommen
Bereits 2025 feierten die Deutschen ein Soft Opening für einen Monat und gingen danach in die Winterpause, um auf dem nordischen Weihnachtsmarkt in Palma ihre Speisen anzubieten. "Da kamen wir gut an", sagt Erbe. "Dieses Jahr überlegen wir aber, auf die Winterpause zu verzichten."
Die neue Wirtin hat nicht nur das Lokal angemietet, sondern auch den früheren Stripclub darunter. "Den nutzen wir jetzt als Lager", sagt sie. Im ersten Monat hätten sie bereits ein, zwei Gäste auf die Vergangenheit des Restaurants angesprochen. "Den meisten ist aber nicht klar, was hier passiert ist. Wir wollen jetzt auch etwas Neues, etwas Eigenes machen."
Es fliegen weiterhin Gegenstände auf die Terrasse
Wobei ein Problem weiterhin besteht. Die Vorbesitzer sind auch deswegen weggezogen, weil nach dem Brand weiterhin Gegenstände und Zigarettenkippen von den Balkons des benachbarten Hotels flogen. "Ich will deswegen noch mit dem Hoteldirektor sprechen", sagt Erbe. Das hatte seinerzeit das Ehepaar Klotz monatelang vergeblich versucht.

Segeltücher dienen als Schutz vor Sonne und herabfallenden Gegenständen. / Nele Bendgens
Die neue Betreiberin sieht es aber nicht so dramatisch. "Meist ist es ungewollt und nicht die Schuld der Urlauber. Die Tische stehen nah am Geländer des Balkons. Wenn da ein Windhauch kommt, kegelt der alle Gegenstände runter", sagt sie. Über ihre Terrasse hat sie drei Segeltücher gespannt. "Die sind nicht brennbar und federn den Aufprall jeglicher herabfallender Objekte ab", sagt sie.
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