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„Aus Verzweiflung war ich an Silvester im Bierkönig“: Wie der Mallorca-Urlaub dieser Deutschen komplett ins Wasser fiel

Sabine Böhle aus Duisburg ist Boule-Spielerin. Warum nicht auch auf Mallorca?, fragte sie sich und buchte einen Urlaub. Er fiel ernüchternd aus

Auch am Strand lässt sich eine Runde Petanca ganz einfach starten.

Auch am Strand lässt sich eine Runde Petanca ganz einfach starten. / PEP MORELL/EFE

Sarah López

Sarah López

Wenn Sabine Böhle etwas begeistert, dann macht sie es nicht nur zum Hobby, sondern gleich zum Lebensmittelpunkt. Über Jahre hat das Tanzen ihre Freizeit bestimmt, bis eine Rheuma-Diagnose im Weg stand. So kam die 62-Jährige vor drei Jahren zum Boule-Spielen. Seitdem hat die Duisburgerin die Kugeln nicht mehr aus der Hand gelegt. Sogar ihre Urlaube richten sich nach dem Kugelspiel, das auf Mallorca ähnlich wie im Süden Frankreich („pétanque“) Petanca genannt wird.

Deswegen war sie auch vom 19. Dezember bis zum 2. Januar auf Mallorca. Wie sich dann aber zeigte, ist die Boule-Kultur auf der Insel nicht das, was sie erwartet hatte. Enttäuscht vergleicht die Sachbearbeiterin einer Förderbank die Insel mit Teneriffa, wo sie schon zwei Mal zum Boule-Spielen gewesen sei: Sonnenschein ohne Ende, jeden Tag Spielbetrieb und mehrere Turniere pro Woche. Die 17 Tage Aufenthalt verbrachte sie dort praktisch auf dem Boule-Platz.

Sabine Böhle hatte auf Mallorca wenig Spaß.

Sabine Böhle hatte auf Mallorca wenig Spaß. / privat

Nun wollte die 62-Jährige ein neues Boule-Ziel in Spanien ansteuern. Für Mallorca entschied sie sich aus zwei Gründen: weil der Urlaub fast 1.000 Euro billiger war als auf den Kanaren – und weil ein Boule-Kollege aus Aachen, der lange Zeit auf der Insel gelebt hatte, nur Gutes zu berichten wusste: eine große Anlage in Palma mit vielen Bahnen und ein Turnier, bei dem sie mitspielen könnte.

Mehr Bierflaschen als Kugeln

Schon der Vorabbesuch der Turnieranlage erwies sich als ernüchternd: Kaum eine Menschenseele war vor Ort. Einige Tage später zeigte sich das gleiche Bild bei der größten Bahn in Palma, neben dem Stadion von Atlético Baleares an Palmas Ringautobahn: „Da haben mehr Menschen Bier getrunken als gespielt“, berichtet die 62-Jährige am Telefon. Immerhin fand sie an einem Tag einen Spielgefährten. An dem Turnier nahmen dann nur wenige Spieler teil, die meisten davon Mallorquiner. Nach vier Runden war das große Boule-Event ihres Urlaubs vorbei; fortan ging es eher bergab.

Denn Sabine Böhle versuchte weiter ihr Glück. Zuerst an einer Bahn in Es Pil·larí, nicht weit entfernt von ihrer Unterkunft an der Playa de Palma. Auch dort war keine Menschenseele anzutreffen. „In einer Bar in der Nähe versuchte ich mit Händen und Füßen, mehr herauszufinden“, sagt Böhle. In einer Stunde komme womöglich jemand vorbei, habe der Wirt gesagt. Aber auf gut Glück zu warten, passt nicht zu Sabine Böhle.

Wenige Tage später fuhr sie mit dem Bus nach Sóller. Auch dort gibt es eine Petanca-Bahn. Doch die Anlage neben der Busstation war entgegen der im Internet angegebenen Öffnungszeiten zu. Mallorca hatte Sabine Böhle zu diesem Zeitpunkt schon fast weichgeklopft: Die 62-Jährige schickte sich an, „normalen Urlaub“ zu machen und verkniff sich sogar, ihre Kugeln mit nach Valldemossa zu schleppen, wo es auch eine Bahn gibt. „Zum Glück hatte ich die Kugel nicht dabei, da war ein Gitter davor“, sagt die Duisburgerin.

Lichtblick an Heiligabend

Dann kam Weihnachten. Am 24. Dezember endlich ein Lichtblick: Nach tagelanger Suche traf Sabine Böhle im Parc de les Meravelles an der Playa de Palma Menschen, mit denen sie spielen konnte. „Es waren eher so Freizeitspieler“, sagt die Büroangestellte, die in ihrer Heimat an regionalen Turnieren teilnimmt. Doch auch wenn die Spieler nicht die internationalen Regeln befolgten, traf sich die Westdeutsche eine Woche später erneut mit der Gruppe, die von der deutschen evangelischen Kirchengemeinde an der Playa organisiert wird.

„Vielleicht lag es am schlechten Wetter“, versucht sich die Duisburgerin die Flaute zu erklären und sagt: „Ich hatte mir einen ganz anderen Urlaub vorgestellt.“ Sie hatte sich erhofft, Anschluss zu finden und mit den Mitspielerinnen und Mitspielern Weihnachten und Silvester zu feiern – letztendlich war sie dann über die Feiertage ganz allein. „Aus Verzweiflung war ich an Silvester im Bierkönig“, sagt die 62-Jährige. Das Lokal am Ballermann kennt sie gut: Fünf Jahre intensive Party-Urlaube hat die Boulerin dort verbracht. „Ich bin ein Mensch der Exzesse: Wenn ich etwas mag, dann aber richtig“, sagt sie.

Anfang März hat sie erneut Urlaub. Diesmal geht es auf das spanische Festland, in das Örtchen Torre del Mar in der Provinz Málaga. Dort solle es eine etablierte Boule-Kultur von Residenten und Urlaubern geben – 2025 fand dort ein nationales Boule-Turnier statt. „Mallorca ist immer eine Reise wert – aber mit einem anderen Ziel“, sagt Sabine Böhle.

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