Zufallsfund beim Wandern: Dieser kleine Bronze-Stierkopf könnte ein Schlüssel zur Frühgeschichte Mallorcas sein
Ein Wanderer hat bei Valldemossa zufällig einen bronzenen Stierkopf entdeckt. Historiker Jaume Deyà hält den Fund aus der postalayotischen Epoche für eine bedeutende archäologische Entdeckung – und will nun nach weiteren Stücken suchen

Der bei Valldemossa gefundene Miniatur-Stierkopf. / Jaume Deyà
Ein Zufallsfund bei Valldemossa hält Mallorcas Geschichtsforscher in Atem: Wie Historiker Jaume Deyà berichtet, handelt es sich bei dem aus Bronze gefertigten Stierkopf, den ein Ausflügler aufsammelte und mitnahm, um eine bedeutende archäologische Entdeckung. „Aufgrund seiner Merkmale stammt die Figur aus der posttalayotischen Epoche, also aus der Zeit zwischen 600 und 200 vor Christus", schätzt er.
Erster Miniatur-Stierkopf für Museum auf Mallorca
Vermutlich könnte der Stierkopf Teil eines größeren Elements gewesen sein: "Entweder der Kopf einer kleinen Statue oder ein dekoratives Motiv, das am Schaft eines größeren Stierkopfes angebracht war“, so der Archäologe im Gespräch mit der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Seine Hypothese stützt sich darauf, dass sich auf der Rückseite des Stücks eine Öffnung befindet, die darauf hinweist, dass es ursprünglich an eine andere metallische Trägerstruktur angeschweißt gewesen sein muss.
Außergewöhnlich ebenfalls: Das Stück ist der einzige auf Mallorca gefundene und erhaltene Stierkopf in Miniaturformat, der bald in einem Museum zu sehen sein wird. „Drei weitere wurden gefunden, sie sind dokumentiert, aber verschwunden; sie sind in keinem Museumsbestand verzeichnet“, erklärt Deyà. „Außerdem wurden in den letzten fünfzig Jahren keine Darstellungen dieser Art gefunden“, fügt er hinzu.
Der Stierkopf misst 3,2 Zentimeter in der Länge, 1,7 Zentimeter in der Höhe und 2,9 Zentimeter in der Breite. „Die so fein ausgearbeiteten Details machen ihn zu etwas ganz Besonderem. Er zeichnet sich durch seine gelungenen Proportionen und durch die Merkmale der Hörner, der Ohren, der Schnauze und der Augen aus, ebenso wie durch einige Einschnitte, die dazu dienen, die Gesichtszüge des Tieres hervorzuheben“, betont Deyà.
Ähnlichkeiten zu den bekannten Stierköpfen von Costitx
Typologisch betrachtet und ohne die Maße zu berücksichtigen, ist der Archäologe aus Sóller der Ansicht, dass diese Figur stilistisch an zwei der bekannten Bous de Son Corró (besser bekannt als Bous de Costitx) erinnert - die berühmtesten Beispiele von Bronze-Stierköpfen aus der posttalayotischen Epoche auf Mallorca, die im Museo Arqueológico Nacional in Madrid ausgestellt sind. Mit dem Unterschied, dass sowohl die Hörner als auch die Ohren des neuen Funds äußerst klein und stark vereinfacht sind. „Es ist, als hätten wir es mit der Darstellung des Kopfes eines Jungstiers oder einer jungen Kuh zu tun“, merkt er an. Nach Einschätzung der Fachleute waren die Darstellungen von Stieren einst heilige oder kultische Elemente, also Schlüsselstücke zum Verständnis der talayotischen Religiosität auf Mallorca.
"Mitwirkung der Bürger sehr wichtig"
„Dieser Fund ist ein wenig mit dem Schwert von Puigpunyent vergleichbar. Er ist ungewöhnlich, und es ist schwer, auf ein solches Stück zu stoßen", betont Deyà weiter. Der Kopf, der nun Teil der Sammlung des Museu de Mallorca in Palma werden soll, wurde zufällig vom erfahrenen Wanderer Josep Maria Buils Huguet entdeckt. „Er fragte einige Freunde, ob sie einen Archäologen kennen würden, und sie gaben ihm meinen Namen. Er setzte sich mit mir in Verbindung und erklärte mir, dass er das Stück mitten auf einem Weg während einer Wanderroute in Valldemossa gefunden habe“, berichtet Deyà - und lobte den Wanderer für seine Umsicht. "Die Mitwirkung der Bürger ist sehr wichtig, um das Kulturerbe Mallorcas angemessen zu schützen.“
Deyà hat nun beim Inselrat beantragt, in dem Gebiet bei Valldemossa eine gezielte Suche nach weiteren möglichen archäologischen Fundstücken starten zu dürfen. /somo
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