Sex, Sonne, Spannung: Wie die Gemeinde Calvià auf Mallorca Urlaubern ihre reiche Kino-Geschichte näherbringt
An Calviàs Stränden und Buchten sind schon etliche Kinofilme, TV-Serien und Werbespots entstanden– teils mit bekannten Stars. Eine Rathaus-Initiative weist den Weg zu Drehorten sowie Geschichte und Zukunft des Kinos

Filmgeschichte auf Mallorca: Diese Serien und Filme wurden an den Stränden von Calvià gedreht / Archiv
Die Bucht Caló d’enMonjo in Cala Fornells ist einer der wenigen Küstenorte in Calvià, die vom Beton verschont geblieben sind. Ein Rückzugsort für Badegäste, die der Überfüllung entfliehen – so gut das überhaupt noch geht. Was nur wenige wissen: Der Küstenabschnitt, der häufig von Nudisten besucht wird, war einst eine Filmkulisse für Spannung, Mord und Totschlag. Jetzt will das zuständige Rathaus von Calvià mit einer neuen Film-Route Kinoliebhaber an die Originalschauplätze führen.
Hollywood-Größen am Strand
Die Liste der rund um Calvià gedrehten Kinofilme, Serien und Musikvideos ist lang: Im Jahr 1982 beispielsweise wurde am Caló d’en Monjo „Das Böse unter der Sonne“ gedreht, ein Film nach dem Roman von Agatha Christie, in dem der legendäre Schauspieler Peter Ustinov den Detektiv Hercule Poirot verkörperte. Jahrzehnte später diente die Bucht als Kulisse für Szenen der Netflix-Serie „White Lines“ (2020) und der BBC-Krimi-Serie „The Mallorca Files“ (2023). Letztere zeigt zudem Aufnahmen aus Portals Vells.

Die Bucht um den Strand von Santa Ponça war unter anderem Drehort für den 60er-Jahre-Film "Bahía de Palma" mit Elke Sommer. / DM
Auch andere Buchten in der Gegend schafften es auf die große und kleine Leinwand: Im Jahr 1962 zog es die Schauspieler Arturo Fernández und Elke Sommer für die Dreharbeiten von „Bahía de Palma“ an den Strand von Santa Ponça. Dort wurde 1964 auch der Musikfilm „Búsqueme a esa chica“ mit der spanischen Star-Sängerin und Schauspielerin Marisol und dem Pop-Paar Dúo Dinámico abgedreht. Der Strand von Illetes dagegen war Schauplatz der Dreharbeiten zu „Glam Girls – Hinreißend verdorben“ (2018), bei denen Hollywoodgrößen Anne Hathaway und Rebel Wilson vor der Kamera standen. Und 2022 drehte an der Cala Comtessa der Textil-Riese H&M einen Werbespot für die neue Frühjahrs- und Sommerkollektion.

Auch die Cala Comtessa bei Illetes ist Teil der neuen Kino-Route. / DM
Die Badebucht El Mago hingegen trägt ihren Namen noch immer von den Dreharbeiten des Films „Der Magier“, der 1968 die Schauspieler Michael Caine, Candice Bergen und Anthony Quinn vor die Mallorca-Kulisse lockte. Nicht zu vergessen die Dreharbeiten im Jahr 2006 für Daniel Monzóns Film „The Kovak Box“.
Doch was wären all diese Schmuckstücke, wenn keiner mehr von ihnen weiß? Calviàs Gemeindeverwaltung jedenfalls will die Erinnerung an das filmische Erbe hochhalten. Und an die schönen Buchten. Nicht zuletzt, um auch im Winterhalbjahr Besucher anzuziehen. Unter dem Namen „Calvià, Plató de Cine“ (Calvià, Drehort) soll nun eine Route entstehen, die Urlauber, Filmliebhaber und Branchenkenner gleichermaßen befriedigt.

Im Caló des Monjo (Peguera) entstanden Szenen für "Das Böse unter der Sonne". / DM
Konkret schlägt die Celluloid-Route vor, die realen Drehorte von zehn international bekannten Film- und audiovisuellen Produktionen zu besuchen, die vor Ort durch Gedenktafeln an jedem Drehort gekennzeichnet sind. Jede Tafel enthält einen geolokalisierten QR-Code, der direkt mit der offiziellen Website des Projekts verbunden ist. Auf der Website können die Besucherinnen und Besucher das Erlebnis vertiefen, indem sie auf detaillierte Informationen zu der Produktion, Anekdoten und Kuriositäten rund um die Dreharbeiten, technische Daten und historischen Kontext zugreifen – all dies stets auf den jeweiligen Ort in Calvià bezogen.
Der erste Bikini
Und Anekdoten gibt es genug. So wie die Tatsache, dass die Liebesverwechslungskomödie „Bahía de Palma“ im Jahr 1962 mit für die damalige Zeit revolutionären Details in die Geschichte einging: Am Schauplatz, dem Strand von Santa Ponça, trug die deutsche Schauspielerin Elke Sommer als Erste in einem spanischen Film einen Bikini. Ein Ereignis, über das landesweit geredet wurde.
Calvià eifert mit der neuen Route, die bereits auf internationalen Reisemessen beworben wurde, anderen Destinationen nach, die bereits gezeigt haben, dass Filmtourismus großes Potenzial haben kann. Das bekannteste und – nun ja, nicht ganz übertragbare – Beispiel dafür ist Neuseeland. Die eindrucksvollen Naturaufnahmen in der Trilogie „Der Herr der Ringe“ dürften dem Land Hunderttausende zusätzliche Urlauber eingebracht haben.
Engagement im Dorfkino
Doch die Filmgeschichte Calviàs besteht nicht nur aus großen Titeln, Schauspielern und Regisseuren. Zu dieser Filmgeschichte gehört auch das Kino vor Ort. Das erste Kino im Gemeindegebiet eröffnete 191 1. Es befand sich im Ortskern, genauer gesagt in Sa Central, einem Elektrizitätswerk. Später diente es auch als Probenlokal der Gemeindekapelle. Gabriel Vidal Salvà betrieb das Kino bis 1979. Die Chroniken berichten auch, dass es in der kleinen Ortschaft Es Capdellà einen weiteren Kinosaal gab. Offenbar befand er sich an der Ecke bei der Kirche, in der Straße, die nach Sa Vinya führt. Die Nachfolge dieser Räume übernahm später die Vereinigung „Sa Societat de Calvià vila“, die auch Jahre später noch regelmäßig Filmvorführungen veranstaltete.
Was letztlich nicht verwirklicht wurde, war die Idee, in der Gemeinde im damaligen Club de Hielo von Palmanova das erste Kino Spaniens mit kuppelförmiger Leinwand zu errichten. Das Projekt, von dem in den 1990er-Jahren die Rede war, folgte dem Modell des Saals La Géode in Paris – ein etwa 30 Meter hohes Gebäude in Form einer großen Kugel, in dessen Innerem sich eine Kuppel-Leinwand befand, die das Publikum umgab.

Der Film "The Magus" gab der Badebucht El Mago ihren Namen. / DM
Neues Filmfestival in Magaluf
Neben der Vergangenheit widmet sich Calviàs Film-Offensive auch der Zukunft: Am 24. und 25. April soll im Urlaubsort Magaluf erstmals ein neuartiges Filmfestival ausgerichtet werden, das sich auf die Vorteile und die Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) in der Filmindustrie konzentriert. Bei dem Festival, das aus Einnahmen der Tourismussteuer bezuschusst wird, soll laut Mitteilung des Rathauses, „neuen Filmemachern Sichtbarkeit gegeben und die Debatte darüber gefördert werden, wie diese technologischen Werkzeuge die audiovisuelle Produktion demokratisieren, die Fähigkeiten der Kreativen stärken und neue Vertriebschancen eröffnen können“.
Wie Federico Luglio, Gründer des Festivals, erklärt, „ersetzt die künstliche Intelligenz nicht die menschliche Kreativität, sondern verstärkt sie und eröffnet neue narrative Möglichkeiten“. Die teilnehmenden Filmemacher mussten sich im Vorfeld dazu verpflichten, in den von ihnen eingereichten Filmen keine Gesichtern realer Schauspieler zu verarbeiten oder bereits existierende künstlerische Stile anerkannter Studios nachzuahmen.
Zu der Veranstaltung sind mehr als 200 Fachleute aus dem audiovisuellen Sektor geladen, darunter auch der US-amerikanische Produzent Tommy Harper, bekannt für seine regelmäßige Arbeit mit dem Regisseur Tim Burton („Edward mit den Scherenhänden“) und als Executive Producer großer Kassenerfolge wie „Top Gun: Maverick“, „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ oder „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“.
Harper wird Teil der Jury sein, zu der auch lokale Fachleute und Vertreter von Produktionsfirmen der Insel gehören werden, etwa Pedro Barbadillo, Produzent und ehemaliger Direktor der Mallorca Film Commission, oder Mike Day, CEO von Palma Pictures. Die Veranstaltung wird nach Angaben des Rathauses die Vorführung ausgewählter Kurzfilme sowie Podiumsdiskussionen umfassen. Seinen Abschluss findet das Festival mit einer Preisverleihung im Club Nikki Beach.
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