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Kosten, Gepäck und Anschluss finden: Diese Tipps gibt Wander-Blogger Lucio Jünemann für den GR 221

Der 24-Jährige entschloss sich kurzfristig zu einer Tour auf Mallorcas bekanntem Fernwanderweg. Nach neun teils verregneten Tagen zieht er für uns Bilanz

Entschied sich spontan für den GR 221: Lucio Jünemann.

Entschied sich spontan für den GR 221: Lucio Jünemann. / Privat

Sarah López

Sarah López

Für Lucio Jünemann (24) ist Wandern längst kein Hobby nur für Ältere. Der Student aus Niedersachsen hat bereits zahlreiche Hüttentouren in den Alpen hinter sich und sechs Wochen auf einer Almhütte gearbeitet. Seine Leidenschaft trägt er auch in die sozialen Netzwerke: Auf Instagram berichtet er unter dem Namen @lucio_now fast 100.000 Followern von seinen Wanderabenteuern. Ausführlicher dokumentiert er die Touren in seinem Blog „Ab nach draußen“.

Bald dürfte dort auch ein Bericht über Mallorcas bekanntesten Fernwanderweg erscheinen: der GR 221. Vom 2. bis 10. März war der 24-Jährige auf der Trockensteinroute quer durch die Tramuntana unterwegs – von Es Capdellà bis Pollença. Wenige Tage nach den acht Etappen zieht er Bilanz, erzählt von Regen, Hüttenleben und darüber, was andere Wanderer aus seiner Erfahrung mitnehmen können.

Die Entscheidung für die Tour fiel erst fünf Tage vor der Abreise. „Ich habe Bewerbungen für Praktika geschrieben und dachte mir: Ich muss unbedingt noch mal raus, bevor die Semesterferien zu Ende gehen“, erzählt der Journalismus-Student. Auf Mallorca war ihm der Name GR 221 schon vor drei Jahren bei Tagestouren in der Tramuntana immer wieder begegnet. Seitdem stand die Route auf seiner persönlichen Wunschliste.

Vorbereitung unterschätzt

Rückblickend, sagt er, habe er die notwendige Vorbereitung unterschätzt. „Ich war ein bisschen in Winterstarre.“ Vor allem körperlich wäre ein wenig mehr Bewegung im Vorfeld sinnvoll gewesen. „Ich hätte ein paar Tage am Stück kürzere Wanderungen von zehn Kilometern machen sollen.“ Auch beim Gepäck lag er daneben. „Einen 50+10-Liter-Rucksack braucht es nicht.“ Noch vor Beginn der Tour musste er einige Dinge in einer Bar zurücklassen, weil er zu viel eingepackt hatte.

Würde Jünemann beim nächsten Mal anders machen: weniger Gepäck mitnehmen.

Würde Jünemann beim nächsten Mal anders machen: weniger Gepäck mitnehmen. / privat

Worauf er dagegen keinesfalls verzichten würde, sind Wanderstöcke. „Ich habe mich lange dagegen gewehrt, weil das für mich immer so ein Alte-Leute-Ding war“, sagt Lucio Jünemann.

Auch Powerbanks gehörten unbedingt ins Gepäck. „In den Hütten gibt es teilweise sehr wenige Steckdosen.“ Außerdem empfiehlt er, über Apps wie Komoot oder Outdooractive eine Offline-Karte herunterzuladen. Denn nicht überall sei der Weg eindeutig ausgeschildert. „Ich habe mich einmal kurz verlaufen.“

Spontane Planung wird teuer

Weil die Reise so kurzfristig zustande kam, konnte er nicht jede Nacht in einer Wanderhütte – auf Katalanisch: refugi – übernachten. „Die sollte man drei Monate im Voraus buchen“, weiß Jünemann jetzt. Die Übernachtung koste nur 19 Euro pro Nacht, hinzu kämen die Mahlzeiten. In seinem Fall seien zwei Hütten bereits ausgebucht gewesen. Für acht Nächte zahlte er insgesamt 550 Euro. Das sei deutlich teurer gewesen, als wenn er ausschließlich in den refugis untergekommen wäre. Für die Flüge zahlte er 170 Euro hin und zurück, für Verpflegung noch einmal rund 130 Euro.

Quer durch die Tramuntana: In Mallorcas Bergen hat sich Lucio Jünemann sehr wohlgefühlt. | FOTO: PRIVAT

Das "refugi" de Muleta in Sóller. / Privat

Minimalistischer als in den Alpen

Die mallorquinischen refugis, sagt Jünemann, seien deutlich schlichter als viele Alm- und Alphütten in Deutschland. Das beginne beim Essen, das nur wenig Auswahl biete: „Es gibt abends einen Eintopf und etwas Vegetarisches“, sagt der Journalismus-Student.

Geschlafen wird in großen Schlafräumen mit dicht an dicht stehenden Stockbetten. Trotzdem beschreibt er die Stimmung unter den Wanderern als offen und angenehm. Man komme schnell ins Gespräch, tausche Erfahrungen aus und bilde eine starke Gemeinschaft. „Wäre da nicht die Sprachbarriere gewesen, hätte ich mich gern noch mehr mit den Wirten unterhalten – so, wie ich es auch in den Alpen mache“, sagt der 24-Jährige.

Erholsam seien die Nächte allerdings nicht immer gewesen. „Der eine schnarcht, der andere hustet, der andere wälzt sich so im Bett, dass alles brutal knarrt“, erzählt Jünemann. Ohropax seien deshalb fast Pflicht.

Auch der Tagesrhythmus sei auf Mallorca ein anderer, wie Lucio Jünemann festgestellt hat. In den refugis gebe es Frühstück oft erst um 8 Uhr. „Ein Wanderer, der den Alpenraum gewohnt ist, schlägt da sicher die Hände über dem Kopf zusammen“, sagt Jünemann.

Was ihm in den mallorquinischen Hütten außerdem fehlte, waren Trocknungsräume. Gerade bei schlechtem Wetter sei das ein Problem. „Wenn man einmal nass ist, werden die Klamotten und der Rucksack nicht mehr wirklich trocken.“

Regen, Gewitter und ein Tiefpunkt

Das Wetter machte ihm die Tour nicht leicht. Er sei anderen Wanderern begegnet, die deshalb einzelne Etappen mit dem Bus zurückgelegt hätten. Verlässlich planen gehe kaum, weil die Wettervorhersagen in den Bergen nur begrenzt hilfreich seien.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Etappe von Valldemossa nach Deià. Kurz vor dem Ziel wurde er von einem Gewitter überrascht. „Ich kauerte komplett nass unter einem Baum und dachte mir nur: Ey, ich habe keinen Bock mehr.“ Wegen des Wetters legte er einige Tage später noch einen Pausentag ein. Das war rückblickend die richtige Entscheidung. Während er am Kamin in Lluc saß, gerieten andere Wanderer draußen in massiven Hagel. „Sie hatten wirklich Angst um ihr Leben“, erzählt Jünemann.

l Das „refugi“ de Muleta in Sóller war bereits ausgebucht.  Jünemann musste sich eine andere Unterkunft suchen.   l Ein Spaziergang durch Valldemossa.  l Bei Regen in den Bergen.  l Auf dem Kalvarienberg in Pollença: Nach 120 Kilometern war das Ziel erreicht.   | FOTOS: PRIVAT

Bei Regen in den Bergen. / Privat

Als er später am Nachmittag gegen 16 Uhr wieder loszog, zeigte sich die Serra de Tramuntana plötzlich von ihrer schönsten Seite. „Ich ging durch Olivenhaine, und alles glitzerte. Das war eine der schönsten Etappen für mich.“

Allein, aber nicht einsam

Gestartet ist Jünemann allein. Schon nach kurzer Zeit traf er jedoch zwei deutsche Wanderinnen mit demselben Ziel. Überhaupt seien auf der Route auffallend viele Deutsche unterwegs.

Tagsüber sei er meist für sich gewandert, am Abend habe man sich in den Unterkünften wiedergesehen. Mit jeder Etappe seien es weniger geworden. In Pollença seien am Ende nur noch zwei Paare übrig gewesen, die mit ihm gestartet waren. Am letzten Abend habe man zusammengesessen und sich über die vergangenen Tage ausgetauscht. „Das hatte für mich schon fast Familiencharakter“, erzählt er.

Nach 120 Kilometern und neun Tagen erreichte er schließlich den Kalvarienberg in Pollença – allein. „Ich reise supergern allein, aber in dem Moment hätte ich irgendwie gern jemanden dabeigehabt, den ich einfach in den Arm nehmen kann“, sagt der 24-Jährige.

Spontan den GR 221 getestet

Am Ziel in Pollença. / Privat

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