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Besuch im wohl imposantesten Luxushotel auf Mallorca: Die spektakuläre Verwandlung einer verlassenen Militärfestung

Der historische Gebäudekomplex des Cap Rocat beherbergt ein Juwel von einem Fünf-Sterne-Hotel – und dient als Bühne für ein hochkarätiges Klassikfestival. Ein Rundgang zum Mitstaunen

Die früheren Unterkünfte für Soldaten verwandelte das Architekturbüro Antonio Obrador in elegante Zimmer für Hotelgäste.

Die früheren Unterkünfte für Soldaten verwandelte das Architekturbüro Antonio Obrador in elegante Zimmer für Hotelgäste. / Nele Bendgens

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

„Wer glaubt, dass Steine keine Seele und kein Aroma haben, war noch nicht auf Cap Rocat“ lautet ein etwas prätentiöser Satz auf der Website des Hotels. Doch man möchte ihn sofort unterschreiben, wenn man zum ersten Mal selbst die imposante Fünf-Sterne-Anlage auf 35 Hektar im abgelegensten Teil der Bucht von Palma betritt. Leuchtend helles Mauerwerk, der Duft heimischer Pflanzen, über den Köpfen segelnde Möwen. Stille, die das Nervensystem entspannt, wenn man die Brücke über den Wassergraben sowie das Tor passiert und zwischen plätschernden Brunnen und Palmen steht.

Das Eingangstor hinter dem tiefen Wassergraben.

Das Eingangstor hinter dem tiefen Wassergraben. / Nele Bendgens

„Heute findet jeder, der hierherkommt, diesen Ort unglaublich. Aber vor 20 Jahren hat absolut niemand an die Idee von Antonio Obrador geglaubt“, sagt María Chocarro (39) bei einem Kaffee auf der Restaurantterrasse. Sie ist leitende Architektin im Büro des bekannten Visionärs, der zahlreiche spektakuläre Hotelprojekte im Portfolio hat. Nein, ins gemachte Nest konnte sich Obrador wahrlich nicht setzen. Die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Festung Cabo Enderrocat war seit 1904 vom Militär genutzt und im Jahr 1996 aufgegeben worden. Seitdem verwandelte sie sich in einen unwirtlichen „Lost Place“, der Wohnungslosen Zuflucht bot, dem Vandalismus zum Opfer fiel und als Müllhalde diente.

"Aus dem Nichts Wunderbares geschaffen"

Auch María Obrador (44), Tochter des Architekten und ältestes von fünf Geschwistern, erinnert sich lebhaft an den beklagenswerten Zustand: „Als mein Vater mit diesem Projekt begann, war ich vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Er hat mich hierher mitgenommen, und ich reagierte mit den Worten: ‚Aber Papa, das hier ist doch ein einziges Chaos! Was für ein Wahnsinn.‘

Sie sei damit aufgewachsen, ihm dabei zuzusehen, wie er „aus dem Nichts Wunderbares geschaffen“ hatte. „Deshalb habe ich letztendlich immer auf sein Urteilsvermögen vertraut – obwohl ich nicht diese Fähigkeit habe, mir die Dinge so vorzustellen wie er. Und die Realität hat die Vision noch übertroffen“, sagt Obrador. Sie ist Sprecherin der Fundación Madina Mayurqa ist, die seit 2021 das hochkarätige Festival Cap Rocat organisiert.

Architektin María Chocarro (links) und Festivalleiterin María Obrador im Hotel Cap Rocat.

Architektin María Chocarro (links) und Festivalleiterin María Obrador im Hotel Cap Rocat. / Nele Bendgens

Bis dahin war es ein langer, steiniger Weg: 2001 präsentierte das Architekturbüro sein ambitioniertes Projekt der Gemeinde Llucmajor. Die genehmigte es 2004, womit die Arbeiten beginnen konnten. Zusätzliche Herausforderung: Bei dem Umbau mussten strenge Denkmalschutz- und Naturschutzgebiets-Auflagen eingehalten werden. Das Hotel Cap Rocat öffnete dann 2010 seine Pforten. Eine architektonische Meisterleitung, die mit mehreren internationalen Preisen wie dem Europa Nostra, dem España Nostra oder dem Fortress Study Group Award ausgezeichnet wurde.

Chocarro erklärt, wie Obrador und seinem Team das Kunststück gelang, die Essenz und Struktur des zu Verteidigungszwecken angelegten, schlichten Sandsteinbaus zu bewahren, „aber den Komplex dennoch für seine neue Nutzung als komfortables Luxushotel anzupassen“. Innenhöfe, Wege, versteckte Wachtürme, Schießscharten und in den Felsen gemeißelte Zinnen wurden verwandelt und „neu gedeutet“. Das einzige architektonische Element, das der Anlage neu hinzugefügt wurde, ist eine vollständig reversible Konstruktion, die einem Militärpavillon nachempfunden wurde. Dort wird im Sommer das Abendessen serviert. Besucher des Festivals finden sich hier zum Empfang ein. Die Bühne befindet sich genau gegenüber.

Der Pavillon ist das einzige neue Element der Anlage.

Der Pavillon ist das einzige neue Element der Anlage. / Nele Bendgens

Vom Munitionslager zum Luxus-Spa

Bei einer Erkundung per Buggy fühlt man sich ein wenig wie ein Pirat, der dieses Kleinod gerne erobern, aber auf keinen Fall zerstören möchte. Dass die Anlage, die harmonisch mit dem sie umgebenden Natur- und Vogelschutzgebiet verschmilzt, eher etwas Schützendes als etwas Aggressives ausstrahlt, könnte auch an ihrer Geschichte liegen: Es habe hier nie einen kriegerischen Konflikt gegeben, bei dem die Festung ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen musste, erklärt Maria Obrador. Die Soldaten trainierten hier also verhältnismäßig friedlich – und gingen dereinst sicherlich genauso gerne schwimmen wie heute die Hotelgäste.

Traumhaft: Der Pool mit Meerblick.

Traumhaft: Der Pool mit Meerblick. / Nele Bendgens

Der Salzwasserpool mit Meerblick ist ebenso eine Ruheoase wie der mit würzigem Aroma gefüllte Spa-Bereich, zu dem man durch einen Tunnel hinabsteigt wie in versteckte Katakomben. Ein Vorher-nachher-Vergleich mit historischen Fotos ist hier besonders erstaunlich: Das Munitionslager war einst ein völlig zugewucherter Innenhof ohne Dach. Antonio Obrador füllte den Raum mit einem Schwimmbecken, der durch eine gläserne Decke in Tageslicht getaucht und von einer schwebenden Kugelinstallation geschmückt wird. Auch der elegante Speisesaal des Restaurants hatte einst eher den Charme einer Garage. María Obrador erzählt, dass sie 2003 dort quasi auf der Baustelle heiratete: „Ich sagte meinem Vater: Und wenn wir ein paar Kerzen aufstellen und es ein wenig romantisch machen?“ Er sei dagegen gewesen, doch sie setzte sich durch.

Aus dem alten Munitionslager wurde ein überdachter Pool im Spa-Berich.

Aus dem alten Munitionslager wurde ein überdachter Pool im Spa-Berich. / Nele Bendgens

Blick in die Suite "El Cabo"

Während der Rundfahrt grüßt sie, selbst Mutter dreier Töchter, das Personal immer wieder herzlich, verteilt Luftküsse. Zwischen 150 und 170 Mitarbeiter betreuen hier die Gäste – und das bei nur 30 Zimmern. „Wir sind das Hotel mit der höchsten Zahl an Mitarbeitern pro Zimmer in Spanien“, betont Obrador. „Viele sind von Anfang an mit dabei.“ Die Leitung hat die Hotelmanagement-Gruppe Marugal inne. Zu den verfügbaren Raumtypen zählen die „Centinela“-Zimmer, die an den ehemaligen Verteidigungsposten – am Rand der Steilhänge des Kaps, wo die Kanonen versteckt waren – in den Felsen getrieben wurden. Auch gibt es Suiten namens „Cap Rocat“ und „El Cabo“.

Blick in eine luxuriöse „El Cabo“-Suite.

Blick in eine luxuriöse „El Cabo“-Suite. / Nele Bendgens

In Letztere dürfen wir einen Blick erhaschen und feststellen: Sie wäre wohl selbst des Adels aus „Game of Thrones“ würdig. Die mediterrane Ausstattung ist weder zu schlicht noch zu protzig. Ein Dachfenster erlaubt nächtliches Baden in der Wanne bei Mondschein. Im Freien gelangt man zu einem Privatpool und Terrassen auf verschiedenen Ebenen, bis ganz nach oben.

Dort hat man einen königlichen Blick auf die zerklüftete Küste und atmet die Meeresbrise. Ausgewiesener Lieblingsplatz: ein überdachtes Bett. „Viele Gäste lassen sich hier das Frühstück servieren. Manche schlafen sogar dort draußen“, sagt Obrador. Bei dem behaglichen, traditionell mallorquinischen Bett in der Suite – und Übernachtungspreisen im vierstelligen Bereich – fast ein Frevel. Aber auch ein Traum.

Lieblingsplatz: das Freiluftbett mit Panoramablick.

Lieblingsplatz: das Freiluftbett mit Panoramablick. / Nele Bendgens

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