Nervosität, Gänsehaut und ein prominenter Ruhepol - hinter den Kulissen der Live-Aufzeichnung des ZDF-Gottesdienstes an der Playa de Palma
Große Anspannung, viel Technik und am Ende großer Applaus: In der Porciúncula-Kirche an der Playa de Palma hat das ZDF am Sonntag (19.4.) einen evangelischen Gottesdienst live übertragen. Die MZ war dabei
Live-Übertragung des ZDF vom Gottesdienst in der Porciúncula an der Playa de Palma am 19. April 2026 / Nele Bendgens / Nele Bendgens
Es ist 9.08 Uhr, als Holmfried Braun die ersten Besucher vom Altar aus begrüßt. Noch 22 Minuten, dann startet die Live-Übertragung des evangelischen deutschsprachigen Gottesdienstes, den am Sonntag (19.4.)Hunderttausende ZDF-Zuschauer von Zuhause aus mitverfolgen. Keine Frage: Dass hier gleich kein Routine-Gottesdienst abgehalten wird, sondern etwas ganz Besonderes, ist rundum zu spüren.
Nervenkitzel pur
Die Protagonisten - das Pfarrerehepaar Holmfried Braun und Martje Mechels - sind angespannt, auch unter den Besuchern, die langsam eintrudeln, herrscht Nervosität. Kein Wunder: Das ZDF ist mit einem 35-köpfigen Team angereist. Vor der Porciúncula-Kirche an der Playa de Palma parken drei große Lastwagen mit ZDF-Emblem. Im Inneren des Gotteshauses ist alles verkabelt, zahlreiche Scheinwerfer leuchten das Gebäude aus. Nicht das Ambiente, das man sonst von einem Gottesdienst gewöhnt ist. Noch einmal erinnert Holmfried Braun: "Diesen Gottesdienst sehen mehr Menschen, als alle anderen Gottesdienste heute in Deutschland zusammen." Nervenkitzel pur.
Auch Aufnahmeleiter Christof Enders wendet sich kurz vor Sendebeginn an die Kirchgänger, die zahlreich erschienen sind - wenn auch nicht alle Plätze belegt sind. "Wir machen kein Theater, wir feiern ganz normal Gottesdienst", betont er, gibt aber zu: "Ein kleines bisschen Technik ist da. Danke, dass ihr die Arme so weit aufgemacht habt, wir fühlen uns hier richtig wohl."
Letzte Anweisungen und Gesangsprobe
Dann noch eine kleine Gesangsprobe, alle sollen mitmachen. Christof Enders ist nicht überzeugt vom Ergebnis. Das muss gleich besser werden. "Bei den Strophen bitte nicht schleppen." Zweiter Versuch: Schon viel besser.
Dann wird es ernst. Während die TV-Zuschauer einen kleinen Vorfilm gezeigt bekommen, den das ZDF in den vergangenen Tagen mit dem Pfarrerehepaar auf der Insel gedreht hat, ist für die Kirchgänger in der Porciúncula nur der Ton des Filmchens zu hören. "Bitte an den Kameras vorbeischauen und nicht winken", wird noch einmal eine letzte Anweisung erteilt. Sängerin Sheela Gathright animiert zum Klatschen, Martje Mechels spricht nochmal einen kurzen Segen, dann heißt es: Kamera ab!

Auch unter den Kirchgängern war die Nervosität vor Sendestart zu spüren / Ciro Krauthausen
Beim Gottesdienst selbst läuft alles nach Plan - vier Mal hatten die Mitwirkenden den Ablauf in den vergangenen Tagen mit dem ZDF-Team geprobt - schließlich ist alles sekundengenau getaktet. Pfarrer Holmfried Braun bedankt sich zunächst bei Pater Paco für die Gastfreundschaft: Der Franziskaner-Priester und seine Ordensbrüder sind in der lichtdurchfluteten "Glaskirche" an der Playa de Palma die Hausherren.
Angenehm: In der Predigt und den Lesungen wird Mallorca auch, aber nicht nur als Sonnenscheininsel dargestellt. Auch die dunklen Seiten sind Thema - wie auch engagierte Gemeindemitglieder wissen, die den Gefängnisbesuchsdienst oder die Betreuung von alleinstehenden Senioren organisieren und ebenfalls kurz zur Sprache kommen. (Worum es genau beim Gottesdienst ging lesen Sie hier).
Esther Schweins als Ruhepol
Zunächst ist auch bei den Pfarrern die Nervosität greifbar. Martje Mechels versucht, sie mit ihrem breitesten Lächeln zu überspielen. Gut, dass schnell die Schauspielerin und Mallorca-Residentin und Esther Schweins wie geplant ein paar Textpassagen übernimmt. Professionell und souverän zeigt sie sich vor der Kamera - und sorgt dafür, dass auch die anderen gelöster werden: ein Ruhepol, der abfärbt.
Ebenfalls bereichernd: Sängerin Sheela Gathright, die seit Langem auf Mallorca wohnt und mit ihrer Stimme den ganzen Raum einnimmt - und noch ein wenig mehr der kollektiven Nervosität davonwischt. Spätestens zur Mitte des Gottesdienstes scheinen auch die Pfarrer die Kameras vergessen zu haben. Alles wirkt jetzt natürlich - so, wie es sein soll. Gesungen wird auf Deutsch, ein bisschen auch auf Englisch. Ein spanisches Lied ist leider nicht dabei, dafür eine Strophe der Fürbitten auf Mallorquinisch.
Jubel zum Ende
Dann gehen die Kameras aus, pünktlich nach 45 Minuten - und alle beginnen zu klatschen, einige jubeln sogar. Sichtlich gelöst winkt Holmfried Braun ins Publikum, formt mit den Händen ein Herz.
"Es ist alles super gelaufen", resümiert auch Aufnahmeleiter Christof Enders im Anschluss beim Plausch mit der MZ. Auch die Location hat es ihm sichtlich angetan. Ein kleiner Umtrunk vor der Kirche, dann heißt es für das ZDF-Team einpacken. Noch am Abend geht es zurück nach Deutschland.
Wie viele Menschen genau das Event auf dem Bildschirm verfolgten, ist übrigens noch nicht klar - die Einschaltquoten werden erst am Montag (20.4.) veröffentlicht.
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