Kein Besuch erlaubt, kein Licht, kein Vertrag: So nutzen Vermieter die Wohnungsnot auf Mallorca aus
Drei junge Inselbewohnerinnen berichten, wie manche Eigentümer Mallorcas angespannten Wohnungsmarkt zu ihren Gunsten ausnutzen

Bei einem Protest gegen die Wohnungsnot auf der Plaça Major in Palma. / B. RAMON
Die Inserate für Wohnungen oder WG-Zimmer auf Mallorca sind zum Teil gruselig: Der eine vermietet einen Anbau auf der Terrasse, der andere eine Gartenhütte für 700 Euro. Auf dem Foto sieht sie zwar ganz schnuckelig aus, heimelig wirkt sie aber nicht. Ein anderer Anbieter stellt gleich zu Beginn klar, dass er nur an Menschen vermiete, die im medizinischen Bereich arbeiten. Gute Angebote zu vernünftigen Preisen sind eher selten.
Seitens der Suchenden spielt die Wohnungsnot eine große Rolle, seitens mancher Vermieter die Gier: jeden Monat pünktlich die Miete kassieren und möglichst wenig in Instandhaltung der Wohnung investieren. Viele wissen ganz genau, dass sie am längeren Hebel sitzen. Denn Interessenten gibt es für jedes Loch – selbst wenn die Zustände menschenunwürdig sind. Drei junge Inselbewohnerinnen berichten, unter welchen Bedingungen sie in Palma als Mieterinnen leben müssen oder mussten.
Bloss kein besuch
Aus der Ferne ein Zimmer zu finden, war keine einfache Aufgabe für Noemi*. Umso erleichterter war sie, als sie die Zusage für ein WG-Zimmer für nur 400 Euro bekam. Die Wohnung lag zwar nicht im besten Viertel der Stadt, sah auf den Bildern aber schön und ordentlich aus. Außerdem kamen die Vermieter aus demselben Land in Südamerika wie sie.
Doch der Umgang mit ihren Landsleuten sollte sich für die Mittzwanzigerin als kompliziert erweisen. Die Vermieter lebten zwar nicht in der Wohnung, kamen aber dennoch ohne Vorwarnung wöchentlich vorbei. In einigen Fällen übernachteten sie sogar in einem der Zimmer, das sie nicht vermieteten. Nicht nur das Ehepaar machte solche Abstecher, auch ihre Kinder samt Partnern übernachteten ab und an in der Mietwohnung. Vor allem die Vermieterin hatte bei ihren Besuchen immer wieder etwas zu meckern. „Sag mal, wer hat nicht gespült?“ oder „Wer hat den Müll nicht runtergebracht?“, schrieb sie in eine WhatsApp-Gruppe mit ihren Mieterinnen.
Umgekehrt mussten Noemi und ihre zwei Mitbewohnerinnen immer über die WhatsApp-Gruppe ankündigen, wenn sie jemanden mit nach Hause brachten. „Auch dann, wenn die Person nur kurz aufs Klo musste“, sagt die Mittzwanzigerin. Männerbesuch war strengstens verboten. Dass jemand übernachtete – selbst eine Freundin –, ebenfalls.
Vergangenes Jahr zu Weihnachten sollte Noemi Besuch von ihrem Bruder bekommen, dem einzigen Familienmitglied, das in Europa lebt. Die Vermieterin wehrte sich vehement dagegen. Ihre Argumentation: „Wir wollen keine Männer im Haus.“ Nach einem langen Gespräch akzeptierte sie den Besuch schließlich unter einer Bedingung: Jeder Tag in der Wohnung sollte zehn Euro kosten.
Lange halten viele Menschen eine solche Kontrollsituation nicht aus. „Ich bin die älteste Mieterin“, sagt Noemi, die erst vor sieben Monaten einzog. Keiner von ihnen hat einen Mietvertrag.
Die dunkle Wohnung
Als María* mit zwei Freundinnen in eine WG zog, rechnete sie nicht mit der Situation, in der sie sich heute befindet. Eigentlich hätte sie schon von Beginn an ahnen können, dass ihre Vermieterin nicht ganz zuverlässig war: Noch monatelang nach dem Einzug standen Sachen von ihr im Wohnzimmer herum und nahmen einen großen Teil des Platzes ein – Kisten, Kleidung, sogar ein Crosstrainer.
Doch nach einem Leck in einer Wasserleitung in der Wohnung darüber begannen die richtig großen Probleme. Das Wasser sammelte sich im Deckenhohlraum. Seit vier Monaten haben die Bewohnerinnen im Bad kein Licht mehr. Geduscht wird im Dunkeln oder mit einer kleinen batteriebetriebenen LED-Lampe. „Dass es dazu gekommen ist, ist ja nicht die Schuld der Vermieterin“, sagt María. Dennoch könne diese deutlich mehr tun, um das Problem zu lösen.
Die Dunkelheit beschränkt sich nicht nur auf das Bad. Seit dem Einzug gehen auch die Hälfte der Jalousien im Wohnzimmer nicht hoch. „Etliche Steckdosen sind ebenfalls defekt, Lampen auch. Die elektrische Ausstattung der Wohnung ist eine Zumutung“, sagt María. Immer wieder komme es zu Stromausfällen. In einigen Fällen hätten die Bewohnerinnen sogar kleine Stromschläge bekommen, etwa beim Einschalten des Lichts. Die Vermieterin macht keine Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen und die Situation zu verbessern. Auch eine Mietminderung wegen der zahlreichen Mängel sieht sie nicht ein. Eher im Gegenteil: „Irgendwann zog eine meiner Mitbewohnerinnen aus. Statt einen Ersatz zu finden, wollte sie unsere Miete erhöhen“, sagt María.
Ein Sofa ist auch ein Bett
Anas möbliertes Studio war klein, aber fein. Etwas dunkel zwar, aber mit Küche, Bad und in zentraler Lage – eigentlich genau das, was sie brauchte. Nur ein Bett fehlte. Stattdessen stand eine völlig abgenutzte Couch in einer Ecke. „Ich sprach meine Vermieterin darauf an, und sie erwiderte nur: Auf dem Sofa kannst du ja auch schlafen“, sagt die 30-Jährige. Wenn sie etwas Besseres wolle, müsse sie es sich eben selbst besorgen.
Ana kaufte sich ein Bett, das Sofa kam aus dem 20-Quadratmeter-Studio heraus. Jeden Monat zahlte die Mallorquinerin ihre Miete pünktlich – und persönlich bei der Vermieterin zu Hause. Was sie ebenfalls zahlen sollte: die Müllgebühr, obwohl diese eigentlich in die Verantwortung des Vermieters fällt.
Als Ana schließlich aus dem Studio auszog, schaute die Vermieterin bei der Kaution auf jeden Cent. Das abgeranzte Sofa fehlte in der Wohnung, dafür gab es einen saftigen Abzug. Dass Ana stattdessen ein Bett und andere Möbel hinterlassen hatte, die das Studio aufwerteten, spielte keine Rolle.
Kaum war Ana ausgezogen, stellte die Vermieterin die Wohnung für mehrere Hundert Euro mehr online. Probleme, jemanden zu finden, der für knapp 20 Quadratmeter fast 1.000 Euro zahlen will, dürfte sie kaum gehabt haben. Vermutlich gingen innerhalb weniger Stunden Hunderte Anfragen ein. An Suchenden fehlte es ja nie.
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