Ein 28 Meter langes deutsches Ärgernis: Die Geschichte der vor Mallorca gestrandeten Luxusyacht "Acoa"
Das Schiff unter deutscher Flagge liegt seit Monaten zum Ärger der Anwohner und Behörden vor der Küste von Son Servera. Wann das Boot geborgen wird, ist weiterhin unklar

Die "Acoa" liegt seit Mitte Januar nördlich von Cala Bona auf Felsen auf. Sie war dort im Sturm gestrandet. / Biel Capó
Wer sich bei Google Maps in den Nordosten von Mallorca begibt und nahe heranzoomt, der erkennt ein Segelschiff, das eindeutig zu nah an der Küste unterwegs ist. Kein Wunder: Die Yacht fährt nicht, sondern liegt auf den Felsen. Bald vier Monate ist es nun her, dass die einst prächtige Segelyacht „Acoa“, die unter deutscher Flagge fährt, während des Sturmtiefs „Harry“ Mitte Januar Schiffbruch erlitt.
Seither wartet das Boot zwischen dem Restaurant S’Oratge und der Platja Sa Marjal südlich von Costa dels Pins auf Rettung. Klaus F., der deutsche Kapitän und Miteigner, wurde beim Versuch, in der stürmischen Nacht das Boot zu beherrschen, über Bord gespült und konnte sich nach eigener Aussage mit Mühe an Land retten. Die „Acoa“ wurde losgerissen von ihrem Ankerplatz und krachte auf die Felsen.
Spanische Behörden können nicht fassen, was hier vorgeht
Dass inzwischen so viel Zeit vergangen ist, kommt nach MZ-Informationen bei den Behörden auf der Insel gar nicht gut an. Ein hoher spanischer Beamter kann es „nicht fassen, welches Spektakel Deutsche hier aufführen“. Mehrere Stellen fordern Klaus F. und den anderen Eigentümer, Dieter F., nachdrücklich auf, das Boot endlich bergen zu lassen.
Eine Mitarbeiterin des Rathauses Son Servera gibt sich der MZ gegenüber zwar geduldig und sagt: „Wir stehen mit der Küstenbehörde und den Eigentümern in Kontakt und haben den Bereich um das Boot aus Sicherheitsgründen abgezäunt.“ Es seien aber die Eigentümer selbst, die sich um die Bergung der Yacht kümmern müssten.
Der Bürgermeister von Son Servera, Jaume Servera, äußerte sich bereits Anfang März unmissverständlich: „Wir werden wenn nötig vor Gericht dafür kämpfen, dass die Eigentümer das Boot entfernen. Aus der Gemeinde Son Servera wird kein einziger Euro für die Bergung fließen.“
Bergungsaktion soll bald beginnen
Die Sache mit den Eigentümern ist dabei augenscheinlich ein wenig komplexer. Klaus F. und Dieter F. sind offenbar die eingetragenen Eigner der „Acoa“, Geldgeber ist allerdings ein dritter Mann, der wiederum wohl nicht als Eigentümer eingetragen ist. Der in Nordrhein-Westfalen ansässige Dieter F. möchte sich auf MZ-Nachfrage nicht zu dem Fall äußern.
Eine Vertraute von Dieter F., die in Port d’Alcúdia sitzt und die Geschäfte auf der Insel managt, sagt der MZ, dass es bald Neuigkeiten gebe, dann wolle man mit der Presse sprechen. Ähnlich argumentiert auch Klaus F., der eine in Kürze beginnende Bergungsaktion in Aussicht stellt. Es müssten lediglich noch die Papiere unterschrieben werden, dann könne es losgehen. Er will zunächst auch nicht mit der Presse sprechen, erzählt dann aber doch einiges. Vor allem streitet er eine Verantwortung an der verfahrenen Situation ab.
Erste Bergung kam nicht zustande
Dass eine erste Bergungsaktion gescheitert ist, dafür macht Klaus F. die deutsche Bergungsfirma Sud-West-Divers von Andreas S. verantwortlich. Das Unternehmen hatte wenige Tage nach der Strandung einen Kostenvoranschlag für eine Bergung erstellt. Dieser belief sich auf rund 330.000 Euro – eine laut Andreas S. in Anbetracht der Dimensionen des Bootes und der für die Bergung benötigten Gerätschaften angebrachte Summe.
„Mit inbegriffen im Preis war da auch der Betrag für mehrere Monate Liegeplatz in Port d’Alcúdia, wo wir das Boot hinschleppen wollten sowie die Kosten für den Schlepper“, so Andreas S. gegenüber der MZ. Er habe für die Bergung einen Materialeinsatz von rund einer Million Euro und habe auch Material eigens für die Bergung der „Acoa“ einkaufen müssen.
Bedingungen für die Bergung haben sich geändert
Klaus F. dagegen wirft der Bergungsfirma dagegen Wucher vor, man könnte das Schiff deutlich weniger aufwendig bergen und wieder flottmachen, sagt er am Telefon und wirft mehreren Firmen auf der Insel vor, sich gegenseitig bei den Preisen abzusprechen. Er räumt aber selbst ein, dass man bei einer solchen Bergung durchaus mit mehreren Hunderttausend Euro rechnen müsse. Inwiefern Geld ein Problem ist, lässt sich nicht nachprüfen. In früheren Veröffentlichungen behauptete Klaus F. selbst, er sei „praktisch pleite“.
Bergungsunternehmer Andreas S. berichtet, die finanziellen Angelegenheiten habe er mit dem „Geldgeber“ abgeklärt. Dieser habe vier Wochen nach dem Kostenvoranschlag die Rechnung bezahlt, allerdings hätten sich da bereits die Bedingungen geändert gehabt. „Die Winterstürme haben dem zuvor relativ heilen Boot schwer zugesetzt und viele Schäden verursacht, unter anderem Löcher am Rumpf.“
Reparaturkosten noch einmal deutlich höher als Bergungskosten
Dadurch wäre es deutlich komplizierter geworden, das Boot überhaupt in den Hafen von Port d’Alcúdia zu befördern. Ganz davon abgesehen, dass es dort gar nicht repariert werden könnte, da die Werft gar nicht auf so ein großes Boot ausgelegt sei. Hinzu kommen aus der Sicht von Andreas S. horrende Reparaturkosten. „Das Boot stand zeitweise unter Wasser, die Elektronik ist kaputt und vieles mehr.“ Die Reparaturkosten könnten gut und gerne die Kosten der Bergung ums Doppelte übertreffen.
Dass die Bergung noch immer nicht über die Bühne sei, liege neben all den logistischen Schwierigkeiten auch daran, dass den Bergungsvertrag nur einer der Eigner unterschrieben habe, sagt Andreas S. Wochenlang sei es hin- und hergegangen, bis sein Unternehmen schließlich im April von dem Auftrag zurückgetreten sei. Lediglich das Öl habe seine Firma abgepumpt. Zudem seien ein paar Vorarbeiten für die Bergung erfolgt. Einen Teilbetrag des beglichenen Kostenvoranschlags habe er deshalb einbehalten müssen, sagt Andreas S.
Wie geht es weiter?
Wie es nun also weitergeht, werden die kommenden Wochen zeigen. Welche Wendungen die Geschichte dabei nehmen könnte, scheint heute noch nicht vorhersehbar. Eigner Klaus F. ist immer wieder für Überraschungen gut. Zwischenzeitlich hatte er versucht, seinen Anteil des Bootes für den symbolischen Preis von einem Euro loszuwerden. Der Käufer hätte dann die Bergung zahlen sollen.
Dann wollte er die Bergung als Event inszenieren und „Spenden“ von 20.000 Euro verlangen, um die Arbeiten aus nächster Nähe mitzuerleben. Das letzte Kapitel ist mit Sicherheit noch nicht geschrieben.
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