So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut:„Vom Nägelmachen und Wimpernkleben zur Unternehmerin“
MZ-Unternehmer-Serie „So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut“: Silke Martin kam vor 26 Jahren ohne Spanisch oder Englisch auf die Insel

Seit 15 Jahren aktiv: Silke Martin mit dem Choice Training Club. / phoenixmedia Mallorca
In der neuen MZ-Serie „So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut“ stellen wir sieben Fragen an Unternehmer, die schon lange auf der Insel sind. Zweiter Teil mit Silke Martin.
Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin Silke Martin, 47 Jahre alt, komme vom Bodensee und lebe jetzt schon seit 26 Jahren auf Mallorca. Ich habe zwei Kinder und bin glücklich verheiratet. Gelernt habe ich den Beruf der Zahnarzthelferin, aber mittlerweile leite ich seit 15 Jahren mit meinem Mann Rob den Choice Training Club. Wir waren das erste offizielle Crossfit-Gym auf Mallorca, haben aber später ein Rebranding gemacht und bieten jetzt Krafttraining und Hyrox für eine internationale Sportlergemeinschaft an.
Wie sind Sie auf Mallorca gelandet?
Im Jahr 2000 habe ich eine siebenjährige, gewalttätige Beziehung beendet und mit meinen Freundinnen festgestellt, dass ich noch nie im Urlaub war. Also kamen wir für ein Wochenende hierher. Da habe ich mich direkt wieder verliebt und bin kurz danach hierher ausgewandert, weil ich gemerkt habe, Fernbeziehung funktioniert nicht. Also habe ich nach drei Monaten meine Sachen in Deutschland gepackt und bin mit meinem alten Opel Corsa alleine nach Mallorca gefahren, um hier mit meinem damaligen Partner, einem holländischen Barkeeper, zusammenzuleben. Ich habe als Kellnerin angefangen und dann einen Kurs für Maniküre, Pediküre und Wimpern gemacht und ein paar Jahre im Spa des Country Club in Santa Ponça gearbeitet. Dort habe ich vor 16 Jahren dann auch meinen späteren Ehemann Rob kennengelernt, der im Sportbereich gearbeitet hat. Bei einem Golfturnier in Las Vegas lernte er Crossfit kennen und war begeistert.
Was ist ganz anders gelaufen als geplant?
Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich irgendwann mal Fitnesstrainerin werde. Vom Nägelmachen und Wimpernkleben zur Unternehmerin. Das war so überhaupt nicht geplant.
Welche war die größte Herausforderung, die Sie hier gemeistert haben?
Das war am Anfang wirklich bei null anzufangen: eine neue Umgebung, neue Sprache, keine gewohnten Strukturen. Das war nicht immer leicht, aber genau das hat mich jetzt auch besonders gemacht, denn ich bin dadurch sehr gewachsen. Damals, als wir die Firma eröffnet haben, gab es wirklich nur mich, meinen Mann und unsere drei Monate alte Tochter. Ein Business zu gründen, war sehr schwierig, weil wir eben niemanden hatten: keine Familie und auch nicht wirklich Freunde. Mein Mann ist Engländer, und anfangs konnte ich kein Englisch. Also habe ich ihn immer gebeten, mir Nachrichten zu schreiben, damit ich die übersetzen konnte. Mittlerweile ist Englisch unsere Familiensprache, aber mit meinen Kindern spreche ich Deutsch.
Fehler, die Sie nicht wiederholen?
Ich würde viel mehr hinterfragen, vor allem bei den Ämtern hier. Anfangs habe ich immer blind vertraut, zu allem gleich Ja gesagt und alles sofort bezahlt. Das würde ich jetzt nicht mehr so machen. Außerdem würde ich mir schneller ein Apartment kaufen, wenn ich die Zeit noch mal zurückdrehen könnte. Mittlerweile ist es so teuer, dass ich es mir nicht mehr leisten kann. Aber damals, als ich hierherkam, wäre das noch möglich gewesen. Ich habe mir darüber seinerzeit leider keine Gedanken gemacht, und das war ein Fehler.
Wie sieht Ihre Zukunft auf Mallorca aus?
Ich stelle mir unsere Zukunft hier so vor, dass wir weiter unser Leben aufbauen. Wenn die Kinder größer sind und studieren gehen oder sogar die Insel verlassen, ist unser Ziel, dass wir dann in den Wintermonaten woanders hingehen, wo es wärmer ist, und im Frühling wieder zurückkommen. Ich will nicht auf hohem Niveau jammern, aber es ist schon sehr kalt im Winter hier. In Deutschland macht man einfach die Heizung an, aber hier muss man sich eine hineinstellen. Wir haben uns eine Infrarotheizung angeschafft. Andere Leute benutzen so eine Gasheizung in der Wohnung, was echt gefährlich ist.
Was würden Sie anderen raten, die den Umzug nach Mallorca erwägen?
Gut finanziell vorbereiten, nicht alles hier romantisieren und nicht aufgeben – gerade am Anfang, wenn es holprig ist. Denn wenn man dranbleibt und offen ist, lohnt es sich total. Gut wäre es auch, Spanisch zu können oder zu lernen. Die Spanier scheinen mir nicht mehr so freundlich, wie sie früher mal waren, wenn man die Sprache nicht spricht. Und auch auf den Ämtern kommt man so besser zurecht. Leute kommen und gehen leider viel zu schnell auf der Insel.
Informationen
Choice Training Club
Carrer Mar Mediterrania, 25, Santa Ponça
Training ab 25 Euro (Daypass)
IG: choice.training.club und silkemartin1
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