Nervosität, Freude und eine Überraschung: So war die Verleihung der MZ-Preise 2026
Am Donnerstag (21.5.) hat die Mallorca Zeitung die diesjährigen Preisträger geehrt – und im Anschluss den Abend bei vorzüglichen Weinen ausklingen lassen

Javier Fernández
"Aufeinander zugehen. Miteinander im Gespräch bleiben. Voneinander lernen. Darauf kommt es an. Dafür steht diese Zeitung. Und dafür steht dieser Preis" – so die Worte von MZ-Chefredakteur Ciro Krauthausen. Bereits zum sechsten Mal hat die Mallorca Zeitung Menschen geehrt, die zwischen Mallorca und der deutschsprachigen Gemeinschaft Brücken bauen – und die mit ihrem Engagement, ihren Ideen oder ihrer Arbeit viel für diese Insel bewegen. Am Donnerstag (21.5.) haben die diesjährigen Preisträger auf dem MZ-Verlagsgelände die undotierte Auszeichnung im Rahmen eines feierlichen Aktes entgegen genommen.
Die Preise – Glasskulpturen in Form einer Welle, die auf Sandstein bricht – stammten erneut von der auf Mallorca ansässigen kanadischen Künstlerin Connie Mildner. Darüber freuen durften sich in diesem Jahr die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde auf den Balearen und die von ihr angebotenen Besuchsdienste, inklusive der Aktion Herztat, die Galeristin Jule Kewenig sowie die Hotelgruppe Universal Beach Hotels.
Prägnante Begrüßungsrede
Rund 150 Gäste ließen sich von den Klängen des Berliner Saxophonisten Roger Machon und des ungarischen Kontrabassisten Steve Bergendy in den Veranstaltungssaal des Clubs Mallorca Zeitung locken. Die Musiker – ein lebendes Beispiel für die Begegnung von Kulturen auf der Insel – untermalten dort mit ihren Einlagen den offiziellen Teil des Abends. Unsere charismatische Moderatorin Lexa Wilms führte – je nach Bedarf auf Katalanisch, Spanisch und Deutsch – durch die Preisverleihung.
"Mallorca ist ein Magnet, dem man sich kaum entziehen kann", sagte Ciro Krauthausen bei seiner prägnanten Begrüßungsrede. Und appellierte daran, dass man als Wahlmallorquiner die Insel nicht einfach für sich beanspruchen dürfe: "Man wird Mallorca nur gerecht, wenn man sich auf die Insel einlässt, sie respektiert und sich einbringt", betonte der Chefredakteur.
Preis für "eine Gemeinschaft von Menschen mit Herz"
"Wo Mallorca im schon fast paradiesischen Licht glänzt, sieht die deutschsprachige evangelische Gemeinde auch die Schatten: Armut, Einsamkeit, Krankheit, Haft. Das Pfarrer-Ehepaar Martje Mechels und Holmfried Braun geht gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen dorthin, wo Menschen sonst leicht vergessen werden", sagte Lexa Wilms. Die Mallorca Zeitung würdige mit ihrem Preis für soziales Engagement alle, die in dieser Gemeinde Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern leben.
Der Gemeindevorsitzende Jan Marks nahm die Auszeichnung entgegen. Den Preis überreichte Rita Alcover von der Kanzlei Löber, Steinmetz & García, die das Event unterstützte. Zu der großen Gruppe, die sich auf der Bühne einfand, gehörte auch Birgit Schrowange, Schirmherrin der Aktion Herztat.
Sie fand auch besondere Erwähnung in der Dankesrede, die Jan Marks hielt. Der Vorsitzende der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde auf den Balearen zitierte Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim mit dem Satz „Tue Gutes und rede darüber." Schrowange habe genau in diesem Sinne dabei geholfen, mit ihrer Glaubwürdigkeit das Vertrauen eines breiten Publikums für die Aktion Herztat zu gewinnen. Vor allem dankte Marks aber den Menschen, die die Arbeit im Krankenhaus-Besuchsdienst, im Gefangenen-Besuchsdienst und in der Aktion Herztat überhaupt erst möglich machen: den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dem Pfarrer-Ehepaar und Herztat-Initiator Roland Werner. Worte des Danks fand er auch für das Redaktionsteam der Mallorca Zeitung sowie für Insel-Politiker, die "pragmatische und unbürokratische Unterstützung" leisten. "Diese Auszeichnung gehört deshalb nicht uns allein — sie gehört einer Gemeinschaft von Menschen mit Herz", schloss Marks.
Viele Emotionen bei Jule Kewenig
Im Anschluss hielt Ciro Krauthausen die Laudatio für die Preisträgerin in der Kategorie kulturelles Engagement: "Jule Kewenig hat Mallorca nicht einfach eine weitere Galerie gebracht, sondern der Kunstszene der Insel ein neues Fenster zur Welt geöffnet", sagte er und verwies darauf, wie sich die Galeristin mit einem mallorquinischen Team und Star-Künstlern wie Lüpertz, Penck, Kounellis, Boltanski oder Merz in die hiesige Kunstwelt einfügte. "Jule Kewenig steht für Leidenschaft, Urteilskraft und persönliche Nähe zu Künstlerinnen und Künstlern. Sie förderte große Namen, entdeckte neue Talente und blieb doch stets bescheiden, eigensinnig und frei", so Krauthausen.
Es folgte einer der emotionalsten Momente des Abends, denn Jule Kewenig wurde bei der Preisübergabe von ihrer Nervosität überwältigt, erntete aber dennoch tosenden Applaus. Zur Seite sprang der Galeristin ihr jüngster Sohn Justus, der daran erinnerte, wie sich seine Mutter vor mehr als 20 Jahren in die Insel verliebte und in Palma ihre Heimat fand. Ciro Krauthausen ließ es sich nicht nehmen, noch eine Anekdote zu teilen: Es habe jede Menge Überzeugungsarbeit, zahlreiche Anrufe und Nachrichten gekostet, um Jule Kewenig – die gewöhnlich das Rampenlicht und jedes Aufheben um ihre Person scheut – zum MZ-Preis zu überreden. "Am Ende schickte sie eine WhatsApp: Verdammt, ich nehme den Preis an!", erzählte der Chefredakteur, was mit Erheiterung im Publikum quittiert wurde.
Preis für unternehmerische Leistungen – und ein amüsanter Archivfund
Bei seiner Ankündigung der dritten Preisträger, Universal Beach Hotels, betonte Krauthausen: "Aus den verrückt-brillianten Ideen und dem Abenteuergeist des Gründers ist eine etablierte Hotelgruppe geworden, die von ihrer Verlässlichkeit, ihren Schweizer Wurzeln und einer tiefen Verbundenheit mit der Insel geprägt ist." Philippe Erhart, der Sohn des Gründers, übernahm die Dankesrede mit äußerst originellem Einstieg: Er las einige Mallorca-Passagen aus dem katholischen Familienwochenblatt "Der Sonntag" vor – einer Ausgabe von 1926. Vor genau hundert Jahren wurde die Insel noch als "unbekanntes Paradies" betitelt. Das Schlusswort lautete, ob Mallorca jemals ein Reiseziel größeren Stils und damit dem Fremdenverkehr erschlossen werden wird. Dies müsse, "solange das Dampfschiff nicht gänzlich vom Flugzeug verdrängt ist", bezweifelt werden.
Die Preise der Mallorca Zeitung 2026: So haben wir miteinander angestoßen / Nele Bendgens / Javier Fernández
Erhart ließ dem amüsanten Archivfund eine Analyse der tatsächlichen Entwicklung der Insel folgen, und erklärte: "Damit Mallorca ein Paradies bleibt und die Erfolgsgeschichte weitergeht, legen wir heute unser Augenmerk auf stetige Verbesserung der Qualität". Innovative Dienstleistungen, aber vor allem auch Nachhaltigkeit stünden im Fokus. "Dass unser Unternehmen heute für herausragende unternehmerische Leistungen ausgezeichnet wird, erfüllt uns mit Stolz. Und wir bedanken uns dafür ganz herzlich", so Erhart. Sein Sohn Yannik hielt dieselbe Rede noch einmal in spanischer Sprache.
Rede des Regierungssprechers Antoni Costa
Im Anschluss hatte Regierungssprecher Antoni Costa das Wort, der sich entschuldigte, im Gegensatz zur balearischen Ministerpräsidentin Marga Prohens seine Rede nicht auf Deutsch halten zu können. Er gratulierte allen diesjährigen Preisträgern herzlich, dankte der Mallorca Zeitung für ihre fundierte journalistische Arbeit und fand einige Worte zur Tourismusbranche. "Diese Regierung ist stolz darauf, eine touristisch geprägte Gemeinschaft zu sein. Die Balearen haben bewiesen, dass wir die Dinge gut machen – sehr gut sogar. Wir sind weltweit führend im Tourismus, und viele Reiseziele haben uns als Vorbild genommen", sagte Costa. Weiteres Wachstum allein über steigende Besucherzahlen sei aber nicht mehr der richtige Weg: "Jetzt ist die Zeit gekommen, Wachstum über Qualität und Wertschöpfung zu definieren. Dafür müssen wir gemeinsam arbeiten."
Wer sich bis zu diesem Moment fragte, wieso eigentlich nicht drei, sondern vier MZ-Preise prominent im Hintergrund der Bühne platziert waren, erhielt nun die Auflösung: "Wir haben noch eine Überraschungs-Welle", verkündete Krauthausen. "Sie geht an Deutschlands freundlichstes Gesicht auf der Insel, dessen fünfjährige Amtszeit dieses Jahr zu Ende geht: Wolfgang Engstler, der deutsche Konsul." Eine gelungene Überraschung: Der sichtlich errötende Engstler nahm seinen Sonderpreis freudestrahlend und unter großem Applaus von MZ-Geschäftsführer Sebastián Oliver entgegen. Nach einem Gruppenfoto mit allen Preisträgern ging der festliche Akt zu Ende.
Preisträger, Gäste, Partner und das Team der MZ strömten dann in den Garten des Verlagsgeländes, um den ungezwungeneren Teil des Abends einzuläuten. Bei kleinen Köstlichkeiten von Sa Maduixeta und Weinen und Getränken und Weinen und Getränken von Son Vich, Mar i Niguls und Highland Gold fanden sich alle zum unterhaltsamen Beisammensein ein und ließen die Feier bei fast sommerlichen Temperturen ausklingen.
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