„So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut“: Yachtkapitän René Friedrichs über seinen Neustart
MZ-Unternehmer-Serie: „So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut“: René Friedrichs erlernte einen neuen Beruf auf der Insel und arbeitet seit 25 Jahren in der Yachtbranche

Skipper René Friedrichs ist durch Zufall in der Yachtbranche gelandet. / Privat
In der MZ-Serie „So habe ich mir mein Mallorca aufgebaut“ stellen wir sieben Fragen an Unternehmer, die schon lange auf der Insel sind. Dritter Teil mit René Friedrichs.
Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Mein Name ist René Friedrichs, 60 Jahre alt, gebürtig aus Norddeutschland, aus der Gegend zwischen Bremen und Bremerhaven. Ich bin gelernter Kfz-Schlosser, Elektriker und Marketingkaufmann und seit 25 Jahren Kapitän auf Privatyachten auf Mallorca. Meine einzige Tochter ist mittlerweile 33 Jahre alt und arbeitet in derselben Branche wie ich, jedoch auf größeren Yachten.
Wie hat es Sie auf die Insel verschlagen?
Ich wollte schon immer auswandern. Letztendlich ist es Mallorca geworden, weil hier vor 27 Jahren bereits eine gewisse deutsche Infrastruktur bestand. Es gab schon mehrere deutsche Zeitungen, Rechtsanwälte, Steuerberater und gestorías. Da ich zunächst noch kein Wort Spanisch sprach, war es somit leichter, auf Mallorca zu starten. Damals gab es ja noch kein Facebook, Youtube oder Google und kaum Informationen im Internet.
Was ist ganz anders gelaufen als geplant?
Ich wollte hier ein Beschriftungsstudio eröffnen, weil ich damit bereits in Deutschland selbstständig war. Aber keiner wollte Auto-Beschriftungen, Feuerzeuge, Visitenkarten oder Ähnliches haben. Die Einzelunternehmer wollten nicht zeigen, wo sie arbeiteten. Die Mundpropaganda reiche aus, Visitenkarten seien unnötig, die Nummer auf einen Zettel mit Kugelschreiber zu schreiben, reiche aus, lautete die häufige Begründung. So habe ich notgedrungen angefangen, als Bootsmann anzuheuern und habe mich daran gemacht, in dieser Branche Fuß zu fassen.
Welche war Ihre größte Herausforderung ?
1999 musste man eine Krankenversicherung nachweisen und 6.000 DM auf ein spanisches Konto einzahlen, erst dann bekam man eine NIE-Nummer. Aber um ein Bankkonto zu eröffnen, brauchte man die NIE-Nummer und einen Mietvertrag mit einer Stromrechnung auf den eigenen Namen, das war gar nicht so einfach.
Welchen Fehler würden Sie nicht noch einmal machen?
Ich war anfangs zu gutgläubig und habe nichts hinterfragt. Es war eine andere Zeit, es gab keine Informationen. Somit war ich auf die „Berater“ angewiesen. Und ich hätte mich früher um Eigentum kümmern müssen.
Wie stellen Sie sich Ihre persönliche Zukunft auf Mallorca vor?
Ich lebe privat als Hobbyfarmer mitten auf der Insel, habe Hühner und baue Kartoffeln an. Das ist ein schönes Kontrastprogramm: tagsüber von Luxus umgeben und abends autark "back to the basics". Ich richte mich in Zukunft auf ein bescheidenes, aber glückliches Leben ein.
Was würden Sie anderen raten, die einen Umzug nach Mallorca erwägen?
Auf jeden Fall so schnell es geht, Spanisch zu lernen. Mindestens ein Jahresgehalt als Sicherheit aufbauen und offen für Neues sein. Mit viel Durchhaltevermögen klappt es dann auch.
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