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Aussteiger-Traum auf Mallorca: Sie kannten sich kaum – jetzt führen sie gemeinsam eine Herberge auf 822 Metern

Nur zu Fuß erreichbar, abgeschieden und arbeitsintensiv: Die Herberge am Castell d’Alaró ist kein gewöhnlicher Arbeitsplatz. Drei Frauen übernehmen nun spontan gemeinsam die Pacht und wollen den symbolträchtigen Ort behutsam weiterführen

Linda Bottinelli, Maria Melis und Anna Valls sind die neuen Herbergsmütter am Castell d'Alaró

Linda Bottinelli, Maria Melis und Anna Valls sind die neuen Herbergsmütter am Castell d'Alaró / Ses 3 des refugi / Instagram

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Sophie Mono

Sophie Mono

Wenn Linda Bottinelli am Freitag (29.5.) den knapp einstündigen Fußmarsch zum Castell d'Alaró antritt, wird es sich für sie besonders anfühlen. Wie der Beginn von etwas Neuem. Für die kommenden sieben Jahre wird die 42-Jährige eine der drei neuen Hüttenwirtinnen der abgeschiedenen Wanderherberge sein, die nur zu Fuß zu erreichen ist. Arbeiten und leben auf 822 Metern Höhe - und das zusammen mit zwei Frauen, die sie erst vor einigen Wochen kennengelernt hat. Ein Abenteuer.

"Keine Arbeit wie jede andere"

Auch Maria Melis (54) und Anna Valls (40) kannten sich vorher nicht. "Aber es hat sofort funktioniert zwischen uns. Es passt einfach", versichert Linda Bottinelli. Alle drei hatten sich im März separat um die öffentlich ausgeschriebene Pachtlizenz beworben - kurzfristig und spontan, aber mit viel Enthusiasmus. Viele andere Bewerber habe es nicht gegeben - "es ist eben keine Arbeit wie jede andere", so Bottinelli, die schon länger mit der Idee geliebäugelt hatte, einmal einen Campingplatz oder eine Unterkunft in der Natur zu betreiben. "Dass ich dafür die Insel jetzt gar nicht verlassen muss, ist toll."

Im Rathaus von Alaró hätten die Verantwortlichen sie mit einer anderen Bewerberin - Maria Melis - bekanntgemacht. Und Anna Valls, eine katalanisch-mallorquinische Umweltpädagogin, die ebenfalls Interesse an der Lizenz hatte, habe sie über einen gemeinsamen Freund und über Natxo kennengelernt, so Bottinelli. Natxo Bou - der scheidende Hüttenwirt, der dem symbolträchtigen Ort nach 14 Jahren aufopferungsvoller Arbeit im April schweren Herzens den Rücken zuwandte. Um noch einmal etwas anderes zu sehen, wie der 60-Jährige der MZ im Interview verriet.

Abgeschieden und mit Traumkulisse: Der Ausblick vom Castell d'Alaró

Abgeschieden und mit Traumkulisse: Der Ausblick vom Castell d'Alaró / Ses 3 des refugi / instagram

Sportlich und kräftig

Dass die drei neuen Herbergsmütter sich erst seit Kurzem kennen, merkt man kaum. "Ses 3 del refugi" nennen sie sich - die Drei von der Wanderhütte. Auf Instagram sind sie Arm in Arm vor der Herberge zu sehen, abenteuerlustig und motiviert blicken sie in die Kamera. "Ich vertraue den beiden jetzt schon blind", so Bottinelli.

Dass dort oben neben der Idylle auch viel Arbeit auf sie warte - auch körperlich - sei ihr klar. "Gerade deshalb ist es so gut, dass wir nun zu dritt sind", findet die Italienerin, die seit zwölf Jahren auf Mallorca wohnt und langjährige Erfahrung im Gastgewerbe hat. Maria Melis, die Mallorquinerin unter den dreien und gelernte Naturheilkundlerin, sei die Stärkste. Sportlich und kräftig - Eigenschaften, die nicht unwichtig sein dürften: Die Betreiberinnen müssen nicht nur mehrmals in der Woche den Auf- und Abstieg mit Eseln bewältigen, um Materialien und Lebensmittel auf den Berg zu bringen. "Wir sind auch für jegliche Instandhaltungs- und Reparaturaufgaben zuständig", weiß Linda Bottinelli.

Gemeinsam mit ihren neuen Partnerinnen hat sie an einigen Tagen im Mai bereits in der Herberge mitgeholfen, um den Betrieb nach Natxo Bous Abschied zumindest an den Wochenenenden aufrechtzuerhalten - und um alles grundzureinigen. Offiziell startet der Vertrag der drei Frauen am 1. Juni. "Dann werden wir wieder täglich und das ganze Jahr über geöffnet haben."

Nicht dauerhaft am Berg

Anders als bisher Natxo Bou wird aber keine der drei dauerhaft abgeschieden von der Zivilisation wohnen. "Wir werden uns abwechseln, vermutlich immer fünf Tage am Stück oben sein und dann zwei Tage in unseren Wohnungen leben", so Bottinelli. Aussteiger-Dasein light also. An der Essenz des symbolträchtigen Orts wollen die drei dabei nichts ändern. "Es bleibt eine Wanderherberge und kein Hotel", betont die 42-Jährige. Die Verbundenheit zur Natur solle sogar noch stärker betont werden. Vielleicht durch entsprechende Bildungsangebote, Räume für Retreats, eine effizientere Nutzung des Regenwassers,... "An Ideen mangelt es uns nicht. Aber jetzt wollen wir erst einmal starten", sagt Linda Bottinelli. Ihr ganz eigenes Abenteuer, dort oben am Puig d'Alaró.

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