Dieses Mallorca-Dorf am Hang ist für viele seit 50 Jahren ein zweites Zuhause
Die Aldea Cala Fornells III bei Peguera wird 50. Vor einem halben Jahrhundert entstand an der Steilküste ein ungewöhnliches Terrassendorf – bis heute geprägt vom Stil des Architekten Pedro Otzoup und einer Eigentümergemeinschaft, die sich eher als Nachbarschaft denn als Ferienanlage versteht

Cala Fornells Aldea III in Peguera, vom Meer aus gesehen. / Archiv Aldea III
Wer von der Küste aus auf Cala Fornells blickt, erkennt die Aldea Cala Fornells III sofort. Die Häuser scheinen sich in Terrassen an den Hang zu schmiegen, weiß, ocker und terrakottafarben, mit Rundbögen, Balustraden, verwinkelten Treppen, üppiger Bougainvillea und immer wieder diesem Blick auf das Meer. Es ist keine Anlage, wie man sie heute bauen würde: zu individuell, zu verspielt, zu wenig normiert. Genau das macht ihren Reiz aus.
Nun hat die Siedlung, die vielen deutschsprachigen Mallorca-Freunden seit Jahrzehnten ein zweites Zuhause ist, ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Die eigens erstellte Festschrift erzählt nicht nur die Geschichte eines Bauprojekts, sondern auch die eines Lebensgefühls. Immer wieder taucht darin ein Wort auf: Gemeinschaft.
Pedro Otzoups Idee vom Wohnen mit Gefühl
Entstanden ist die Aldea Cala Fornells III Mitte der 1970er Jahre als Projekt des Künstlers und Architekten Pedro Otzoup. Der gebürtige Russe prägte an mehreren Stellen im Südwesten Mallorcas einen Baustil, der bis heute unverwechselbar ist. In Cala Fornells schuf er kein klassisches Apartmenthaus, sondern ein Dorf am Hang. Jede Wohnung sollte ihren eigenen Charakter haben, jede Terrasse ihren eigenen Blick. „Ich mache ein Feeling“, wird Otzoup in der Festschrift zitiert. An erster Stelle stehe für ihn, dass Menschen sich in seinen Häusern wohlfühlten.

Der Künstler und Architekt Pedro Otzoup auf der Baustelle von Cala Fornells Aldea III. / Archiv: Aldea III
Dass aus dieser Idee tatsächlich ein funktionierendes Dorf wurde, war anfangs keineswegs sicher. Wer vor 50 Jahren in eine Ferienwohnung auf Mallorca investierte, brauchte Mut, wie schon Wanderautor und Dorfbewohner Herbert Heinrich zum 35-jährigen Bestehen schrieb.
Spanien stand noch am Ende der Franco-Zeit, politische und wirtschaftliche Unsicherheiten waren groß. Hinzu kamen Schwierigkeiten während der Bauphase. In der Festschrift ist nachzulesen, dass den Bauherren zeitweise das Geld ausging und die Käufer nachschießen mussten. Manche Erinnerungen klingen heute fast abenteuerlich: Familien reisten mit Möbeln, Lampen und Küchenutensilien im VW-Bus an, nur um festzustellen, dass in ihrer Wohnung noch Handwerker arbeiteten, Fenster und Türen fehlten und die Reservierung im Hotel nicht auffindbar war.
Gemeinschaft statt anonyme Ferienanlage
Aus solchen Episoden speist sich der Mythos der Aldea. Die ersten Eigentümer mussten improvisieren, Geduld haben und zusammenhalten. Gerade diese Anfangsjahre legten offenbar den Grundstein für das, was die Anlage bis heute auszeichnet: Sie ist keine anonyme Ferienimmobilie, sondern eine selbstverwaltete Gemeinschaft. Schon 1976 fanden Gründungsversammlungen für den oberen und unteren Teil statt. Eine gemeinsame Wirtschaftseinheit wurde beschlossen, Wohnungen wurden neu vermessen, ein Hausmeisterehepaar eingestellt. 1977 gründete sich eine Wassergemeinschaft, 1978 wurden die jährlichen Aldea-Feste eingeführt.

Bei den Bauarbeiten der Wohnanlage Cala Fornells Aldea III / Archiv Aldea III
Auch die Chronik zeigt, wie sehr sich die Gemeinschaft immer wieder selbst organisierte: Verwaltungsbüro, Wasserleitungen, Schwimmbäder, Beleuchtung, digitale Umstellung, Poolheizung, Hausmeisterwohnung – vieles wurde über Jahrzehnte gemeinsam getragen, diskutiert, finanziert und erneuert. Namen wie Marianne Trost, Richard Wittner oder Heribert Becker stehen in der Festschrift stellvertretend für Menschen, die Verantwortung übernahmen. Becker etwa begleitete die bauliche Entwicklung der Anlage mehr als 25 Jahre mit technischem Sachverstand.
Kinderjahre zwischen Pool, Wald und Meer
Die Festschrift lebt aber vor allem von persönlichen Erinnerungen. Eine Eigentümerin schildert, wie sie als 17-Jährige zum ersten Mal mit ihrer Mutter nach Cala Fornells kam. Damals führte die Küstenstraße von Camp de Mar nach Port d’Andratx noch durch eine spektakulär unbebaute Landschaft, Peguera war deutlich kleiner, die Bar Hawaii ein Treffpunkt von Taxifahrern, Einheimischen und Touristen. Sonnencreme hatte Lichtschutzfaktor 2, wer wollte, nahm gleich Olivenöl. In den Straßen begegneten einem Eselskarren, und die Hunde der Umgebung trafen sich zum Baden in der Felsenbucht.
Für viele Kinder der ersten Eigentümer war die Aldea ein Ort der Freiheit. Sie stromerten durch den Wald, suchten Skorpione unter Steinen, verbrachten Tage am Pool, bauten Türme aus gelben Liegen und lieferten sich Wasserschlachten. Ein schmiedeeisernes Tor am Schwimmbad, so erinnert sich eine Bewohnerin, sei für sie lange kein Hindernis gewesen: Sie kroch einfach darunter hindurch. Die Anlage vermittelte Sicherheit, ohne eng zu wirken. Die Erwachsenen hatten ein Auge auf die Kinder, doch niemand fühlte sich überwacht.

Am Pool der Wohnungsanlage Cala Fornells Aldea III. / Archiv Aldea III
Warum viele Familien in zweiter Generation zurückkehren
Heute kehrt die nächste Generation mit eigenen Kindern zurück. In einem Interview der Festschrift beschreiben Daniela Herwig und Ilka Gieschen die Aldea als „zweites Zuhause“ und „Place to be“. Es sei nicht einfach eine Ferienimmobilie, sondern ein Ort, an dem Freundschaften über Familiengrenzen und Generationen hinweg gewachsen seien. Viele der heutigen Eigentümer kennen sich seit Kindertagen. Andere sind neu hinzugekommen und berichten, wie schnell aus Urlaub Verbundenheit wurde.
Eine dieser jüngeren Geschichten beginnt 1998 mit einem ersten Familienurlaub. Jahre später konnte Janine Fischer gemeinsam mit ihrem Mann eine Wohnung in der Aldea erwerben. Der Verkauf sei geprägt gewesen von Vertrauen und Herzlichkeit, schreibt sie. Heute sei die Terrasse mit ihrer Aussicht ein Ort der Ruhe und Dankbarkeit. Auch das ist typisch für die Texte der Festschrift: Immer wieder geht es um den Moment des Ankommens, um den ersten Blick über die Bucht, um das Gefühl, dass „alles von einem abfällt“.

An der Einfahrt zur Wohnanlage Cala Fornells Aldea III. / Archiv Aldea III
Neben dem Meerblick prägt die Vegetation das Bild der Anlage. Palmen, Kakteen, Bougainvillea, Strelitzien und üppige Blüten rahmen die Wege und Terrassen. Ein eigener Abschnitt der Festschrift ist der Pflanzenwelt und dem „grünen Daumen“ des langjährigen gewidmet. Schon Manolo Moreno Castillo, der erste Gärtner, hinterließ seine Handschrift. Später prägte Juan Antonio Fernández „Rubio“ über viele Jahre das Erscheinungsbild, inzwischen mit Juan an seiner Seite. Die Gärten sind mehr als Dekoration; sie verbinden die Architektur mit der Landschaft.
Gewachsen, nicht perfekt geglättet
Dass die Aldea auch nach 50 Jahren noch ihren Charakter bewahrt hat, ist kein Zufall. Die Präsidenten Carl Rosenast und Wolfgang Dietz betonen in ihrem Jubiläumswort, wie wichtig Respekt, Nachbarschaft und der Erhalt der architektonischen Eigenart seien. Bauliche Veränderungen müssten im Einklang mit dem Gesamtbild bleiben. Gerade in einer Zeit, in der auf Mallorca vielerorts alte Strukturen verschwinden und austauschbare Luxusarchitektur entsteht, wirkt die Aldea Cala Fornells III fast wie ein Gegenentwurf: individuell, gewachsen, nicht perfekt geglättet.

Hin und wieder schneit es auf Mallorca auch an der Küste: Schnee in Cala Fornells Aldea III in Peguera. / Archiv Aldea III
Natürlich hat sich auch hier vieles verändert. Der direkte Meerzugang existiert nicht mehr, die Infrastruktur wurde modernisiert, Eigentümerversammlungen fielen während Corona aus, Photovoltaik erwies sich aus baulichen Gründen als nicht machbar. Und doch ist der Kern geblieben. Die Aldea ist ein Ort, an dem man nicht nur besitzt, sondern dazugehört.
Vielleicht erklärt das, warum in der Festschrift kaum von Wertsteigerung, Rendite oder Lagevorteil die Rede ist, obwohl all das bei einer Immobilie mit Meerblick im Südwesten Mallorcas naheliegen würde. Stattdessen geht es um Geburtstage, Poolfeste, Wanderungen, Reparaturen, alte Fotos, helfende Nachbarn, Verwalterinnen, Hausmeister, Gärtner und Generationenwechsel. Um ein Dorf also, das nie ein gewachsenes mallorquinisches Dorf war, aber über die Jahrzehnte eine eigene Dorfgemeinschaft entwickelt hat.

Bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen von Cala Fornells Aldea III. / Rudi Rausch
Den Geist der Anfangsjahre bewahren
Zum 50. Geburtstag blickt die Aldea Cala Fornells III deshalb nicht nur zurück. Sie stellt sich auch die Frage, wie der Geist der Anfangsjahre bewahrt werden kann, wenn neue Eigentümer hinzukommen und die Pioniere der ersten Stunde weniger werden. Die Antwort der Festschrift fällt klar aus: durch Mitverantwortung, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, sich einzubringen.
So bleibt das Jubiläum mehr als Nostalgie. Es erzählt von einem architektonischen Experiment, das funktioniert hat, weil Menschen es mit Leben gefüllt haben. Pedro Otzoup baute Häuser am Hang. Die Aldeaner machten daraus ein Zuhause.
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