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Unterhaltsam und nah dran: Dieser neue Krimi einer Mallorca-Auswanderin verrät viel über die Insel

Die Britin Anna Nicholas schreibt auf ihrer Finca in Sóller Erfolgskrimis. Den neuesten Band auf Deutsch stellt sie am 25. Juni im Club der MZ vor

MZ-Lesung mit der britischen Krimiautorin Anna Nicholas im ahr 2025

MZ-Lesung mit der britischen Krimiautorin Anna Nicholas im ahr 2025 / Nele Bendgens

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Sophie Mono

Sophie Mono

Anna Nicholas (Rochester, Großbritannien, 1961) ist freie Journalistin und Buchautorin. Der zweite Band ihrer Krimireihe um die fiktive Mallorquinerin Isabel Flores, die im Sóller-Tal der Polizei bei den Ermittlungen hilft, ist bereits 2020 im englischen Original erschienen. Jetzt gibt es „Die Lockvögel“ bei Diogenes auch auf Deutsch (18 Euro). Am 25. Juni stellt sie das Buch um 18.30 Uhr im Club der Mallorca Zeitung vor.

"Die Lockvögel", der zweite Teil der Krimi-Reihe, ist ab sofort im Handel erhältlich

"Die Lockvögel", der zweite Teil der Krimi-Reihe, ist ab sofort im Handel erhältlich / Diogenes

„Das Teufelshorn“, der erste Band der Reihe, erschien vor einem Jahr ebenfalls auf Deutsch. Wie waren die Reaktionen?

Wirklich gut. Es wurden über 18.000 Exemplare verkauft. Inzwischen melden sich jeden Tag deutschsprachige Leser über die sozialen Medien bei mir. Sie fragen mich nach Mallorca, nach dem Wetter, nach Veranstaltungen. Ich habe das Gefühl, eine neue Freundesgruppe gewonnen zu haben.

Unterscheiden sich die deutschen von den britischen Lesern?

Viele britische Leser wollen einfach eine gute Strandliteratur. Oft sind sie nicht im selben Maße wie die Deutschen motiviert, sich nach der Insel zu erkunden. Die Deutschen, Schweizer und Österreicher sind wissensbegierig. Sie sehen das Buch auch als eine Möglichkeit, mehr über Mallorca zu lernen. Für mich ist das ein Kompliment, denn Mallorca und die Kultur hier liegen mir sehr am Herzen. Ich versuche, das in meinen Büchern zu vermitteln – nicht aggressiv, sondern ganz behutsam.

Gleichzeitig locken Sie mit den Beschreibungen des schönen Mallorcas noch mehr Menschen auf die überfüllte Insel.

Das Dorf der Protagonistin, Sant Martí, ist bewusst erfunden, aber die Kriminalfälle führen Isabel Flores in verschiedene echte Orte. Manche Leser erzählen mir, dass sie einige dieser Orte besuchen. Aber ich versuche, in jedem Buch bewusst unterschiedliche Teile der Insel in meine Mordgeschichten einzubauen, Gegenden, in die die Leute normalerweise nicht fahren würden und die nicht touristisch überlaufen sind. Buchten wie Caló des Moro erwähne ich nicht, das wäre unverantwortlich. Aber man muss auch sehen: Es gibt viele Influencer mit Millionen von Followern, die Menschen auf die Insel bringen und wirklich die Massen bewegen. Sie wollen nur Klicks und Likes, und locken mit irreführenden Fotos Menschen an Orte, die am Ende für niemanden mehr angenehm sind. Ich nutze auch Instagram und Facebook und habe ein paar Tausend Follower, aber das sind Menschen, die meine Bücher wirklich mögen oder Kultur lieben. Das ist etwas völlig anderes.

Diesmal führt die Handlung nach Sant Joan im Inselinneren. Warum genau dorthin?

Weil es wenig bekannt ist und weil ich eines Tages zufällig dort war. Es war ein sehr ruhiger Tag. Ich besuchte das kleine Museum von Rafel Ginard, der ein bedeutender Volkskundler war. Dort sagte man mir, dass sie nicht viele Besucher haben. So kam mir die Idee.

Auch das Sóller-Tal ist sehr präsent im Buch. Dort lebt die Protagonistin, genau wie Sie. Ist es dort in letzter Zeit wirklich so schlimm, Stichwort Verkehrschaos?

Nach der Pandemie hat der Verkehr tatsächlich enorm zugenommen. Die Leute fahren seitdem noch lieber an schöne Orte, das ist nicht nur auf Mallorca so. Gerade zu Stoßzeiten führt das zu viel Frust unter den Anwohnern. Deshalb wurden am Ortseingang von Sóller drei Parkplätze geschaffen, um das Problem zu entschärfen. Aber das ist meiner Meinung nach keine Lösung. So zerstört man die Schönheit, und es kommen noch mehr Autos. Ich glaube, dass wir ein Park-and-Ride-System brauchen. Die Menschen könnten vor dem Tunnel parken, und dann gäbe es den ganzen Tag über einen kleinen Bus, der regelmäßig in die Stadt fährt. Natürlich erfordert das Organisation, aber ich glaube, es ist machbar.

Sie haben „Die Lockvögel“ vor der Pandemie geschrieben. Ist das Mallorca, das wir im Buch kennenlernen, noch das von heute?

Meine Krimireihe ist sehr aktuell. Ich spiegele das wider, was gerade passiert. In meinem neuesten Buch geht es zum Beispiel auch um Beschwerden über den Verkehr. Im zweiten Band ist das noch nicht so. Andererseits: Sobald man außerhalb von Sóller spazieren geht, ist es wunderbar und ruhig. Problematisch sind nur bestimmte Knotenpunkte, und auch da darf man die Schuld nicht allein auf den Tourismus schieben. Auch Haushalte mit mehreren Autos tragen eine Verantwortung.

Was unterscheidet den zweiten Band der Krimireihe vom ersten?

Beide Bücher haben zwei verschiedene Handlungsstränge, das mache ich immer. Im zweiten Buch war ich entspannter, weil ich nicht mehr so viele Figuren einführen musste. Sie entwickeln sich weiter, die Dorfgemeinschaft wird einem vertraut, die Leser werden Teil davon. Aber die Atmosphäre ist bewusst dieselbe: positiv und zum Wohlfühlen, trotz der Mordfälle. Und am Ende meiner Bücher möchte ich immer, dass die Leser mit einem Lächeln zurückbleiben, statt deprimiert zu sein. Sie sollen etwas lernen und zufrieden sein.

Lernen durch Mallorca-Feeling?

Ich hoffe, dass ich den Geist Mallorcas vermittle. Ich hatte das Glück, in meiner Anfangszeit auf der Insel zuerst mit Mallorquinern in Kontakt zu kommen und erst viel später mit anderen Zugezogenen. Ich kenne viele Mallorquiner sehr gut und möchte, dass die Leser verstehen, wie lebensfroh sie sind. Sie sind nett, wenn man ihnen freundlich begegnet, auch wenn es dauert, bis sie sich öffnen. Sie arbeiten, um zu leben, nicht andersherum. Das ist wichtig. Oft schimpfen meine Landsleute über Unpünktlichkeit auf der Insel. Andererseits: Wir sind so sehr von der Uhr bestimmt, das wir oft vergessen, auch mal innezuhalten.

Protagonistin Isabel Flores ist also Ihr Vorbild?

Ja. Sie liebt gutes Essen, aber sie bewegt sich auch. Die Dorfgemeinschaft, ihre Mutter – all das ist ihr wichtig. In vielen anderen Krimis sind die Ermittler selbst psychisch belastet. Ich wollte nicht, dass meine Heldin so ist. Ja, sie hat Trauer erlebt, weil ihr Vater gestorben ist, aber im Grunde ist sie eine ausgeglichene Person, von der wir vielleicht auch etwas lernen können. Manchmal schreibe ich etwas über sie und denke plötzlich: Das sollte ich selbst tun. Warum mache ich das nicht öfter? Dann sitze ich da und schreibe über jemanden, der eine gute Lebensphilosophie hat, während ich selbst ständig hinterherlaufe.

Dabei hat Isabel Flores auch Schwächen.

Ja. Sie isst zum Beispiel ständig Chupa Chups, auch wenn viele ihr sagen, dass es schlecht für die Zähne ist. Aber sie ist stark und lässt sich von anderen nichts diktieren. Genau wie ich.

Hat der Austausch mit Deutschen Sie für Ihre neuen Bücher inspiriert?

Gerade schreibe ich am fünften Band der Reihe und bin fast fertig. Schon beim Schreiben des vierten Bands habe ich darüber nachgedacht, dass ich in meinen Büchern gern einen Deutschen dabeihätte. Das hatte aber nichts mit damit zu tun, dass mein erstes Buch auf Deutsch erschienen ist. Im sechsten Band wird es also eine wichtige deutsche Figur geben, die nach Sant Martí kommt.

Bis wir Deutschen den sechsten Band übersetzt bekommen, dauert es noch, oder?

Ein bisschen. Ich schreibe etwa ein Buch pro Jahr, der Diogenes-Verlag ist immer ein paar Bücher hinterher, aber sie holen auf.

Anna Nicholas präsentiert "Die Lockvögel" am 25. Juni um 18.30 Uhr im Club der Mallorca Zeitung (Carrer Puerto Rico, 15, Palma). Es gibt eine Gratis-Weinverkostung, das Buch zum Sonderpreis und ein kleines Geschenk für alle Teilnehmer. Anmeldungen hier. Mehr Infos zum Buch gibt's auf der Website des Diogenes-Verlags.

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