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Humor mit Migrationshintergrund: Comedian von Mallorca mischt Spaniens Primetime auf

Der 31-jährige Yunez Chaib ist eine feste Größe in der Late-Night-Show "La Revuelta" - und hilft dabei auch anderen Marokkanern auf Mallorca, gesehen zu werden

Von Manacor ins Fernsehen: Der Comediant Yunez Chaib.

Von Manacor ins Fernsehen: Der Comediant Yunez Chaib. / Alby Bouvier

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Sarah López

Sarah López

Am 1 1. September 2001 wollte der damals siebenjährige Yunez Chaib seinen Mitschülern eine Freude machen. Einige Tage zuvor hatte er Geburtstag gehabt, nun brachte er Kekse mit in die Schule. Die Geste kam nicht besonders gut an. Einige Eltern waren empört darüber, dass ein Muslim ausgerechnet am Tag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York harmlose Kekse verteilte.

Solche Anekdoten erzählt der Mallorquiner mit marokkanischen Wurzeln zur Primetime im öffentlich-rechtlichen Sender La 1, in „La Revuelta“, einer der bekanntesten Late-Night-Sendungen Spaniens. Angefangen hat der Komiker aus Manacor in kleinen Sälen in Palma. Heute füllt der 31-Jährige ganze Theater und hat die kleine Insel gegen die große Hauptstadt eingetauscht. Dort erreichen wir ihn per Videoanruf, als er nach einem Dreh auf dem Heimweg ist.

Waren Sie als Kind der Klassenclown?

Besonders lustig war ich, glaube ich, nicht. Im privaten Kreis vielleicht schon. Aber in großen Gruppen bevorzuge ich es bis heute, eher im Hintergrund zu bleiben.

Wenn Sie nicht Comedian geworden wären, wie würde Ihr Leben auf der Insel aussehen?

Ich habe Tourismus an der Balearen-Universität studiert. Den Studiengang hatte ich mir ausgesucht, weil es gute Jobaussichten auf der Insel gibt. Also würde ich jetzt sicherlich in der Tourismusbranche arbeiten. Ich komme aus einer Familie mit sehr wenigen Mitteln, und jeder Job, der mir eine gewisse wirtschaftliche Stabilität ermöglicht hätte, hätte mich zufriedengestellt. Wahrscheinlich würde ich ein einigermaßen angenehmes und ruhiges Leben führen. Natürlich wäre es nicht dasselbe gewesen wie heute. Von der Comedy leben zu können ist ein großes Glück. Aber ich glaube, ich wäre trotzdem ziemlich glücklich.

Wie haben Sie angefangen?

In der alten Impro-Bühne Sala Trampa in Palma. Bei den Impro-Kursen war ich der Schlechteste von allen. Irgendwann wurden dort aber Kurse für Comedy-Schreiben angeboten, und das lag mir deutlich mehr. Auf Mallorca gab es damals nur drei offene Bühnen, die nur etwa alle zwei Monate stattfanden. Um mehr aufzutreten, flog ich häufig nach Madrid. Nach den Vorlesungen nahm ich den Abendflieger, trat in Madrid auf und flog am nächsten Morgen um 6 Uhr zurück. Übernachtet habe ich in Hostels, mit 16 anderen Leuten im Zimmer. So ging das ungefähr zwei Jahre. Im August 2021 zog ich dann endgültig nach Madrid, um bei „La Resistencia“ zu arbeiten – so hieß „La Revuelta“ vor dem Wechsel zu La 1.

Sie machen oft Witze über Themen wie Rassismus, mit denen sich andere Menschen unwohl fühlen. Über was würden Sie nie Scherze machen?

Nie ist schon ein großes Wort. Aber es gibt ständig Themen, über die ich in einer bestimmten Woche oder in einem bestimmten Monat nicht scherzen will. Ich will mit meinen Witzen nicht provozieren und auch kein kontroverses aktuelles Thema aufgreifen. Meine Witze entstehen vor allem aus meinen eigenen Erfahrungen. Ich würde auch nie etwas auf der Bühne erzählen, das nicht lustig ist. Mein Job ist es, Menschen zum Lachen zu bringen. Wenn mir also etwas Schreckliches passiert, dann erzähle ich es einem Freund oder meiner Psychologin.

Yunez Chaib bei einer Aufführung.

Yunez Chaib bei einer Aufführung. / Víctor C

Wie kommt Ihr Humor an?

Wenn man vor einem so großen Publikum steht, gefällt man vielen Menschen – und ein paar anderen eben nicht. Das Problem ist nur: Diese wenigen können dann trotzdem Hunderte Menschen sein. Am Anfang kann einen diese Zahl erschrecken. Aber mit der Zeit merkt man, dass es tausend- oder zehntausendmal mehr Menschen gibt, denen gefällt, was man macht. Irgendwann vergisst man die Zahlen und behält vor allem das Feedback im Kopf, das einem die vielen Leute in den Theatern geben. In meinen zehn Jahren Karriere ist mir nur punktuell Kritik zugetragen worden. Dann gehe ich auch immer in die Diskussion und spreche mit dieser Person, weil mich ihre Sichtweise interessiert. Mich freut es sehr, viele nicht-weiße Menschen im Publikum zu sehen. Auch viele, die wie ich marokkanische Wurzeln haben. Darauf bin ich stolz. Das kann nicht jeder Comedian von sich behaupten. Im Gegenteil: Bei den meisten Humoristen in Spanien ist das Publikum zu 100 Prozent weiß. Das finde ich eher traurig.

Als ein Comedian mit Migrationsgeschichte repräsentieren Sie ja auch die marokkanische Community zur Primetime im Fernsehen.

Das war nie mein Ziel. Aber es freut mich schon sehr, wenn Menschen auf mich zukommen, um mir zu sagen, dass sie sich durch mich stärker gesehen fühlen.

Sie haben vor Kurzem Ihr erstes Buch herausgebracht. Warum ein Roman und keine Komödie? Worum geht es?

Ich hatte mehrere Geschichten aufgeschrieben, die sich aber nicht für meine Monologe eigneten: Sie waren zu lang und teilweise auch erfunden. Dann bekam ich von einem Verlag das Angebot, ein Buch zu schreiben. Ich gab die Geschichten ab, die ich verworfen hatte, und sie kamen gut an. In meinem Buch „Corderito“ geht es um Abde, den Sohn marokkanischer Einwanderer, der im Spanien der 2000er-Jahre aufwächst. So wie ich. Für mich ist das kein Buch mit Monologen und auch kein gesellschaftskritischer Roman. Es will keine Lektion erteilen und niemanden belehren. Für mich geht es darin vor allem um familiäre Bindungen.

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