Mehr als Schießen und Beute: Warum das neue Jagdzentrum auf Mallorca ein guter Ausflugs-Tipp auch für Nicht-Jäger ist
Das neue Centre Cinegètic bei Son Macià soll Besuchern Jagdtraditionen nahebringen – und Vorurteile entkräften

Die Mitarbeiter der Umweltbehörde des Inselrats, Jero Corro und Mateu Abellanet, vor dem neuen Jagdzentrum / Nele Bendgens
Blutrünstige Jäger, wilde Treibjagden, quälende Fangmethoden: Es sind Bilder, die viele mit dem Jagdwesen verbinden – und ihm entsprechend kritisch gegenüberstehen. Doch es geht auch anders. Das zeigt ein MZ-Besuch im neuen Jagdzentrum (Centre Cinegètic), das im Juni in der Nähe von Son Macià eröffnet worden ist. Nicht Jäger sind es, die hier die Leitung innehaben, sondern die Umwelt- und Sportbehörde des Inselrats.
Gutes Vorbild
„Was wir hier vorantreiben wollen, ist verantwortungsvolles Jagen“, sagt Mateu Abellanet. Er ist einer der Umweltbeamten des Inselrats und kümmert sich besonders leidenschaftlich um den Aufbau des neuen Jagdzentrums. Hier stehen die buenas prácticas, die best practices, das vorbildliche Vorgehen im Vordergrund. In enger Zusammenarbeit zwar mit den Jägervereinigungen. Aber doch unabhängig von ihnen. Um die alten Jagdtraditionen der Insel gegen das Vergessen zu schützen und gleichzeitig das Image der Jagdszene aufzupolieren.

Jero Corro ist eine der Mitarbeiterinnen im neuen Jagdzentrum / Nele Bendgens
„Zuvor gab es ein ähnliches Zentrum bei Cala Pi. Weil der Grundbesitzer den Pachtvertrag nicht weiterführen wollte, wurde die Einrichtung nach öffentlicher Ausschreibung auf die Finca Sa Mola Vella verlegt“, berichtet Jero Corro. Auch sie ist Mitarbeiterin der Behörde und hilft mit, auf dem Gelände bei Son Macià schwerpunktmäßig pädagogisch zu arbeiten. Mit Schülern, Seniorengruppen – oder interessierten Privatpersonen. „Hier wird nicht gejagt. Gerade Menschen, die nichts mit der Jagd zu tun haben, aber mehr wissen wollen, sind willkommen“, sagt Corro.
Seit rund zwei Jahren sind die Mitarbeiter bereits dabei, das Gelände vorzubereiten. In einem der Räume am Haupthaus – einer komplett renovierten alten Finca, die Jäger auch für Seminare oder Fachtagungen mieten können – bauen sie gerade ein Informationszentrum auf. In wenigen Monaten sollen hier Broschüren ausliegen, schon jetzt sind verschiedene Jagdwerkzeuge ausgestellt.
Immer weniger Jäger

Ausgestellt sind auch alte Jagdwerkzeuge, die nicht mehr erlaubt sind / Nele Bendgens
„Die meisten davon waren früher auf der Insel im Gebrauch, sind aber mittlerweile verboten“, berichtet Mateu Abellanet. So wie einige Eisenfallen und Schnappkäfige. Ausgestellt sind auch Spannnetze, die einst wahllos Vögel aus der Luft abfingen. „Heute ist an Netzen nur noch das coll de filat erlaubt, und das auch nur unter hohen Auflagen“, sagt Mateu Abellanet. Auflagen – ein Wort, das die Jagd auf Mallorca seit 20 Jahren immer mehr bestimmt und zugleich hat schrumpfen lassen.
Im Jahr 2009 habe es auf Mallorca noch rund 74.000 Jagdlizenzen gegeben, berichtet Abellanet, während er über die Pfade des weitläufigen, hügeligen und teils bewaldeten Geländes läuft. Heute seien es nur noch rund 24.000, sagt der Behördenmitarbeiter und schlägt eine der drei Routen ein, die sich über das 46 Hektar große Gebiet erstrecken. „Viele dieser Menschen mit Jagdschein üben das Hobby gar nicht mehr aktiv aus“, ergänzt Jero Corro. Die Jagd leide unter Nachwuchsmangel – und einer verbreiteten Frustration. Wegen der immer dichteren Besiedelung der Insel, wegen der zahlreichen Tier- und Umweltschutzregeln, die das Jagen streng einschränken, vor allem aber auch wegen der sinkenden Akzeptanz durch große Teile der Bevölkerung.
„Die allermeisten Jäger halten sich heute an die Regeln, werden aber dennoch oft von Anwohnern beschuldigt, etwas falsch zu machen“, sagt Jero Corro. Gemeinsam mit ihren Kollegen ist sie auch als Jagdinspektorin auf der Insel unterwegs. So wichtig sie die strengen Auflagen findet, so berechtigt sei das Jagdwesen. „Seit der Steinzeit ist die Jagd mit den Menschen verbunden, gerade auf Mallorca gab es eine sehr stark ausgeprägte Tradition“, sagt sie. Alle über einen Kamm zu scheren und als Tierquäler abzustempeln, sei falsch.
Seltene Tiere

Mit versteckten Kameras beobachten die Mitarbeiter die Tiere, die sich den Tümpeln nähern / Nele Bendgens / Sophie Mono
An einem Tümpel bleibt Mateu Abellanet stehen. Die basse, wie das stehende Gewässer auf Mallorquinisch heißt, ziehe Tiere an. Eine versteckte Nachtsichtkamera fotografiert die Besucher an der Wasserstelle. Hasen, Marder, Waschbären – sogar eine der seltenen und extrem scheuen Ginsterkatzen ist schon vor die Linse gelaufen. „Wir beobachten das Verhalten der Tiere, analysieren es. Auch das gehört zu unserer Arbeit dazu.“ Auf Infoschildern – bisher nur auf Katalanisch – können Besucher mehr über die Tierarten erfahren.
„Auch Ramona hilft uns bei unseren Forschungen“, sagt Abellanet und beugt sich hinunter zu einem Mäusekäfig am Wegrand. Die kleine Maus, die vorsichtig ihr Schnäuzchen aus einem Unterschlupf steckt, locke Schlangen an, die wiederum in einer Falle neben dem Käfig gefangen gehalten werden, bis die Mitarbeiter sie begutachtet haben.

Regelmäßig schauen die Mitarbeiter, ob eine Schlange in die Falle gegangen ist / Nele Bendgens
Einladung für Ausländer
Weiter geht es durch bewaldete Pfade auf eine offenere Fläche. „Zutritt verboten. Schießfeld“, steht auf einem Warnschild an einem abgezäunten Bereich. „Hier können Jäger Schießübungen machen“, erklärt Abellanet. Er weiß: Immer wieder kommen auch ausländische Nicht-Residenten auf die Insel, um zu jagen. „Sie brauchen allerdings eine Einladung eines privaten Jagdrevierbesitzers und einen Waffenschein aus ihrem Land. Dann können sie eine Genehmigung beantragen und damit für einen bestimmten Zeitraum in dem entsprechenden Gebiet auf Mallorca jagen.“

Das Gelände des Jagdzentrums ist weitläufig / Nele Bendgens
Aber natürlich auch nur die Tiere, die gerade für die Jagd freigegeben sind. Das ändert sich jedes Jahr. „Wir bringen immer zum Start der Jagdsaison im Juni eine Broschüre heraus, die erklärt, was, wann, wie und in welcher Stückzahl gejagt werden darf“, berichtet Jero Corro. Damit alles seine Ordnung hat. Und die Tierwelt letztlich von der Jagd profitiert, statt unter ihr zu leiden.
Was, wann, wo?
Das Centre Cinegètic (Finca Sa Mola Vella) ist werktags von 7 bis 14 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos. Es empfiehlt sich jedoch, vorab bei der Jagdabteilung des Inselrats anzurufen und um eine Führung – auch auf Deutsch – zu bitten. Tel.: 971-17 38 78.
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