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Das Inselradio Mallorca wird 30: Gespräch mit CEO Daniel Vulic, der Mann im Ohr der Deutschen

Am Samstag (1.8.) steigt die große Geburtstagssause. Der Chef spricht mit der MZ über bescheidene Anfänge und den jüngsten Triumph

"Totale Leidenschaft": Inselradio-Chef Daniel Vulic über seinen Beruf

Nele Bendgens

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Thomas Fitzner

Thomas Fitzner

Ein kleines Modell des Raumschiffs Enterprise, eine Tim-und-Struppi-Rakete, eine Jukebox und ein Retro-Radio – das Dekor seines Büros verrät einiges über den „Das Inselradio S.L.“-Geschäftsführer: Ein ausgeprägtes Faible für die Vergangenheit und technologisch sehr gern sehr weit vorn. Seit knapp 28 Jahren leitet der heute 61-jährige Düsseldorfer Daniel Vulic den deutschsprachigen Radiosender mit seinem englischsprachigen Ableger.

Auch für Events hat der ehemalige Tanzlehrer und DJ eine Schwäche. Vom schnuckeligen Mini-Weihnachtsmarkt direkt vor der Tür des Studios an der Calle Lorca 2 in Palma bis hin zur Mega-Geburtstagsparty am 1. August mit sieben Stunden Musik auf dem Festivalgelände von Es Jardí Mallorca in Magaluf.

Wir fragten Daniel Vulic, wie alles begann und warum die Insel dem Inselradio zu verdanken hat, dass sie im März 2027 für drei Tage zum Nabel des europäischen Radio-Audio-Podcast-Universums wird. Nebenbei erfahren wir etwas über sein Vorleben als Tanzlehrer und Schaumparty-Veranstalter ...

Wann hat das Inselradio zum ersten Mal gesendet, und wie ist es dazu gekommen?

Die Mediengruppe Serra verfügte über Frequezen, und mit Matthias Kühn wurde ein Investor gefunden. Am 1. August 1996 ging das Inselradio erstmals auf Sendung, damals noch unter dem Namen La Ola – das Urlaubsradio. Bald danach stieß ich dazu, anfangs als Reporter, später als Moderator und Ende 1998 wurde ich bereits Programmchef.

Dann würde uns Ihre persönliche Vorgeschichte interessieren.

Ich bin gelernter Reiseverkehrskaufmann und kam 1994 auf die Insel, ohne fixen Plan. Zuerst habe ich es gemeinsam mit meiner Gefährtin als Tanzlehrer für Senioren im Winterprogramm der Hotels probiert, was super ankam, solange sie nichts bezahlen mussten. Dann war ich Geschäftsführer und DJ in einem Club in Cala d’Or, wo ich die ersten Schaumpartys auf der Insel veranstaltete, die im Rückblick riskant waren, weil von kleiner gewachsenen Gästen bald nichts mehr zu sehen war. Kurz verwirklichte ich auch meinen Traum: eine Musikbar führen. Das war in Sineu, wo in der Touristensaison die Mallorquiner ausgingen, weil sie in der Inselmitte damals noch mehr oder weniger unter sich waren.

Wie lief das Radiomachen in den 90ern?

Ein sechs Quadratmeter großer Raum, ein Mikrofon, Berge von CDs, die ich für jedes Programm zusammenstellte, und wenn das Telefon klingelte, musste ich als Moderator selber ran, weil es kein Sekretariat gab. Also kurze Ansage, Musik los und Hörer abgehoben.

Was haben die Hörer am Telefon gesagt?

Mir ist schnell bewusst geworden, dass wir für viele Menschen eine wichtige Funktion ausüben. Ich kann mich noch gut an den Anruf einer Dame aus Cala Murada ganz zu Beginn meiner Zeit erinnern, 84 Jahre alt, die mir sagte: Herr Daniel, vielen Dank, dass es das Radio gibt, damit fühle ich mich nicht so allein. Einmal rief mich ein Hörer aus Deutschland an, wir seien so positiv und lebensbejahend, er höre uns gerne bei seiner Arbeit und fühle sich damit besser. Im Lauf des Gesprächs stellte sich heraus: Das war ein Angestellter eines Beerdigungsinstituts.

Wann ist das Inselradio aus der Sechs-Quadratmeter-Zelle ausgebrochen?

Schon im Jahr 2000 sind wir in das Studio am Paseo Marítimo gezogen. Und bereits 2018 begann die Planung für das aktuelle Studio. Das Lustige ist, dass wir für vieles aufgrund der technologischen Entwicklung weniger Platz benötigen. Wir hatten hier ein eigenes Video-Schnittstudio geplant, aber diese Arbeit lässt sich heute mit einem Handy erledigen.

Das neue Studio.

Das neue Studio. / Nele Bendgens

War nicht auch mal der Start eines Fernsehprogramms geplant?

Ja, aber wir sind bald zum Schluss gekommen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Radio hat sich ja trotz aller Veränderungen der Medien- und Kommunikationslandschaft als enorm resilientes Medium erwiesen.

Gab es mal einen Moment, als das Fortbestehen des Inselradios zweifelhaft war?

Während der Corona-Zeit. Da wusste niemand, wie es weitergehen sollte. Die Werbeeinnahmen sind von einem Tag auf den anderen um 95 Prozent eingebrochen.

Und wie steht das Inselradio heute da? Wem gehört es?

2018 wurde es von einem in Madrid ansässigen deutschen Anwalt gekauft. Er lässt uns einfach arbeiten, das macht enorm Freude. Und wir haben vier Programme, neben dem Mallorca Inselradio auch das Classics mit Musik aus den 60er- und 70er-Jahren und dasselbe mit unserem englischsprachigen Programm Mallorca Sunshine Radio.

Und Sie haben mittlerweile mehr als ein Mikrofon ...

Wir gehörten zu den Ersten in Spanien, die den europäischen Standard des Digital Audio Broadcasting umgesetzt haben. Und aktuell haben wir hier 20 Mitarbeiter.

Im Studio stehen, liegen und hängen eine Menge Sachen herum.

Ich meine, man soll sich daran erinnern, wo man herkommt. Im Eingang hängt eine riesige Disco-Kugel, für die wir im alten Studio ein Fenster ausbauen mussten, um sie reinzukriegen. Übrigens mehr als 50 Kilo schwer, damit sie von den Disco-Bässen nicht in Stücke geblasen wird. Ebenfalls im Eingang haben wir eine Art Bühne aufgebaut, wo jetzt Sofas stehen. Hier wollen wir Tiny Desk Concerts machen, weil es auf Mallorca eine Menge hervorragender Musiker gibt, von denen man nie etwas erfährt. Denen wollen wir im doppelten Wortsinn eine Plattform geben. Und für die originale Jukebox aus den 70ern haben wir noch eine Sammlung von 50-Pfennig-Stücken, anders funktioniert die nicht.

Wie sehen die Zukunftspläne aus, abgesehen von der Geburtstagsparty am 1. August?

Wir wollen ein Übertragungsmobil über die ganze Insel schicken, damit das Inselradio direkt zu den Hörern kommt. Das wird ein umgebautes Vehikel im Stil eines Foodtrucks sein. Wobei man anmerken muss, dass wir tatsächlich die meisten Hörer in Deutschland haben. Dort verfolgen laut Media-Analyse 335.000 Menschen täglich unser Programm. Wir gehören quasi zur Familie. Zum Grillfest irgendwo in Bayern oder sonst wo wird das Inselradio eingeschaltet, das ist wie ein Stück Urlaub.

Sonstige Pläne, um noch mehr Ohren zu erobern?

Uns ist ein echter Coup gelungen: 2027 werden auf unser Betreiben die Radio Days Europe im Kongresspalast in Palma stattfinden. Ich bin denen 15 Jahre lang auf den Wecker gegangen, nun hat es endlich geklappt: Die größte Radio-, Audio- und Podcast-Messe des Kontinents wird vom 14. bis 16. März auf Mallorca abgehalten. Da kommen 2.000 Delegierte, für die Insel bedeutet das 5.000 bis 6.000 Übernachtungen. Bei den letzten Radio Days in Riga durfte ich die Gastgeber-Region vorstellen. Die Leute kommen also mit hohen Erwartungen ...

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