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„Wenn du zu langsam sprichst, schlafen die Leute ein“: So lernen Laien auf Mallorca das Predigen

In einer Kirche in Peguera üben zwei angehende Prädikantinnen das Abendmahl und die Predigt. Das Pfarrerehepaar der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde zeigt ihnen, worauf es dabei wirklich ankommt

Predigen – aber richtig. Die beiden Prädikantinnen der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde auf Mallorca lernen Gottesdienst

Ana B. Muñoz

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Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Die Sonne steht hoch am Augusthimmel und die Zikaden zirpen penetrant aus allen Richtungen, während der Schweiß ungefragt aus allen Poren fließt. Eine Tür des hölzernen Kassettenportals der katholischen Pfarrkirche Parròquia del Sant Crist im Carrer dels Pins in Peguera steht offen. Gegen das blendende Mittagslicht erscheint die Kirche dunkel, aber die erhoffte Kühle findet sich auch in dem recht modernen Gotteshaus nicht. Am Altar stehen vier Personen: Das Pfarrerehepaar der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde der Balearen, Martje Mechels und Holmfried Braun sowie die beiden Prädikantinnen Maike Wirths und Christine Deger, die gerade eine zweijährige Ausbildung für den ehrenamtlichen Predigerdienst absolvieren. Sie üben das Abendmahl, eines der beiden Sakramente der evangelischen Kirche.

Predigen – aber richtig

farrer Holmfried Braun übt mit der Prädikantin Christine Deger, wie das Abendmahl gereicht wird. Maike Wirths schaut im Hintergund zu. / Ana Muñoz

„Wenn du zu langsam sprichst, schlafen die Leute ein.“

„Schau, das ist der Kelch – und das der Leib, für dich gegeben“, sagt Christine Deger würdevoll. Ihre Hände heben den Kelch, zunächst zögernd , dann mit wachsender Sicherheit. Durch die bunten Fenster fällt Licht auf leere Bankreihen, ansonsten ist es still in der Kirche. Martje Mechel korrigiert sanft: die Hände etwas höher, den Blick nicht auf den Kelch gerichtet, sondern in die Gesichter der imaginären Menschen gerichtet. Braun fügt hinzu: „Wenn du zu langsam sprichst, schlafen die Leute ein. Lieber kurz und knackig. Zentral beim Abendmahl ist die Aufforderung: „Nehmt und esst und nehmt und trinkt.“

Das Übungsteam am heutigen Vormittag. Im Hintergrund die von der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde der Balearen gestiftete Orgel.

Das Übungsteam am heutigen Vormittag. Im Hintergrund die von der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde der Balearen gestiftete Orgel. / Ana B. Muñoz

Jeden Sonntag 240 km Fahrstrecke

In der evangelischen Gemeinde wird in jedem Gottesdienst das Abendmahl gefeiert. „Das machen wir für die Touristen so“, erklärt Mechels. In den kommenden Wochen sollen die beiden Laienpredigerinnen dies erstmals selbst leiten, jeweils in Begleitung mit einer Pfarrperson als Unterstützung im Hintergrund. „Das sind jeden Sonntag 240 km Fahrstrecke. Denn morgens sind wir für den Gottesdienst in Cala Ratjada im Inselosten und nachmittags in Peguera im Inselwesten“, erzählt Braun. Doch ein Gottesdienst ist nur das Endergebnis einer viel umfangreicheren Arbeit, denn worauf es wirklich ankommt, entscheidet sich nicht am Altar, sondern Wochen vorher am Schreibtisch: Was macht eigentlich eine gute Predigt aus?

Prädikantin Maike Wirths liest aus ihrer selbst geschriebenen Predigt an der Kanzel.

Prädikantin Maike Wirths liest aus ihrer selbst geschriebenen Predigt an der Kanzel. / Ana B. Muñoz

"Eine Predigt entsteht immer in diesem Dreieck von Ich, Welt und Bibeltext."

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Als so allmächtig beschreibt das Neue Testament im Johannesevangelium (Joh 1,1) die Kraft des Wortes. Eine gute Predigt zu verfassen und zu halten ist demnach keine leicht zu nehmende Aufgabe. „Ich glaube, Predigt entsteht immer in diesem Dreieck von Ich, Welt und Bibeltext“, sagt Pfarrerin Mechel. Was in der Welt gerade passiert, gehöre für sie ebenso zur Vorbereitung wie das Studium des Textes: die Angst mancher Gemeindemitglieder, ihre Wohnung zu verlieren, die Waldbrände, die gerade viele beschäftigen, ein Todesfall in der Gemeinde, eine Trennung. „Das ist mir quasi die Zeitung in der Hand“, sagt sie und verweist auf den Theologen Karl Barth, der forderte, mit der Bibel in der einen und der Tageszeitung in der anderen Hand zu predigen.

Der persönliche Segen der Gemeinde zum Abschluss des Gottesdienstes ist ein wichtiges Element. Hier zeigt Pfarrerin Martje Mechels die richtige Haltung dazu.

Der persönliche Segen der Gemeinde zum Abschluss des Gottesdienstes ist ein wichtiges Element. Hier zeigt Pfarrerin Martje Mechels die richtige Haltung dazu. / Ana B. Muñoz

Aus dieser Fülle muss am Ende eine einzige Botschaft herausdestilliert werden – das Rückgrat der Predigt. „Eigentlich ist eine Predigt dann gut, wenn man sie am Ende noch mal in einem Satz zusammenfassen kann“, sagt sie. Wie schwer das fällt, lernte sie bei den Vorbereitungen für den Fernsehgottesdienst des ZDF im vergangenen April, als sie vier Monate lang an einer einzigen Predigt feilte. Schöne Geschichten, die inhaltlich nicht weiterführten, mussten weichen. „Kill your darlings“ , hieß es vom ZDF-Team. Am Ende blieb ein Satz: „Du bist das Salz der Erde, du bist das Licht der Welt.“ Dazu sei bei einer guten Predigt genauso wichtig, diese klare Grenze zu beachten: „Es darf persönlich sein, aber nicht privat.“ Die Anwesenden nicken bestätigend.

Informationen

Deutschsprachige evangelische Gemeinde auf den Balearen

kirche-balearen.net

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