Mallorca 1936: Das Geheimnis um "Karl den Deutschen", der auf Mallorca im Bürgerkrieg den Tod fand
Obwohl die antifaschistischen Internationalen Brigaden erst nach der Schlacht von Mallorca gebildet wurden, gibt es einige Deutsche und Österreicher, die schon zuvor auf der Insel kämpften. Wer waren diese Leute?

Auf der "Mauer der Erinnerung" in Palma taucht auch der Name Karl "L'Alemany" auf / Nele Bendgens
Rund 1.600 Namen von Franco-Opfern sind inzwischen auf der „Mauer der Erinnerung“ auf Palmas Zentralfriedhof eingraviert. Der Blick bleibt hängen bei Karl „l’alemany“ – Karl „der Deutsche“, so wurde er offenbar genannt. Sein Nachname ist hingegen unbekannt.
Datenbank gibt Aufschluss
Einerseits haben knapp 40.000 Ausländer im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft, um die Zweite Republik gegen die Putschisten zu verteidigen. Rund 5.000 Deutsche gehörten den Internationalen Brigaden an, die die Kommunistische Internationale rekrutiert hatte. Andererseits wurden diese Freiwilligenverbände aber erst ab Oktober 1936 aufgestellt, als die Schlacht von Mallorca längst beendet war.
Und dennoch waren mehrere Deutsche und Österreicher bei der Landung von Porto Cristo dabei: Sie lebten bereits in Spanien, als der Bürgerkrieg nach dem Putsch vom 17. Juli 1936 ausbrach. Eine Datenbank der Universität Barcelona (sidbrint.ub.edu) führt fünf Personen sowie die wenigen bekannten Puzzle-Stücke ihrer Biografie auf. Zwei weitere Namen nennt der Historiker Andy Durgan in seiner Studie „With the POUM“ – die Abkürzung steht für Partido Obrero de Unificación Marxista, die antistalinistische „Arbeiterpartei der Marxistischen Einigung“.
Vor dem Nazi-Vater geflohen
Da wäre die 1916 geborene Margarita Zimbal – eigentlich Margarete Zimmermann –, die vor ihrem Nazi-Vater geflohen und 1933 nach Spanien gereist war, wo sie Erwin Bresler kennenlernte. „Sie verdienten ihren Lebensunterhalt als Straßenmusiker und kamen 1936 in Sitges an“, schreibt Durgan. „Dort schlossen sie sich der Jugendorganisation der POUM an und lebten mit den KPD(O)-Mitgliedern Else Homberger und Gerhard Henschke zusammen.“ Im August 1936 „zogen alle vier als Teil des POUM-Kontingents nach Mallorca, wo Bresler getötet wurde“. Der Deutsche, dessen Name auf der Mauer der Erinnerung verewigt ist, gehört damit zu den allerersten ausländischen Opfern des Kriegs. Seine Leiche wurde bis heute nicht identifiziert. Zimbal kehrte aufs Festland zurück, kam aber kurz darauf in der Schlacht von Aragón ums Leben. Homberger und Henschke waren ebenfalls an dieser Front, überlebten die Kriegswirren und emigrierten später in die USA.
Die Sidbrint-Datenbank führt zudem zwei österreichische Matrosen, Alfredo Perko (Alfred Perk) und Theodor Schlögl (Teodoro Schlocgl). Der Anarchist Perk kam laut Sidbrint am 4. September 1936 auf Mallorca zu Tode, er ist aber nicht in der balearischen Opfer-Liste aufgeführt. Über Schlögl ist nichts weiter angegeben, genauso wenig wie über einen Milizionär namens Alfred Umsonst.
Auf Mallorca erschossen
Und Karl „l’alemany“? Obwohl man ihn „den Deutschen“ nannte, war er in Wirklichkeit Österreicher, erklärt Maria Antònia Oliver von der Vereinigung Memòria de Mallorca. Er sei 1936 nach Barcelona gekommen, um an der dortigen Volksolympiade teilzunehmen. Als diese antifaschistische Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen in Berlin wegen des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs abgesagt wurde, zog Karl mit nach Mallorca. Hier soll er bei der Landzunge Punta de n’Amer nahe Sa Coma gefangen genommen und erschossen worden sein. Er gilt als unbekannt vermisst.
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