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Lasagne statt Heiligenstatue: Wie eine Bar in einem Dorf auf Mallorca die Einheimischen gegen sich aufbrachte

In Biniaraix hat eine private Party samt Prozessionsparodie die Patronatsfeste überlagert. Das Dorf schäumt

Der ohnehin sehr überschaubare Platz. Neben den aufgestellten Tischen vor der Bar ist kaum mehr Platz für Nicht-Gäste.   | F.: J. MORA

Der ohnehin sehr überschaubare Platz. Neben den aufgestellten Tischen vor der Bar ist kaum mehr Platz für Nicht-Gäste. | F.: J. MORA

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Mit der Belegung wichtiger Plätze auf Mallorca ist nicht zu spaßen. Wenn Urlauber sie den Einheimischen „wegnehmen“ oder sie ungünstig besetzt werden, trifft man damit bei den Mallorquinern einen Nerv. Das haben zuletzt nicht nur die vielen Rückeroberungsabende zentraler Plätze in Palma gezeigt, sondern jüngst auch ein Fall in Biniaraix. Dort war wohl auch eine „Lasagne-Prozession“ der Tropfen, der das Nachsichtigkeitsfass der Einheimischen zum Überlaufen gebracht hat.

Tatzeit: Freitag, 14. August, circa 20 Uhr.

Tatort: Plaça de la Concepció in Biniaraix.

Die vermeintlichen Täter: die ungünstigerweise deutschsprachigen Betreiber der am Dorfplatz gelegenen Bar Bodega Biniaraix und deren vorwiegend ebenfalls nicht spanischen Gäste.

Das ist passiert

Die Anklageschrift: Mit einer privaten Feier und den dafür auf dem Platz vor dem Lokal großzügig aufgebauten Tischen und Stühlen und den Gästen hätte die Barbetreiber den öffentlichen Raum so sehr belagert, dass die für den Abend geplanten Programmpunkte zum Beginn der Feierlichkeiten zu Ehren der Schutzpatronin kaum noch dort stattfinden konnten. Wie man auf dem an dem Abend gemachten Foto (siehe oben) sieht, ist für andere Gäste kaum mehr Platz auf der beschaulichen plaça. Zu allem Übel zog um 20 Uhr dann auch noch die eingangs erwähnte „Lasagne-Prozession“ vorbei, zu der ebenfalls die Bar aufgerufen hatte. Dabei handelt es sich um eine Parodie der Osterprozessionen – einer in Spanien und auch auf Mallorca hochheiligen Tradition.

Auf einem Video der spanischen Tageszeitung „Última Hora“ – das übrige Bild- und Videomaterial dürfte nach dem Eklat schnell aus dem Netz verschwunden sein – ist Folgendes zu sehen: Zur Musik von Dudelsackspielern (xeremiers) tragen weiß gekleidete Teilnehmer durch eine enge, geschmückte Gasse auf dem Tragegestell, das man von den Osterfeierlichkeiten kennt, statt einer Heiligenstatue mehrere Portionen Lasa-gne. Auch hier dürfte ein großer Anteil der Teilnehmer nicht-spanisch sein.

Die Geschädigten der Aktion: die einheimischen Bewohner des Dorfes.

Empörung von vielen Seiten

Ihre Reaktionen und die der Lokalpolitiker: so große Empörung, dass der Vorfall, auch aufgrund der vielen ausländischen vermeintlichen Täter gleich die ganze Overtourism-Debatte neu aufgerollt hat – vor allem während der laufenden Hochsaison auf Mallorca, in der ohnehin eine Anti-Tourismus-Demo die nächste jagt, ganz dünnes Eis. Die Linkspartei Més per Sóller legte eine offizielle Beschwerde ein und bezeichnete die Aktion als „absoluten Mangel an Respekt gegenüber den Anwohnern“.

Mit folgenden Worten ließen sie sich dann auch über die Barbetreiber und ihre Landsleute aus: „Die Neuankömmlinge, die nicht wissen, wo die Grenzen liegen, müssen sich Gedanken machen. Wir sind keine Kolonie, in der sie tun können, was sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen.“

Auch Bürgermeister Miquel Nadal schaltete sich ein: „Wir wollten kein großes Aufsehen erregen, haben aber die Ortspolizei beauftragt, ein Protokoll aufzunehmen.“ Der Bar droht ein Bußgeld von bis zu insgesamt 9.000 Euro, ein Teil davon wegen des Spielens von Musik ohne Erlaubnis. Im schlimmsten Fall müssten die Betreiber sogar einige Zeit lang schließen.

Reaktion der vermeintlichen Täter: Einsicht des „sehr schweren Fehlers“ und ein in den sozialen Netzwerken der Bar veröffentlichter Entschuldigungstext. Die Barbetreiber sprachen sich aber auch klar gegen ausländerfeindliches Verhalten und Kommentare aus, von denen sie in der letzten Zeit zu ihrem großen Bedauern genügend erhalten hätten.

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