Abwarten und Tee trinken: Wo Teeliebhaber auf Mallorca auf ihre Kosten kommen
Die Betreiberinnen von Geschäften in Palma und Artà führen auch Anfänger in die Welt der Tees und Aufgüsse ein

Tee gehört für viele im Winter dazu / La Boutique del Té / Instagram
Mit einem heißen Tee auf dem Sofa sitzen: Gerade im Winter gehört das für viele dazu. Als gesunde Alternative zur warmen Schokolade. Ein breit gefächertes Sortiment an Aufbrüh-Beutel in den Supermärkten beflügelt die Lust vieler Gelegenheits-Teetrinker. Dabei versteckt sich hinter den hippen Verpackungen oft wenig, was die Bezeichnung „gesund“ verdient – und noch weniger, was mit Tee im eigentlichen Sinne zu tun hat.
Tee-begeistert in Palma
„Es ist erschreckend, wie wenig die Menschen auf Mallorca über Tee wissen. Es gibt hier einfach keine Teekultur“, stellt Coco Philippoteaux immer wieder fest. Wenn sie beginnt, über Tee zu reden, dann ist ihre Begeisterung geradezu ansteckend. Fast schämt man sich, selbst so wenig über das Brühgetränk zu wissen. „Dabei ist es nach Wasser das am meisten konsumierte Getränk auf der Welt“, betont Philippoteaux. Und ihrer Meinung nach auch das interessanteste. „Die Geschichte, die Philosophie, die Kultur dahinter – all das ist faszinierend“, schwärmt sie.
Aktuell steht Coco Philippoteaux mit einem Verkaufsstand voller Teevariationen auf dem Weihnachtsmarkt an Palmas Parc de Ses Estacions. Gleichzeitig hält ihre Geschäftspartnerin Aina Jagla in dem gemeinsamen Ladenlokal „La Boutique del Té“ im Carrer d’Aragonès die Stellung. Vier Jahre ist es her, dass die Französin und die Mallorquinerin mit polnischen Wurzeln zueinanderfanden. „Wir lernten uns auf einer Online-Weiterbildung zum Tee-Sommelier kennen“, berichtet Philippoteaux. Die Vorbesitzerin des Ladens, den die beiden nach der Pandemie spontan übernahmen, war vor 30 Jahren Pionierin im Teegeschät auf Mallorca. „Bis heute ist es eine absolute Nische. Aber die Zahl der Kunden steigt“, versichert Coco Philippoteaux. Die Französin, die vor Corona in der Reisebranche tätig war, spricht zahlreiche Sprachen. Wenn sie Kunden berät, muss sie oft mit den Basics anfangen. „Die Deutschen beispielsweise sagen zu allem Tee, was man aufbrühen kann, dabei ist die Bezeichnung Tee nur im Zusammenhang mit Blättern der Teepflanze, der Camellia sinensis, korrekt.“
Gesund gleich teuer?
Die Erzeugnisse der Teepflanze wiederum seien je nach Verarbeitung in fünf Kategorien einzuteilen, von denen es wiederum Tausende Variationen und Mischungen gibt: „Weißer Tee, grüner Tee, Oolong-Tee, schwarzer Tee und dunkler Tee, der auch roter Tee genannt wird“, so Philippoteaux. „Viele Menschen glauben, dass grüner Tee per se gesund ist. Das ist ein Irrglaube. Es kommt immer auf die Qualität an – und die muss nicht unbedingt sehr teuer sein“, betont sie. Ceilán-Tee aus Sri Lanka oder Sichuan-Tee aus China seien gute Beispiele für günstige, aber hochwertige Produkte, ebenso wie Bancha-Tee aus Japan.
„Natürlich führen wir auch zahlreiche Aufgüsse – Mischungen getrockneter Pflanzenteile, die aufgebrüht werden, aber nicht von der Teepflanze stammen, obwohl sie im Deutschen auch Tee genannt werden.“ Das im Spanischen infusión genannte Getränk stützt sich auf getrocknete Wurzeln wie Ingwer oder Kurkuma, Blüten- und Blättermischungen, wie Lavendel, Kamille und Co., oder auch getrocknete Früchte, die in heißem Wasser aufgegossen werden. „Auch Rooibos ist kein Tee, sondern eine infusión. Sie stammt aus der Rooibos-Pflanze aus Südafrika. Ein tolles Getränk, das wie alle Aufgüsse kein Teein enthält, dafür aber eine zellschützende Wirkung hat und schädliche Substanzen im Körper neutralisiert.“ Bei der Auswahl der Teesorten für die „Boutique del Té“ gehen die Inhaberinnen vor allem danach, was ihnen selbst schmeckt – und freuen sich jedes Mal, wenn Kunden tieferes Interesse für die Herkunft der Produkte zeigen.
Eigene Mischungen in Artà
In ihrem Laden „HerbaSana“ im Ortskern von Artà geht die promovierte Pharmazeutin Sofía Mira einen Schritt weiter. Hier verkauft sie neben anderen gesunden Produkten nicht nur Tees und Aufgussmischungen, die gut schmecken, sondern stellt je nach den Bedürfnissen und körperlichen Beschwerden der Kunden auch selbst individuell abgestimmte Mischungen zusammen, um eine gezielte Wirkung zu erreichen. Dabei greift sie auf Erzeugnisse von mehr als 50 Heilpflanzen zurück. Egal ob bei Verdauungsproblemen, Schlafstörungen, Atemwegsbeschwerden, Gelenkschmerzen oder zum Entschlacken – der richtige Aufguss könne in vielen Lebenslagen wirksam sein, betont Mira. „Viele Leute ziehen Aufgüsse Tabletten oder Tropfen vor, da es eine natürlichere Art ist, die Wirkstoffe zu sich zu nehmen.“
Tipps zur Zubereitung
Auch Kunden, die einfach nur ein gutes Heißgetränk für den Winter suchen, sind bei ihr richtig. Sie führt auch trendig-fruchtige Mischungen für Gelegenheits-Teetrinker. In jedem Fall sei es aber wichtig, einige Schritte bei der Zubereitung zu beachten. „Einfach den Beutel drinlassen, bis man ausgetrunken hat, geht gar nicht“, betont Mira. Überhaupt rät sie wegen der industriellen Herstellung von Aufgüssen oder Teemischungen in Beuteln ab. „Besser sind lose Mischungen.“ Auch Mikrowellen seien bei der Teebereitung tabu. „Weißen Tee sollte man nur ein bis zwei Minuten ziehen lassen und das Wasser nur auf 70 Grad erwärmen, schwarzer Tee hat eine maximale Ziehzeit von vier Minuten, und man sollte den Wasserkocher ausschalten, sobald das Wasser blubbert.“ Letztlich sei es immer sinnvoll, sich vor Ort beraten zu lassen. Die Welt der Tees und Aufgüsse sei halt so vielfältig wie das Wissen um sie.
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